„Das Schwimmbad wird kein Kompromissbau, sondern ein Versprechen an ganz Coburg“, sagt Dritter Bürgermeister Can Aydin (SPD) im Stadtrat. Wie dieses Versprechen aussehen soll, zeigen die Pläne, die nun erstmals vorgestellt und abgesegnet wurden.
Das lesen Sie im Artikel:
- Was haben wir und was brauchen wir? Ergebnis der Workshops
- Auf was können sich Bürger freuen?
- Neue Technik: KI soll Badeunfälle vermeiden
- Eventrutsche geplant
- Saunawelt mit Blick auf die Veste
- Wie steht es um die Finanzierung?
- Diskussion im Stadtrat
- Wie geht es weiter?
Was haben wir und was brauchen wir?
Das waren die zentralen Fragen, mit denen sich Vertreter des Aufsichtsrates, des Stadtrates und der städtischen Verwaltung seit Januar in den zwei Workshops befasst haben. Dabei immer im Hinterkopf: „Was ist wünschenswert und was können wir bezahlen?“, beschreibt es Pressesprecher der Stadt Louay Yassin. Klar ist, es soll ein Bad für alle werden. Allerdings müsse man auch auf das veränderte Besucherverhalten eingehen.
Früher habe man im Sommer im Freibad kaum einen Platz für sein Badetuch gefunden, doch das habe sich im Lauf der Jahre verändert. „Der klassische Freibadbesucher, die Jugend, ist extrem weggebrochen“, sagt Aquaria-Betriebsleiter Jörn Kirchner. Und: Ein Freibad ist teuer. Deshalb soll nun ein Hallenbad mit kleinem Außenbereich entstehen, das ganzjährig genutzt werden kann.
Im Workshop sind zwei Ideen entwickelt worden. Eine Variante: Ein Hallenbad mit Außenbereich. Oder ein Hallenbad mit einem zusätzlichen Außenbecken. In beiden Fällen gibt es die Möglichkeit, draußen zu schwimmen. Variante zwei sieht jedoch ein zusätzliches, separates Becken vor. In beiden Fällen soll es draußen eine Liegewiese, einen Kinderspielplatz, ein Kinderbecken und eine Sportanlage geben. Doch auch bei der Variante ohne zusätzliches Becken, sei es perspektivisch möglich, ein Außenbecken zu ergänzen, so Kirchner.
Auf was können sich Besucher freuen? SÜC und Stadt wollen einige Mehrwerte schaffen. Für das Hallenbad sind ...
- ein Lehrschwimmbecken,
- ein Erlebnisbecken,
- eine Eventrutsche,
- ein Kinderbecken,
- ein 50m-Sportbecken mit 5 bis 10 Bahnen und Klappwand,
- ein zusätzliches Lehrschwimmbecken mit Eventhubboden und Sprungplattform,
- ein Freiluftschwimmbecken (300 m²) mit drei 25-Meter-Bahnen,
- und eine Saunawelt geplant.
So verdopple sich im Vergleich zum Status Quo unter anderem die Wasserfläche für Sportbecken und Lehrschwimmbecken. Obwohl an die 30 Prozent mehr Kapazitäten für Schul- und Vereinsschwimmen geschaffen werden, sollen so auch freie Schwimmbahnen für die Öffentlichkeit gewährleistet werden. Auch sollen die Kapazitäten für Schwimm- und Gesundheitskurse um 20 Prozent steigen. Es soll mehr Spinde und Umkleiden geben und in der Planung ist ein größerer Erlebnis- und Kinderbereich vorgesehen.
Neue Technik: KI soll Badeunfälle vermeiden
Bademeister können ihre Augen nie überall haben. Deshalb soll im neuen Bad eine KI unterstützend zum Einsatz kommen. „Die KI-Überwachung erhöht die Beckensicherheit“, sagt Jörn Kirchner. Die KI, die andernorts bereits im Einsatz ist, erlerne, was zum Beispiel einfach nur ein Taucher, oder wo jemand in Not ist. Sollte sie eine Notsituation erkennen, bekommen die Badeaufsichten eine Benachrichtigung auf eine Smartwatch mit der genauen Örtlichkeit. „Es wird keinen Schwimmmeister ersetzen, sondern soll unterstützen“, sagt Jörn Kirchner.
Zwar habe es bereits in der Vergangenheit Systeme wie Unterwasserkameras oder spezielle Bändchen mit Sensoren gegeben, keines davon sei jedoch so ausgereift gewesen, dass sich die Investition gelohnt hätte, sagt Kirchner.
Eventrutsche geplant
Wer auf eine Reifenrutsche hofft, wird wohl leider enttäuscht werden. Personalintensiv und hohes Verletzungsrisiko – das spricht dagegen, meint Kirchner. Allerdings ist eine „Eventrutsche“ geplant. Dabei könne man zum Beispiel mit Lichtern oder verschiedenen Designs arbeiten, meint Kirchner. KI und Rutsche belaufen sich in der Planung auf etwa 0,87 Millionen Euro.
Saunawelt mit Blick auf die Veste
Auch der Neubau soll wieder eine Saunawelt beinhalten. Momentan ist die Idee, die Saunen im Obergeschoss alle auf einer Ebene zu vereinen. Geplant ist eine Terrasse mit Außensauna, Kaltbecken und Blick auf die Veste. Kostenschätzung: 5,67 Millionen Euro.
Wie steht es um die Finanzierung?
Wie tief muss für all das in die Tasche gegriffen werden? Die verschiedenen Varianten mit zusätzlichen Außenbecken oder nicht schlagen unterschiedlich zu Buche. Bei der Option ohne zusätzliches Becken liegt man momentan bei etwa 57,3 Millionen Euro.
Die Variante mit zusätzlichem Außenbecken würde mit rund 63,3 Millionen Euro deutlich teurer werden. Jeweils plus Abrisskosten, die momentan auf etwa drei Millionen geschätzt werden. Das Hallenbad ist jeweils mit 50,6 Millionen der größte Posten, gefolgt von der Saunawelt mit etwa 5,67 Millionen Euro.
50 Millionen würden durch städtische Mittel finanziert. Der Eigenanteil der SÜC beläuft sich auf 5 Millionen Euro. Außerdem soll es Fördergelder von Bund und Land geben (5,5 bis 6 Millionen Euro). In der Summe komme man so auf 60,5 bis 61 Mio. „Variante 1, ohne zusätzliches Außenbecken, wäre damit durchfinanziert, die andere Variante nicht“, sagt Kirchner.
Diskussion im Stadtrat
Dass vorrangig ein Hallenbad entstehen soll, sorgt nicht bei allen für Begeisterung. Michael Zimmermann (FDP) meint, dass es ein Fehler sei, den Außenbereich zu reduzieren. Er befürchtet, dass die Besucher im Sommer woanders baden gehen.
Auch die viel diskutierte Sauna ist noch einmal Thema. Zweiter Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (CSU) spricht sich deutlich für die Sauna aus: „Ich denke, das, was uns vorgestellt wurde, ist ein vernünftiger Kompromiss. Auch wenn ich es bedauere, dass es zu Lasten des Außenbereichs geht. Die Sauna ist zwingend für ein Erlebnisbad notwendig.“
Im Stadtrat sind auch die Wünsche der Vereine noch mal Thema. „Werden diese genug berücksichtigt und abgeholt?“, fragen sich diverse Stadträte. Jörn Kirchner kann bestätigen, dass es in den kommenden Tagen erneut ein Treffen mit den Vereinen geben wird. Eine sechste Bahn, die von Vereinen favorisiert würde, um gewisse Wettkämpfe austragen zu können, sei nicht Teil der Planung. „Eine sechste Bahn wäre vier Millionen Euro extra“, sagt Kirchner.
Blick ins aktuelle Freibad:
Wie geht es weiter?
Mit einer Gegenstimme stimmte der Stadtrat am Donnerstag für die erste Variante, ohne separates Außenbecken.
Mit Zustimmung des Stadtrates soll Ende 2025 die Grundlagenermittlung und Vorentwurfsplanung starten. Für Ende 2026 sind Baubeschluss und Bauantrag angedacht. 2027 und 2028 soll es dann in die Ausführungsplanung und die Ausschreibungen gehen. Baubeginn ist für 2028/29 vorgesehen, die Eröffnung für 2031.













































