Am Ehrenmal des Coburger Convents (CC) scheiden sich die Geister. Die einen verweisen auf die lange Tradition der 1926 im Hofgarten errichteten Skulpturengruppe. Die anderen, wie beispielsweise die Coburger Grünen, empfinden die drei nackten Männer, die ein Schwert in die Höhe stemmen, als „kriegsverherrlichend“. Zumal darunter noch die Worte „Ehre“, „Freundschaft“ und „Vaterland“ zu lesen sind.
Im November vergangenen Jahres wurde im Coburger Stadtrat sowohl über das Ehrenmal als auch über zwei seitlich angebrachte Portraitplaketten diskutiert. Mit den Portraitplaketten wird an Ernst Nord und Max Lindemann erinnert, die jeweils Mitglieder von Landsmannschaften waren und die während des Nazi-Regimes hohe Posten innehatten.
Am Ende der Diskussion stand ein Kompromiss: Die Plaketten dürfen bleiben, doch es solle eine „historische Einordnung“ der gesamten Denkmalanlage erfolgen.
Stadt Coburg stellt Schild auf
Rechtzeitig zum diesjährigen Pfingstkongress des CC ist diese historische Einordnung jetzt schwarz auf weiß nachzulesen. Unmittelbar am Eingang der Anlage wurde von der Stadt Coburg ein Schild aufgestellt. Darauf wird unter anderem erklärt, dass das Ehrenmal 1926 von der Deutschen Landsmannschaft (DL) errichtet wurde, und zwar zur Erinnerung an ihre im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder.
„Nationalistischer Zeitgeist“
Dann heißt es: „Die Skulpturengruppe, Die Drei: Ehre, Freundschaft, Vaterland' symbolisiert zentrale Werte der DL und spiegelt den nationalistischen Zeitgeist der 1920er Jahre wider.“
Der Coburger Convent als Nachfolgeorganisation, so die weitere Erklärung, habe die Begriffe „Ehre“, „Freundschaft“ und „Vaterland“ neu interpretiert: „im Sinne von Demokratie und Toleranz“.
In einem weiteren Absatz wird darauf eingegangen, warum das Denkmal noch immer im Hofgarten stehe: „Das Ehrenmal dokumentiert den Wandel in der Bedeutung von Gedenkorten im vergangenen Jahrhundert.“
Und: „Es veranschaulicht den historischen Umgang mit Krieg, Erinnerung und politischen Leitbildern in unterschiedlichen Epochen und ist ein Beispiel für die Entwicklung der Erinnerungskultur in Deutschland.“
Für weitere Informationen zur historischen Einordnung des Denkmals wird auf die Internetseite coburg.de/ehrenmal verwiesen.
Außerdem gibt es QR-Codes, über die jeder per Handy zu weiteren Texten über Ernst Nord und Max Lindemann gelangen kann.
Hier der komplette Tafel-Text im Wortlaut:
Das Ehrenmal wurde 1926 von der Deutschen Landsmannschaft (DL) zur Erinnerung an ihre im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder errichtet. Die Skulpturengruppe „Die Drei: Ehre, Freundschaft, Vaterland“ symbolisiert zentrale Werte der DL und spiegelt den nationalistischen Zeitgeist der 1920er Jahre wider. Das Denkmal diente nicht nur der Erinnerung, sondern war Ausdruck damaliger politischer Ideale.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich der Umgang mit solchen Gedenkorten. Der Coburger Convent, Nachfolgeorganisation der DL, interpretierte die Begriffe neu im Sinne von Demokratie und Toleranz.
Das Ehrenmal dokumentiert den Wandel in der Bedeutung von Gedenkorten im vergangenen Jahrhundert. Es veranschaulicht den historischen Umgang mit Krieg, Erinnerung und politischen Leitbildern in unterschiedlichen Epochen und ist ein Beispiel für die Entwicklung der Erinnerungskultur in Deutschland.
Das Ehrenmal des Coburger Convents ist erst vor wenigen Wochen wieder mal Opfer einer Farb-Attacke geworden. Unmittelbar vor dem Pfingstkongress wurde es deshalb sicherheitshalber mit dicker Folie verhüllt; der Sockel soll durch eine Holzverschalung geschützt werden.
Am Pfingstmontag findet am Ehrenmal das Totengedenken des CC statt.
Was ist der Coburger Convent?
Der Coburger Convent ist eine Dachorganisation für aktuell fast 100 Studentenverbindungen (Landsmannschaften und Turnerschaften). Alle diese Verbindungen sind pflichtschlagend. Das bedeutet: Männer, die aufgenommen werden wollen, müssen eine bestimmte Anzahl von sogenannten Mensuren schlagen. Bei einer Mensur handelt es sich um einen Fechtkampf, der mit dem Mitglied einer anderen Studentenverbindung ausgetragen wird.
Nach eigenen Angaben hat der Coburger Convent derzeit über 11.000 Mitglieder. Das Motto des CC lautet: „Ehre, Freiheit, Freundschaft, Vaterland“.
















