Tragt das Trennende nicht als Monstranz vor Euch her, appelliert Oberbürgermeister Dominik Sauerteig in seiner Begrüßungsrede vom Rathausbalkon. Traditionell markiert der Einzug der „Präsidierenden“ in die Stadt den Auftakt des Pfingstkongresses des Coburger Convents (CC). Und fast ebenso traditionell wird er von Demonstranten begleitet, die den CC lieber nicht in Coburg hätten.
Auftakt Pfingstkongress in Coburg
Oben auf dem Rathausbalkon steht Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD), flankiert von Zweitem Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (CSU) und Drittem Bürgermeister Can Aydin (SPD), alle drei mit Amtskette. Ein Zeichen dafür, dass die Stadt dem CC ihrerseits Ehre erweist.
Den Demonstranten gegen den CC, die sich am Anfang der Judengasse hinter Transparenten versammelt haben, gefällt das nicht. „Wer für sich eigene verfassungsrechtlich verbriefte Rechte in Anspruch nimmt, sollte diese in unserer Demokratie und unserem Rechtsstaat gleichermaßen auch anderen zugestehen“, sagt der OB.
Die Mitglieder der CC-Verbindungen klatschen demonstrativ. Es sind nicht nur die Fahnenabordnungen und die Mitglieder der Turnerschaft Berlin, die offiziell einmarschiert sind. Hinter ihnen, auf der Stadthausseite des Marktplatzes, haben sich weitere Alte Herren und Aktive aus den verschiedenen Verbindungen versammelt – für das erste Bier, die erste Bratwurst und um begrüßt zu werden.
Einzug und erste Demonstration
Mut und Courage
„In Vielfalt vereint“ lautet das diesjährige Motto und Dominik Sauerteig nutzt es in seiner Rede für einen eindringlichen Appell:
„Ich wünsche den Coburgerinnen und Coburgern und allen unseren Gästen in dieser Stadt bei aller Vielfalt und Unterschiedlichkeit, in der wir an diesem Wochenende in dieser Stadt zusammenkommen: Respekt statt polemisierende Verachtung, kritischen persönlichen Austausch statt anonymer undifferenzierter Vorwürfe, aufeinander zugehen und Toleranz gegenüber andersdenkender Demokratinnen und Demokraten statt das Trennende als Monstranz vor sich herzutragen."
Coburg sei eine vielfältige Stadt, eine Stadt des Austausches, eine Stadt des friedlichen Diskurses, eine Stadt der Inklusion. Mut und Courage, eigene Denkweisen zu hinterfragen, das erhoffe er sich von uns allen und von sich selbst. Denn: „Niemand ist unfehlbar oder immer auf dem richtigen Weg.“
Markus Raabe, Sprecher der präsidierenden Turnerschaft Berlin, erwidert kurz auf die Begrüßungsansprache des OB, dann löst sich die aufgestellte Formation unten auf dem Marktplatz auch schon auf.
Der Musikverein Beiersdorf führt die Fahnenabordnungen in die Kleine Johannisgasse, dort gibt’s noch zwei Musikstücke, dann ist der offizielle Auftakt vorbei. Die Polizei hat ihre Posten entlang der Strecke vom Einzug geräumt, bleibt aber am Marktplatz präsent und behält die Demonstranten gegen den CC im Auge.

























