Das Motto des 157. Pfingstkongresses, „In Vielfalt vereint“, bestimmte am Montag die Rede beim Festkommers des Coburg Convents. Leroy Ehlers, Zweiter Sprecher des Coburger Convents in diesem Jahr, sagte im Bierzelt auf dem Ketschenanger: „Einheit ist für uns in Deutschland angesichts unserer Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als nur ein Wort. Es ist ein Eckpunkt der Existenz unseres Landes! Auch mit uns, dem CC, ist die Idee der deutschen Einheit fest verbunden.“
Oberbürgermeister in freundlich-ironischer Redelaune
Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) präsentierte sich am Abend dieses Pfingstmontags in wohlmeinender, freundlich-ironischer Redelaune. „Was zu Beginn beruhigend auf Sie alle einwirken dürfte, bezieht sich wieder auf den vielleicht kritischen Part meines Grußworts.“ Und weiter nach einer Kunstpause. „Sie erwarten ja auch dieses Jahr sicher wieder einen kritischen Part. Oder?“ So harsch wie Sauerteigs Kritik von vor zwei Jahren fiel sie diesmal aber bei weitem nicht aus.
Hebebühne war 2024 höher als der Rathausbalkon
Sauerteig erinnerte beim Festkommers an die Hebebühne, die im vergangenen Jahr noch über die Höhe des Rathausbalkons ausgefahren war. Weil der Balkon nicht mehr vom CC genutzt werden darf, muss auf derlei technisches Equipment ausgewichen werden. In diesem Jahr bewies der CC Augenmaß und die Höhe passte. Die Episode fand ihren Widerhall beim Rathaussturm der Narren am 11. 11. Damals reimte Sauerteig, „dass ihr die Bühne nicht hebt über das Balkongeländer, das ist vielleicht auch ein Zeichen an Träger anderer bunter Gewänder“. Und der Oberbürgermeister kündigte sogleich ein weiteres Gesellenstück als Reimeschmied an: Wenn die Fackeln nicht in die Feuertonne auf dem Markt geworfen würden, reime sich „Lackel“ auf „Fackel“…
OB Sauerteig: Intensiver Austausch mit dem CC
Sauerteig hob hervor, dass in den vergangenen beiden Jahren ein intensiver Austausch und Kompromiss zwischen Stadt und CC gefunden werden konnte, was den Fackelmarsch der Kooperierten angehe. Abschließend erinnerte er an vielen Menschen, die für Sicherheit während des CC-Pfingstkongresses sorgten. Er freue sich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr beim 158. Pfingstkongress, „mit hoffentlich weniger Sicherheitsmaßnahmen“.
„Einheit in Vielfalt“
Einheit und Vielfalt sind nach den Worten von Leroy Ehlers kein Widerspruch, hatte der stellvertretende CC-Sprecher zuvor ausgeführt. Vielfalt sei eine Voraussetzung zur Einheit. Die damit einhergehende „bunte Vielfalt“ setze tolerantes Verhalten voraus. „Wenn Einheit in Vielfalt gelingen soll, dann müssen wir sie wollen und anstreben! Aber wenn sie gelingt, dann ist sie eine große Bereicherung!“ erklärte der Redner. Er appellierte, die Möglichkeiten der Vielfalt klug zu nutzen.
Am Beispiel der Europäischen Union sagte Leroy Ehlers, „wir müssen in Europa nicht alle gleich sein, um gut und friedlich zusammenleben zu können. Wir sind alle unterschiedlich und gehören trotzdem vereint zusammen“. Die EU sei das Musterbeispiel eines tragfähigen Friedensprojekts. Diese gemeinsam erlebte Vielfalt bedeute nicht, „dass wir alle gleich über das Erlebte denken oder es erfühlen. Es kommt darauf an, dass wir verstehen, dass die Unterschiede als Möglichkeit begriffen werden und grundsätzlich nicht als Bedrohung. Zuzuhören, zuzusehen, zusammen zu sein, voneinander zu lernen – das ist ein Gewinn.“ Da Vielfalt auch Problem erzeuge, seien „Respekt und gegenseitige Anerkennung“ unabdingbar. Als notwendige zentrale Bausteine dafür nannte Ehlers Bildung, Erziehung und Sprache.
Fackelzug zum Marktplatz
Am späten Abend zogen die Kooperierten mit Fackeln und Musik vom Ketschenanger durch die Mohrenstraße zum Marktplatz. Am Schillerplatz, in der Rosen- und Judengasse hatten sich die Gegner des CC versammelt und lautstark ihre Ablehnung gegen den Verband artikuliert. „Steckt euch die Fackeln in den …“ wurde unter anderem skandiert, oder „CC raus“. Zu Auseinandersetzungen kam es nicht. Die Innenstadt wurde von einem beträchtlichen Polizeiaufgebot bestimmt.
Feierstunde des Coburger Convents
An das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren erinnerte der Sprecher des Coburger Convents, Markus Raabe, in seiner Rede auf dem Marktplatz. „Gutes Brot gedeiht nur im Frieden“, zitierte er den Schriftzug über dem Eingang seines Gymnasiums. Die Mahnung sei zum Beginn des Schuljahres 1949/1950 angebracht worden. Der Kalte Krieg habe erst mit der deutschen Wiedervereinigung 1989 sein Ende gefunden. Daher sei das Motto des diesjährigen CC-Pingstkongresses, „In Vielfalt vereint“, eine „Haltung und Verpflichtung“, schlussfolgerte Raabe. Weiter sagte er, Vielfalt sei kein Störfaktor, sondern „ist ein Quell der Erkenntnis“.
Der Coburger Convent wolle „ein Ort sein, an dem Vielfalt nicht nur geduldet, sondern gestaltet wird. Wir sind verschieden – nach sozialer und geografischer Herkunft, Studienfächern, Lebenszielen – und doch geeint in unserem gemeinsamen Wertefundament: Ehre, Freiheit, Freundschaft und Vaterland“. Der Überfall Russlands auf die Ukraine am 21. Februar 2022 habe die „Hoffnung auf ein friedliches Europa auf brutalste Art und Weise beendet. Er bringt seit über drei Jahren Tod und Zerstörung über die Ukraine.“
Nach vielen Jahrzehnten wurden die abgebrannten Fackeln nicht mehr in die Mitte des Marktplatzes geworfen. Acht große Metallschalen nahmen die abgebrannten Reste auf. Darüber hinaus waren um das zentrale Prinz-Albert-Denkmal vier Feuerkörbe aufgestellt. Deren Seiten war mit dem Wappen des CC versehen.
















