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Gesellschaft
Coburger Morizkirche bietet die Wärme der Gemeinschaft
„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Die Morizkirche ist proppenvoll und es herrscht eine aufgeschlossene, freundliche Atmosphäre.
„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Die Morizkirche ist proppenvoll und es herrscht eine aufgeschlossene, freundliche Atmosphäre. // Gabi Bertram
Signet des Fränkischen Tags von Gabi Bertram
Coburg – Rund 120 Ehrenamtliche haben in Coburg das Projekt „Vesperkirche“ wieder in die Hände genommen. Was es damit auf sich hat.

Nach einer überaus erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr geht die „Vesperkirche“ in Coburg nun in die zweite Runde. Unter dem Motto „wärmt und verbindet“ gibt es in den kommenden zwei Wochen jede Menge Labsal für Körper und Seele.

„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Letzte Absprache im Organisationsteam: Günter Wolf, Eberhard Wittmann, Barbara Mooser, Kathrin Höllein und Ann Engel sind bereit.
„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Letzte Absprache im Organisationsteam: Günter Wolf, Eberhard Wittmann, Barbara Mooser, Kathrin Höllein und Ann Engel sind bereit. // Gabi Bertram

Die Kirchgemeinden des evangelisch-lutherischen Dekanats Coburg und die Diakonie Coburg laden in konzertierter Aktion mit zahlreichen Helfern und Sponsoren zu Speis und Trank, zu Gesprächen und Begegnungen, zu Gottesdiensten, Musik und Tanz ein, bieten Informationen, Rat und Unterstützung – und vor allem die Wärme der Gemeinschaft.

„Mehr wert als schöne Worte“

Am Tisch von Renate Haenel, Ruth Schilling, Uschi Maurer und Jörg Werner ist schnell Gesprächsstoff gefunden. Sie waren schon im vergangenen Jahr hier und haben erfahren, was Gemeinschaft bewegen und beleben kann.

„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Die Morizkirche ist knackevoll, und es herrscht eine aufgeschlossene, freundliche Atmosphäre.
„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Die Morizkirche ist knackevoll, und es herrscht eine aufgeschlossene, freundliche Atmosphäre. // Gabi Bertram

„Es ist ein gemischtes Publikum hier“, sagt Jörg Werner aus Coburg. „Eine solche tolle Idee, wie sie die Kirche mit der ,Vesperkirche‘ umsetzt, müsste viel mehr verbreitet sein und vor allem auch von der Politik aufgegriffen werden. Das hier ist mehr wert als schöne Worte.“

Renate Haenel ist Ende 70 und allein zu Hause. Sie freut sich darauf, andere kennenzulernen und in der Gemeinschaft ein leckeres Essen zu genießen.

„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Die Morizkirche ist knackevoll, und es herrscht eine aufgeschlossene, freundliche Atmosphäre.
„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Die Morizkirche ist knackevoll, und es herrscht eine aufgeschlossene, freundliche Atmosphäre. // Gabi Bertram

Mal über den eigenen Tellerrand hinausschauen, nennt es Uschi Maurer aus Coburg, und auch Ruth Schilling ist begeistert, dass sich hier alle treffen können, egal, ob alt oder jung, arm oder reich, mit oder ohne Konfession.

Rund 120 Ehrenamtliche wirken an dem Projekt „Vesperkirche“ mit

Rund 120 Ehrenamtliche wirken an dem Projekt „Vesperkirche“ mit, bringen Ideen und Herzblut ein und stellen ein Programm auf, das für Wärme und Gemeinschaft steht und zudem einige Neuheiten parat hält. Wie die Aktion „Coburgs längster Schal“, der „wärmt und verbindet“ und der Vesperkirche das Motto gab. Jeder kann mitmachen, dass der Schal noch weiter wächst.

„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Miteinander ins Gespräch kommen, das geht bei Renate Haenel, Jörg Werner, Uschi Maurer und Ruth Schilling schnell.
„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Miteinander ins Gespräch kommen, das geht bei Renate Haenel, Jörg Werner, Uschi Maurer und Ruth Schilling schnell. // Gabi Bertram

Erstmals gibt es eine Gebrauchtwarenbörse, die am Sonntag, 3., und Montag, 4. März, geöffnet hat. Es gibt kostenlose Maniküre, kostenlose Friseurbesuche, Gesprächsangebote unter dem „blauen Schal“, Konzerte in der Morizkirche, Poetry Slam, Line Dance, Jugend- und Schlagergottesdienste und vieles mehr – alles für jeden frei.

„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Pfarrer Roland Huth hat ein Wollknäuel mitgebracht und ruft dazu auf, nicht aufzuhören, am „Schal der Wärme und Verbindung“ weiter zu stricken.
„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Pfarrer Roland Huth hat ein Wollknäuel mitgebracht und ruft dazu auf, nicht aufzuhören, am „Schal der Wärme und Verbindung“ weiter zu stricken. // Gabi Bertram

Im ökumenischen Sinn ist es heuer der katholische Pfarrer Roland Huth, der auf die Kanzel steigt. Roland Huth, der als Klinikseelsorger in Bamberg wirkt, ist in Coburg und Umgebung sehr bekannt. Er war hier Leitender Pfarrer und später Dekan.

Huth interpretierte Ludwig Feuerbachs Ausspruch „Der Mensch ist, was er isst“ neu und meinte, das Wesentliche sei das, was unter Menschen geschieht, die miteinander essen und teilen, reden und zuhören. Gerade die Krisen und Kriege dieser Zeit mahnten dazu, Plätze am großen Lebenstisch zu finden. Leider werde man aber auch abgespeist, und das mache traurig.

„Kirchengemeinden sollten unvoreingenommen ihre Türen öffnen“

Umso wichtiger sei es, dass die Kirchgemeinden unvoreingenommen ihre Türen öffneten und allen Einlass böten. Huth hielt ein Wollknäuel hoch und appellierte an alle, „auch nach dem letzten Stück Schal nicht aufzuhören, innerlich an Wärme und Gemeinschaft weiter zu stricken – am Band, das uns verbindet“.

Auch Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig sprach einige Worte. Die Aktion „Vesperkirche“ ermögliche es nicht nur, ein warmes Mittagessen einzunehmen, sondern sei auch ein Stück Gemeinschaft gegen die viel zu oft verbreitete Vereinsamung in dieser Zeit.

„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Auch OB Dominik Sauerteig und Landrat Sebastian Straubel haben sich die Schürzen umgebunden und helfen bei der Essensausgabe.
„Vesperkirche“ in der Morizkirche in Coburg: Auch OB Dominik Sauerteig und Landrat Sebastian Straubel haben sich die Schürzen umgebunden und helfen bei der Essensausgabe. // Gabi Bertram

Er und Landrat Sebastian Straubel ließen es sich nicht nehmen, die Küchenschürzen umzubinden und dem fleißigen Organisationsteam bei der Essensausgabe unter die Arme zu greifen.

Dabei waren unter anderem Kerstin Haas, Günter Wolf, Eberhard Wittmann, Barbara Mooser, Kathrin Höllein und neu Ann Engel. „Meine Schwiegermutter hat im vergangenen Jahr mitgeholfen, und ihre Begeisterung hat mich auch angesteckt. Ich habe extra für die Zeit Urlaub genommen“, teilte Ann Engel freudig mit.

Leckeres Menü aus dem Regiomed-Klinikum Coburg

Sie und alle Gäste freuten sich über die vielen Menschen, die mithalfen, um die Gemeinschaft zu nähren. Es komme einem auch so viel Dankbarkeit entgegen, stellte Engel fest.

Es stand ein leckeres Menü auf dem Plan, zubereitet im Regiomed-Klinikum Coburg: Blumenkohlcremesuppe, Schweineroulade mit Kräutersauce, Kaisergemüse und Kartoffeln oder Topfenstrudel mit Beerensauce und zum Nachtisch frisches Obst.

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