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Zwillinge werden 90 Jahre
Einst waren sie getrennt - „Jetzt haben wir uns wieder!“
Im Alter wieder vereint sind die Zwillinge Helga Schmidt (links) und Ingeborg „Inge“ Posselt: Ihren Lebensabend verbringen die beiden rüstigen Damen gemeinsam im Seniorenheim auf der Bertelsdorfer Höhe. Heute ist ihr 90. Geburtstag. Bettina Knauth
Im Alter wieder vereint sind die Zwillinge Helga Schmidt (links) und Ingeborg „Inge“ Posselt: Ihren Lebensabend verbringen die beiden rüstigen Damen gemeinsam im Seniorenheim auf der Bertelsdorfer Höhe. Heute ist ihr 90. Geburtstag. Bettina Knauth // 
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Coburg – Die Zwillinge Helga Schmidt und Ingeborg Posselt freuen sich über ihren gemeinsamen 90. Geburtstag
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180. Geburtstag im ASB-Seniorenzentrum „Am Park“ auf der Bertelsdorfer Höhe: Am 24. September, feiern hier die Zwillingsschwestern Helga Schmidt und Ingeborg Posselt gemeinsam die Vollendung ihres jeweils 90. Lebensjahres. Als zweites und drittes Kind von Johanna und Eugen Liebkopf hatten sie in der Coburger Dreyer-Klinik das Licht des Welt erblickt. Nach Kindheit und Jugend verbringen die beiden Witwen nun ihren Lebensabend wieder gemeinsam.

Erinnerungen an die Kindheit und Jugend der Zwillingsschwestern gewähren die alten Fotoalben. Repro: Bettina Knauth
Erinnerungen an die Kindheit und Jugend der Zwillingsschwestern gewähren die alten Fotoalben. Repro: Bettina Knauth // 

Räumlich getrennt waren die Zwillinge nie lange voneinander, berichten sie. Von Buchenrod, wo sie mit den Eltern und ihrem älteren Bruder Helmut zunächst kurze Zeit bei den Großeltern mütterlicherseits in der Korbmacherei lebten, zogen sie bald nach Ahorn in das neuerrichtete Elternhaus. Dort fand auch ihre Großmutter väterlicherseits eine neue Bleibe. „Sie war eine Tochter des letzten Schäfers der Schäferei Ahorn, Gottlieb Neubert“, berichtet Helgas Tochter Birgit Beyersdorf. In Ahorn gingen die Schwestern gemeinsam in den Kindergarten, wurden konfirmiert und machten ihren Schulabschluss.

Sehr gute Turnerinnen

In ihrer Freizeit turnten die beiden beim TV 1848 in Coburg, in der Leistungsriege. „Wir waren bei vielen Turnfesten in ganz Deutschland dabei, von Augsburg bis Berlin“, erzählt Ingeborg, die alle nur Inge nennen. Auch Musik habe in ihrem Elternhaus eine große Rolle gespielt. Während ihre Schwester in einem Kolonialwarenladen arbeitete, kümmerte sich Helga erst als Kinderpflegerin um ein behindertes Kind, bevor sie eine Ausbildung als Gebildehandstickerin absolvierte. Für Fahnen Koch in Coburg stickte sie Banner und Wimpel, privat Tischdecken und Kissen.

Die Wege der Zwillinge trennten sich erst in ihrem 25. Lebensjahr: Inge heiratete 1959 Heinz Posselt, Helga dann 1961 Gernot Schmidt. Ihre Männer hatten sie bei einem Weinfest beziehungsweise beim Tanzen kennengelernt. Bald darauf brachte jede einen Sohn zur Welt. Inge bekam später einen zweiten Sohn, Helga noch ihre Tochter Birgit. Während Inge in Ahorn blieb, zog Helga mit ihrem Mann nach Untersiemau. Beide pflegten – und prägten – das Vereinsleben: Die Ahornerin bleib dem TSV treu, dem ihr Bruder Helmut lange Jahre vorstand. Dort hielt sie Kinderturnstunden ab, wofür sie mit der Ehrennadel des Vereins ausgezeichnet wurde. Als Neubürgerin brachte sich ihre Schwester in Untersiemau sogleich ein: Über 60 Jahre war sie im Gesangverein Eintracht aktiv, außerdem sang sie im Itzgrundchor.

Während ihr Mann bei der Gemeinde Ahorn für die Kontrolle der Wasserversorgung zuständig war, arbeitete Inge bis zur Rente bei der Firma Chromo in Sonnefeld (früher Oschmann) und kümmerte sich dort um die Post. Helga hingegen musste einen schweren Schicksalsschlag verkraften, der fortan ihr Leben bestimmen sollte: Im Alter von 37 Jahren erlitt ihr Mann Gernot einen Hirnschlag, gefolgt von mehreren Schlaganfällen. Damit war die politische Karriere des Zweiten Bürgermeisters auf einmal vorüber. Seine Nachfolge trat dann Karl Zeidler an, der spätere Landrat. Der Postbeamte Gernot Schmidt wurde frühpensioniert, ließ sich aber nicht unterkriegen, wie seine Tochter schildert. Ihre Mutter habe im Hintergrund die Fäden gezogen und ihren Mann mit Geduld, Liebenswürdigkeit und Humor gepflegt, bis er im Alter von 64 Jahren starb. Eine Leistung, für die sie mit der bayerischen Pflegemedaille ausgezeichnet wurde.

Sie wurden früh Witwen

Wann immer es ging, verbrachten die Schwestern mit ihren Familien die Freizeit gemeinsam, am liebsten in Ahorn. Dass auch Inge ihren Mann früh verlor – er wurde nur 67 Jahre alt – schweißte die Schwestern noch enger zusammen. Wie auch andere Schicksalsschläge: Ihre jüngere Schwester Vroni verstarb und die weiteren Zwillinge, die ihre Mutter noch spät zur Welt brachte – Helga und Inge waren damals schon 20 Jahre alt –, starben als Säuglinge.

Humor und gute Laune, regelmäßiger Sport, die Familie, gute Küche und der Verzicht auf Nikotin, all das nennen die Zwillinge als Rezept für ein langes Leben. „Ich habe meine Mama noch nie schlecht gelaunt erlebt“, sagt Birgit Beyersdorf. Ihr Erfolgsrezept sei es immer gewesen, mit Humor selbst schwierige Situation zu meistern. „Der Sport hat uns so weit gebracht“, ist ihre Tante überzeugt. Auch jetzt machen beide, soweit es geht, noch alles mit, ob Gymnastik oder Kegeln. Mit dem Rollator sind die Schwestern noch flott unterwegs. Auch kognitiv würden sie gefordert, bestätigt die Tochter. Beider Hobby sei aber die Familie. Inge hat vier Enkel- und neun Urenkelkinder, Helga sechs Enkel und acht Urenkel. „Wenn man ihnen einen Gefallen tun will, dann holt man sie heim“, sagt Beyersdorf. Nicht fehlen darf dann ein zünftiges fränkisches Mahl.

Gesund zusammenbleiben

Inge isst am liebsten Schweinebraten, mit Beifuß, wie sie sagt. Helga bevorzugt Rouladen mit Rotkraut. „Jetzt sind wir da gelandet, hier schmeckt es auch gut“, kommentiert Helga.

„Zwillinge trennt man nicht“, findet Beyersdorf. Seit fünf Jahren lebt ihre Tante, seit drei Jahren ihre Mutter in dem Coburger Seniorenheim. Wenn auch jede ihr eigenes Zimmer hat, so verbringen sie doch viel Zeit zusammen. „Jetzt haben wir uns wieder“, sagt Helga und blickt ihre Schwester glücklich an. Auf die Frage, was sie sich zu ihrem stolzen runden Geburtstag wünschen, sind sich die Zwillinge schnell einig:

„Dass wir noch ein wenig gesund bleiben“, meint Inge. Helga nickt und fügt hinzu: „Und dass wir noch ein wenig zusammenbleiben.“

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