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Kommentar zum Weltfrauentag
Menstruation ist kein Wellness-Thema
Julia Scholl kommentiert
Julia Scholl kommentiert // Cindy Dötschel
Coburg – Menstruation wird versteckt, Krankheiten wie Endometriose übersehen – und das seit Jahrzehnten. Weil Frauengesundheit noch immer Nebensache ist. Klar ist: Solange wir flüstern, leiden Frauen weiter.
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Fest schließt sich meine Hand um eine Binde. Mit größter Diskretion versuche ich, sie in die Hosentasche zu stecken. Auf der Toilette löse ich die Plastikverpackung möglichst geräuschlos – bloß niemand soll merken, dass ich menstruiere.

Solche Szenen haben meine Teenagerjahre geprägt. Werbung zeigt Binden und Tampons, die diskret blaue Flüssigkeit aufsaugen. Frauen lächeln in die Kamera und sagen Sätze wie: „Von meiner Periode lasse ich mich nicht aufhalten!“ Als wäre Menstruation ein Wellness-Thema, Schmerzen einfach eine Entscheidung. Wir benutzen Euphemismen wie „Erdbeerwoche“ oder „Besuch von der Roten Dame“. Warum können wir etwas so Alltägliches wie die Menstruation nicht klar benennen? Der weibliche Zyklus und dessen Auswirkungen bleiben ein Tabu. Und ich habe es satt.

Die strukturelle Wissenslücke zur Gesundheit von Menschen mit Uterus

Natürlich hat sich einiges bewegt. Trotzdem gibt es immer noch Partner, die sich nicht trauen, Binden zu kaufen, und Frauen, die ihren Tampon auf die Toilette schmuggeln. Doch das sind Mikroprobleme, wenn man sich die strukturelle Wissenslücke zur Gesundheit von Menschen mit Uterus anschaut. Jahrzehntelang orientierte sich Forschung fast ausschließlich am männlichen Körper. Themen wie Menstruation, Menopause oder Endometriose wurden verharmlost oder ignoriert. 

Der März ist Endometriose-Awareness-Monat. Endometriose entsteht, wenn gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst – meist im Bauchraum. Die Folgen sind chronische Entzündungen, Verwachsungen und oft extreme Schmerzen. Etwa jede Zehnte im gebärfähigen Alter ist betroffen. Ich allein kenne sechs Betroffene. Bis zur Diagnose dauert es oft viele Jahre.  

Und solange es Ärzte gibt, die Symptome nicht ernst nehmen, oder Betroffenen sagen, Endometriose-Diagnosen seien gerade ein „Trend“, gibt es noch sehr viel zu tun!

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