Manche Liebesbeziehungen bestehen vor allem in der Theorie, andere, weil den beiden Liebenden das Herz aufgeht. Und manche beginnt erst in festgefügten Vorstellungen vom anderen und sich selbst und endet dann im doch nicht Fassbaren.
Zwischen diesen beiden Polen führt die britische Dramatikerin Samantha Ellis ihre beiden Liebenden Kate und Steve durch Paarungsverhalten, das unter den heutigen vermeintlichen Freiheiten noch viel komplizierter geworden ist als in früheren Generationen. Daten Sie mal als junge Frau unter dem bestehenden Zwang, (vor allem äußerlich) perfekt sein zu müssen, einen wirklich bemühten Feministen, der seinen Heiratsantrag als Entschuldigung für das Patriarchat vorbringt. Wo Ihnen doch der zupackende Macker viel besser gefällt.
Volles Haus zur Premiere
„How to Date a Feminist“ heißt die am Ende doch sehr romantische Komödie, die Magdalena Schönfeld zum Saisonauftakt in der Reithalle inszeniert hat. Volles Haus zur Premiere, dem Publikum hat es gefallen.
Die Komödie ist weniger „rasant“, wie angekündigt, als bei aller Komik dankenswerterweise eher nachdenklich. Mit viel Humor, das darf ja gleichzeitig sein. Gute Sprüche, von Silke Pfeiffer auch im Deutschen erfasst, bringen die tückischen Verstrickungen der Liebe auf den Punkt.
Jetzt sind es die Frauen, die doch zur Verzweiflung des „guten Mannes“ alle nur noch das Eine wollen.
Feminist macht alles falsch
Dabei weiß Kate unter dem herausfordernden Blick von Steve gar nicht, was sie wirklich will; sie folgt von außen aufgezwungenen Konzepten im Kopf. Und Steve, ganz in der Theorie seiner radikal feministischen Mutter, will alles so verzweifelt richtig machen, dass er dann alles falsch macht.
Als Narren, die Kate und Steve wie wir alle sind, hat Ausstatterin Clara Rosina Straßer die beiden in Harlekin-Kostüme gesteckt, alles bunt gerautet, wie die Gestalten, die Psychen, die Gefühlswelten des Paares und der Menschen hinter ihnen.
Satirisch und witzig
Die werden von Antonia Bockelmann und David Kösters parallel verdoppelt im filmischen Szenenwechsel geschickt auf das gerasterte Bühnenpodest geholt. Das ist schön satirisch und witzig. Selbstverständlich ist die ganze Szenerie kühl-chic heutig gehalten zu elektronischen Klängen.
Bockelmann und Kösters sind auf diesem zum bunten Blicken fähigen Podest ausgestellt. Es gelingt ihnen trotzdem, in allem Referieren des eben theoretischen Hintergrundes, innige Momente herzustellen.
Am Ende siegt die Liebe
Apropos, mal grundsätzlich gefragt: Wie viele „Feministen“ laufen tatsächlich herum, als dass dieses ja sinnvolle theoretische Modell männlichen Daseins in einem satirischen Theaterstück schon wieder zerhackt werden müsste? Und alle Bemühungen gutwilliger Männer, endlich etwas zu verändern, durch übertriebene Darstellung gleich wieder der Lächerlichkeit preisgegeben werden? Aber bitteschön: Hauptsache, wir haben Spaß. Und Hauptsache, am Ende siegt wie eh und je die Liebe. Egal, was vorher so dahergeredet wurde.









