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Toxic Toast in Coburg
Deutschlands bester Plattenladen: Kreativ zum Erfolg
Michael Russek in seinem Plattenladen Toxic Toast in der Coburger Innenstadt
Michael Russek freut sich über die Auszeichnung mit dem EMIL Preis. Und hofft, dass es den Preis auch im nächsten Jahr noch geben wird. // Foto: Christian Rothe
Coburg – Das Toxic Toast wurde als bestes Schallplattenfachgeschäft Deutschlands ausgezeichnet. Kein Wunder: Besitzer Michael Russek muss kreativ sein, damit er Erfolg hat. Wie andere Vinyl-Läden auch.

In seinem Laden Toxic Toast – Bar und Plattenladen in einem – traten schon die deutsche Rockband Ton, Steine, Scherben und der Schlagzeuger der Toten Hosen auf. Seit 2002 betreibt Michael Russek seinen Laden, der jetzt mit dem EMIL Preis als das beste Schallplattenfachgeschäft Deutschlands ausgezeichnet wurde.

Die Verleihung des EMIL Preises fand am 23. Geburtstag seines Plattenladens Toxic Toast statt. „Das war ein sehr schönes Geburtstagsgeschenk“, sagt Russek. 

Eine Auszeichnung wie diese ist für einen Laden wie den von Michael Russek viel wert, denn Plattenläden in ganz Deutschland haben Schwierigkeiten zu überleben: „Man muss schauen, wie man über die Runden kommt. Da hat jeder seine eigenen Lösungen: Hier in Coburg haben wir die Bar und in Hamburg zum Beispiel gibt es einen Laden, der nur Platten mit hanseatischem Hintergrund verkauft“, erklärt Russek.

Sieben Prozent Mehrwertsteuersatz auch für Schallplatten?

Michael Russek sagt, dass es noch andere Ideen gebe, um die Schallplattenläden am Leben zu halten. Zum Beispiel einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, wie bei Büchern. Doch auch das steht und fällt mit den Entscheidungen, die in der Politik getroffen werden, wie Russek sagt: „Die Bundesregierung spart ja derzeit an Kultur und als allererstes trifft es natürlich die Subkultur. Deshalb ist es nicht sicher, dass es den EMIL Preis im nächsten Jahr noch geben wird.“ 

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Man legt eine Schallplatte auf und hört sie durch. Nicht so wie beim Streaming, wo man alle zehn Sekunden weiter drückt.

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Michael Russek Inhaber des Coburger Schallplattenladens Toxic Toast

Was ist der EMIL Preis?

Der EMIL Preis wurde im letzten Jahr erstmals vergeben. Er ist nach Emil Berliner, der als Erfinder der Schallplatte gilt, benannt. Der VUT (Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen) hat den EMIL Preis in Kooperation mit der ehemaligen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth, vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Ausgewählt werden die Preisträger von einer Jury aus Journalisten, Ladenbetreibern und Musikern. Die Plattenläden müssen sich vorher online selbst für den Preis, der mit einem Preisgeld mehrere tausend Euro dotiert ist, bewerben.

Besonderes Konzept: Schallplattenladen als Begegnungsstätte

Russek vermutet, dass die Jury sein außergewöhnliches Konzept überzeugt hat: „Ich denke, dass ich ein gutes Gesamtkonzept habe: Es ist ja nicht nur ein Schallplattenladen, sondern auch eine Bar, in der live Konzerte und Lesungen stattfinden“, erklärt Russek. Sein Schallplattenladen sei so nicht einfach nur ein Laden, sondern eine Begegnungsstätte: „Man tauscht sich im Toxic Toast bei einem Getränk über Musik aus. Und dadurch ist es auch eine Anlaufstelle bei Fragen zu Musik.“

Toxic Toast in der Coburger Innenstadt
Der Plattenladen Toxic Toast in der Coburger Innenstadt bietet zwar viel Rockmusik an, aber auch Swifties werden hier fündig. // Foto: Christian Rothe

Schallplatte statt Streaming: Nische mit alten, aber auch jungen Fans

Michael Russek verkauft Platten verschiedener Musikrichtungen, aber trotzdem gebe es eine, die dominiert: „Bei mir geht es schon eher in Richtung Rock, aber das heißt nicht, dass ich keine Taylor Swift Platten im Angebot habe“, sagt er und lacht. Durch diese bunte Mischung kämen ganz unterschiedliche Menschen zu ihm, jung wie alt. Doch trotzdem seien Schallplatten ein Nischenprodukt: „Es ist eine Nische, aber eine Schallplatte ist einfach etwas Handfestes, das bestehen bleibt“, sagt Michael Russek.

Das Hören einer Schallplatte sei ein Gegenentwurf zum Musik streamen, wie Russek sagt: „Man legt eine Schallplatte auf und hört sie durch. Nicht so wie beim Streaming, wo man alle zehn Sekunden weiter drückt“. Und das ist es wohl, was auch junge Menschen dazu bringt, den alten Schallplattenspieler der Eltern oder Großeltern wieder zum Leben zu erwecken: Sich auf einen Song einlassen, anstatt immer gleich weiter klicken.

Einziger Schallplattenladen in Coburg

Eigentlich ist Michael Russek gelernter Büroinformationselektroniker, doch als der damals einzige Plattenladen in Coburg vor 23 Jahren zu schließen drohte, kam ihm die Idee einfach selbst einen Plattenladen zu eröffnen: „Als ich davon gehört habe, dachte ich, eigentlich könnte ich doch einfach selbst einen neuen Plattenladen in Coburg eröffnen“, sagt er. Denn Musik-begeistert sei er immer gewesen. Auch heute hört er nicht nur Musik, sondern spielt auch selbst Schlagzeug in einer Ska Punk Band, wie er sagt.

Heute ist Michael Russeks Schallplattenladen Toxic Toast der einzige Laden seiner Art in Coburg. Wer im Jahr 2025 einen Schallplattenladen betreiben will, der braucht neben der Liebe zur Musik kreative Ideen und vielleicht auch einen Hang zur Nostalgie.

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