Spannender Rückblick
„Das Bordeaux des Coburger Landes“
Lützelbuch aus der Vogelperspektive (Aufnahme von 2009): Coburgs grüner Osten ist vor allem eine beliebte Wohngegend.
Lützelbuch aus der Vogelperspektive (Aufnahme von 2009): Coburgs grüner Osten ist vor allem eine beliebte Wohngegend.
Foto: CT-Archiv / Jochen Nützel.
F-Signet von Wolfgang Desombre Fränkischer Tag
Lützelbuch – Seit 50 Jahren gehört Lützelbuch zur Stadt Coburg. Die erste urkundliche Erwähnung des Orts datiert auf das Jahr 1496.

Coburgs Zweiter Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (CSU) verglich die Beziehung von Lützelbuch und der Stadt Coburg mit einer Ehe. Vor 50 Jahren sei diese zwar nicht ganz freiwillig geschlossen worden, doch anlässlich der „Goldenen Hochzeit“, die nun gefeiert werden könne, bleibe festzuhalten: „Die Ehe funktioniert bestens!“

Hartan hatte für seine Rede bei der Jubiläumsveranstaltung ein bisschen in den Geschichtsbüchern geblättert. Neu sei für ihn die Tatsache gewesen, dass Lützelbuch im 17. Jahrhundert offensichtlich „das Bordeaux des Coburger Landes“ war. Denn in nicht weniger als 30 Gärten sei damals Wein angebaut worden. 100 Jahre später seien es nur noch 13 gewesen, und wiederum 100 Jahre später hatte sich der Weinanbau erledigt. Hartan orakelte, ob das auch damals schon am „Klimawandel“ gelegen habe („nur halt in die andere Richtung als heute“), oder aber daran, dass die Lützelbucher lieber Bier aus den eigenen Brauereien tranken.

Skandal ums Bier

Das Lützelbucher Selbstgebraute hatte – ebenfalls im 17. Jahrhundert – für einen handfesten Skandal gesorgt. Unter Herzog Johann Casimir war den Bewohner das Mälzen und Brauen lediglich zum Eigenbedarf gestattet. Aber die geschäftstüchtigen Lützelbucher schenkten ihr Bier auch an Auswärtige aus. Das missfiel dem Rat der Stadt so sehr, dass der Herzog gebeten wurde, dagegen einzuschreiten. Eine Lösung des Streits gab es erst Ende des 17. Jahrhunderts, als Lützelbuch die Brau- und Schankgerechtigkeit verliehen wurde. Dies war zugleich der Beginn des ersten Wirtshauses, aus dem sich der Gasthof Nowak entwickelte.

Es hat auch mal „geknirscht“

Doch zurück in die Gegenwart: Sicherlich habe es auch das eine oder andere Mal ein wenig „geknirscht“, räumte Hartan ein und nannte als Beispiel den Streit um die Freiwillige Feuerwehr. Aber: „Lützelbuch ist aus der Stadtgemeinschaft nicht mehr wegzudenken!“ Hartan lobte das funktionierende Vereinsleben und gratulierte zugleich dem Bürgerverein, der heuer ebenfalls sein 50. Jubiläum feiern kann.

Der Vorsitzende Dietmar Wächter skizzierte die Entwicklung des Bürgervereins von 1972 bis heute. Der Verein sei am 19. Februar 1972 von 95 Personen in der Gastwirtschaft Fink gegründet worden. Zum 1. Vorsitzenden wählten die Lützelbucher damals ihren Ehrenbürger und ehemaligen Bürgermeister Rolf Forkel.

Erfolgloser Protest gegen Verkehrsprojekte

Wächter erinnerte daran, dass Lützelbuch als Eingemeindungsgeschenk eine Mehrzweckhalle bekam, die nach einem Erweiterungsbau 2004 in Rolf-Forkel-Halle umbenannt wurde.

Sehr viel Arbeit habe der Bürgerverein mit den verschiedenen Verkehrsprojekten gehabt, die Lützelbuch tangierten (und auch noch immer tangieren). Doch der Protest sowohl gegen den Bau der A73 als auch gegen den Bau der ICE-Strecke sei letztlich leider vergebens gewesen, so Dietmar Wächter.

Vier Vorsitzende in 50 Jahren

Die Kontinuität des Vereins würden sich auch darin spiegeln, dass es in 50 Jahren nur vier verschiedene Vorsitzende gab: Von 1972 bis 1994 und von 1998 bis 2000 leitet Rolf Forkel insgesamt 24 Jahre lang die Geschicke des Vereins; Marion Krause hatte das Amt von 1994 bis 1998 inne; Günter Lehmann war von 2000 bis 2014 Vorsitzender, und seit 2014 ist es Dietmar Wächter.

Übrigens: Die erste urkundliche Erwähnung Lützelbuchs datiert auf das Jahr 1496, als Albrecht von Brandenstein von Valentin Schenk ein Rittergut erwarb, das rund 200 Hektar Grund in Lützelbuch und Rögen umfasste.

Zweiter Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (links) und Vorsitzender Dietmar Wächter (Zweiter von rechts) ehrten die Gründungsmitglieder des Bürgervereins Lützelbuch..
Zweiter Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (links) und Vorsitzender Dietmar Wächter (Zweiter von rechts) ehrten die Gründungsmitglieder des Bürgervereins Lützelbuch..
Foto: Wolfgang Desombre

Seit 50 Jahren dabei

Folgende Gründungsmitglieder des Bürgervereins Lützelbuch wurden geehrt: Sigrid Baudisch, Sieglinde Heller, Hilde Hermann, Christel Prause, Karin Schulz, Heidi Wächter, Aribert Florschütz, Walter Hein, Werner Heller, Günter Lehmann, Werner Schillig, Johannes Schulz und Siegfried Seidel.

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