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Protest um Straße in Ontario
Kanadische Stadt berät diese Woche über Max-Brose-Drive
Bürgermeister in Kanada: Gespräche über Max-Brose-Straße
Der „Max-Brose-Drive“ in London, Kanada. // fswc/Screenshot CT
Coburg/London – Der Straßenname Max Brose ist in die Diskussion geraten. Aktuell geht es in Kanada um den „Max-Brose-Drive“ in London, Ontario. Dort soll es nun Gespräche zwischen Brose und dem Bürgermeister geben.

Das jüdische Magazin „Forward“ aus New York hatte jüngst über die Straße in London in Ontario berichtet: „Nazi Streets found in Canada“. Das Magazin schreibt über Unternehmensgründer Max Brose als NSDAP-Mitglied und Wehrwirtschaftsführer sowie über Zwangsarbeiter, die bei Brose während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt waren. „Forward“ zitiert zudem aus einem Beitrag, der in der renommierten „New York Times“ im Jahr 2022 veröffentlicht worden sein soll: „While numerous German companies … have openly grappled with their involvement with the Nazi regime, the Stoschek family has been accused of sweeping its history under the rug“. („Während zahlreiche deutsche Unternehmen... sich offen mit ihrer Verstrickung mit dem NS-Regime auseinandergesetzt haben, wird der Familie Stoschek vorgeworfen, ihre Geschichte unter den Teppich zu kehren.“)

„Aktiver Unterstützer des NS-Regimes“

Als Reaktion auf den Artikel hat sich in Kanada auch die Organisation„Friends of Simon Wiesenthal Centre“ (fswc) zu dem Thema geäußert und die Namensgebung kritisiert.  Die Straße wurde offenbar 2004 nach Max Brose benannt. 

Senior Director Jaime Kirzner-Roberts vom fswc sagt auf Tageblatt-Anfrage: „Als aktiver Unterstützer des NS-Regimes – sowohl als Mitglied der NSDAP als auch als Hersteller von Waffen für den deutschen Krieg – ist Max Brose kein Mensch, der es verdient, geehrt zu werden, sei es in London, Ontario, seiner Heimatstadt Coburg oder anderswo. Er ist ein Mann, der eindeutig und bewusst auf der hässlichsten Seite der Geschichte stand, indem er direkt von der Sklavenarbeit profitierte und gleichzeitig wichtige militärische Ausrüstung für Hitlers Projekt des faschistischen Expansionismus und Völkermords lieferte.“

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Bürgermeister Morgan wird sich Anfang nächster Woche mit Jason Boucher, General Manager von Brose Inc. Canada, treffen, um weitere Gespräche zu führen.

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City of London Ontario

Bürgermeister trifft Brose-Chef Kanada

Noch ist nicht beschlossen, wie die 420.000-Einwohner-Stadt London nun reagiert. Auf Tageblatt-Anfrage an den Bürgermeister Josh Morgan teilt die Stadtverwaltung mit: „Eine Umbenennung der Straße ist derzeit nicht geplant. Bürgermeister Morgan wird sich Anfang nächster Woche mit Jason Boucher, General Manager von Brose Inc. Canada, treffen, um weitere Gespräche zu führen.“

2015 wurde in Coburg die Von-Schultes-Straße in Max-Brose-Straße umbenannt.
2015 wurde in Coburg die Von-Schultes-Straße in Max-Brose-Straße umbenannt. // CT-Archiv / Simone Bastian

Weder „Forward“ noch fswc haben Kontakt mit Brose in Coburg aufgenommen, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Auch der örtliche kanadische Sender CTV News habe keine Anfrage gestellt. Brose verweist darauf, dass es auch andere Standorte an „Max-Brose-Straßen“ gibt und darin eher kein Thema sieht: „Von unseren weltweit rund 70 Standorten befinden sich acht an einer „Max-Brose-Straße“ und einer an einer „Brose-Straße“. Diskussionen über Straßenbenennungen berühren Brose nur selten. Im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung stehen vielmehr wirtschaftliche Themen wie unsere technologische Entwicklung.“

Zudem sei die Rolle von Max Brose während der Nazi-Herrschaft aufgearbeitet, der Firmengründer habe sich demnach mehrfach gegen die Führung gestellt und Zwangsarbeiter hätten nicht leiden müssen: „Im Rahmen eines umfangreichen Buchprojekts zum 100-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 2008 wurden die historischen Fakten zur Unternehmensgeschichte umfassend aufgearbeitet. Die Ergebnisse sind öffentlich zugänglich und wurden durch das Forschungsprojekt von Frau Dr. Karl bestätigt. In Coburg ist die Diskussion um die Max-Brose-Straße kein Thema. Alle relevanten Argumente sind bekannt, und es liegen keine neuen Erkenntnisse vor, die eine Neubewertung erforderlich machen würden.“

Das genannte Forschungsprojekt von Eva Karl („Coburg voran“) allerdings stellt die Lage der Zwangsarbeiter bei Brose allerdings anders dar. Demnach haben Zwangsarbeiter bei Brose nicht nur eine humane Behandlung erhalten. 

Kritik vom Zentralrat der Juden

Zentralrat der Juden
Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, erhält in diesem Jahr den Augsburger Friedenspreis. (Archivbild) // Boris Roessler/dpa

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte seinerzeit die Benennung der Max-Brose-Straße in Coburg seinerzeit heftig kritisiert. Im Zuge der Diskussion in Kanada erneuerte der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, diese Kritik: „Der Zentralrat hat bereits 2015 die Entscheidung, eine Straße nach Max Brose zu benennen, kritisiert. Es ehrt die Täter und verdrängt ihre Verbrechen. Max Brose war NSDAP-Mitglied, beschäftigte Zwangsarbeiter und wirkte als Wehrwirtschaftsführer für die Kriegsmaschinerie des Dritten Reichs. Ihn mit einer Straßenbenennung zu würdigen, war und ist ein fatales Signal: Statt die Geschichte kritisch aufzuarbeiten, wird sie beschönigt – gerade in einer Stadt wie Coburg, die früh eine absolute NSDAP-Mehrheit hatte.“

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