Das nennt man wohl einen Paukenschlag: Die Präsidierende 2023/2024 des Coburger Convents (CC), die Landsmannschaft Thuringia Berlin, darf nicht als aktiver Bund an den Pfingstkongressen 2024 und 2025 in Coburg teilnehmen. Das hat der Pressesprecher des CC, Martin Vaupel, am Freitag mitgeteilt. Demnach dürfen an den Pfingstkongressen 2024 und 2025 ausschließlich die Alten Herren der Landsmannschaft teilnehmen.
„Grobes Fehlverhalten“
Wie Martin Vaupel mitteilt, habe das „Oberste Ehrengericht des CC“ diese Entscheidung getroffen, und zwar auf Antrag des Amtes für Rechtsangelegenheiten des CC.
Aber was war der Auslöser für diese vermutlich einmalige Verbannung einer Präsidierenden vom Pfingstkongress, der als wichtigster Termin des Jahres für alle CC-Mitgliedsbünde gilt?
In der Erklärung von Vaupel heißt es, dass der Landsmannschaft Thuringia Berlin vorgeworfen worden sei, „ihre Strafgewalt über ihre Mitglieder wegen der Vorfälle im Oktober 2022 in Freiburg im Breisgau nicht angemessen ausgeübt zu haben“.
Was war da los in Freiburg?
In Freiburg im Breisgau sollen Mitglieder der Aktivitas der Landsmannschaft Thuringia Berlin im Oktober 2022 unter anderem rechtsextreme Parolen gegrölt haben. Konkret ist auch die Rede von „Heil Hitler“-Rufen.
Martin Vaupel spricht von einem „groben Fehlverhalten dieser Aktiven in der Öffentlichkeit“. Deshalb habe der CC tätig werden müssen.
Ebenfalls kritisiert Vaupel, dass die in Freiburg beteiligten Personen bei der anschließenden Aufarbeitung dieses Vorfalls nicht immer die Wahrheit gesagt hätten.
2026 wieder dabei?
Die Aktivitas der Landsmannschaft hätten jetzt aber zwei Jahre Zeit, um „in sich zu gehen“. 2026 dürfen sie dann wieder am Pfingstkongress in Coburg teilnehmen.
Oberbürgermeister sieht den CC kritisch
Speziell im vergangenen Jahr hatte es in Coburg sehr viel Wirbel um den Pfingstkongress des CC gegeben. Kurz zuvor waren interne Mails bekannt geworden, in denen sich wichtige Repräsentanten des CC abfällig über Dominik Sauerteig (SPD) äußern. Der Coburger Oberbürgermeister sieht den CC seit jeher kritisch und hält vor allem den Fackelzug am Montagabend für „aus der Zeit gefallen“, wie er schon mehrmals gesagt hat.
Sauerteig war im März 2020 zum neuen Oberbürgermeister gewählt worden. Doch 2020 und auch 2021 konnte es wegen der Corona-Pandemie keine Pfingstkongresse in Coburg geben. 2022 überraschte Sauerteig dann mit einer besonderen Maßnahme: Für die große Abschlussrede nach dem Fackelzug verweigerte er dem CC den Zutritt zum Balkon des Coburger Rathauses.
Auch 2023 gab es dieses „Balkon-Verbot“. Doch was viele gar nicht mitbekommen hatten: Es gab noch eine weitere Maßnahme. So werden normalerweise während des Pfingstkongresses immer bestimmte Fahnen vor dem Rathaus gehisst. So auch jeweils die Fahne von der Präsidierenden sowie von der Nach-Präsidierenden. Die Nach-Präsidierenden beim Pfingstkongress 2023 war die Präsidierende von 2024, also die Landsmannschaft Thuringia Berlin. Doch deren Fahne wehte an Pfingsten 2023 eben nicht vor dem Rathaus.
Zeichen setzen
Wie zu hören ist, habe Dominik Sauerteig damit ein Zeichen setzen wollen – weil bereits damals die Vorfälle aus Freiburg im Breisgau bekannt waren.
Was Sauerteig nun davon hält, dass die Aktivitas der Landsmannschaft Thuringia Berlin von den nächsten beiden Pfingstkongressen verbannt werden, war am Freitag noch nicht in Erfahrung zu bringen.
Auch von der Landsmannschaft Thuringia Berlin selbst war keine Stellungnahme zu bekommen.
Ein Kongress ohne Präsidierende – wie soll das gehen?
Martin Vaupel wiederum äußerte sich auf Anfrage des Coburger Tageblatts noch dazu, wie ein Pfingstkongresses ohne Aktivitas der Präsidierenden überhaupt funktionieren soll. Denn bei der Präsidierenden laufen nun einmal sehr viele organisatorischen Fäden zusammen. Doch Vaupel ist zuversichtlich, dass trotzdem alles gelingen wird. Manche Aufgabe müsste eben von Alten Herren der Landsmannschaft Thuringia Berlin übernommen werden.
Das klassische Bild von den drei Chargierten der Präsidierenden, wie sie auf dem Marktplatz in Coburg Einzug halten, wird es 2024 aber definitiv nixcht geben.
Wer ist die Landsmannschaft Thuringia Berlin?
Die Landsmannschaft Thuringia Berlin wurde 1868 gegründet. Nicht zu verwechseln ist sie mit einer gleichnamigen Burschenschaft aus Berlin. Dem Coburger Convent gehören ohnehin ausschließlich Landsmannschaften und Turnerschaften an – und explizit keine Burschenschaften.
Auf der Internetseite der Landsmannschaft Thuringia Berlin ist nachzulesen, dass man sich bis heute einer „Verleumdungskampagne der 68er“ ausgesetzt sieht.
So heißt es dort wörtlich (Rechtschreibfehler wurden ausgebessert; Anmerkung der Tageblatt-Redaktion): „Wir blicken auf eine über 150 Jahre lange Tradition zurück. Zu der Zeit, als sich unsere Gründungsmitglieder zusammenfanden, sah das Leben in Deutschland noch vollständig anders aus. Seitdem hat sich sehr viel geändert, vieles Bewährte blieb aber auch erhalten. Wir haben als Verbindung ein Verbot durch die Nationalsozialisten und genauso eine Verleumdungskampagne der 68er überstanden, die zum Teil bis heute anhält. Seit unserer Gründung wird unser inneres Miteinander durch zutiefst demokratische Grundregeln und –ideen bestimmt. Daraus ist eine lebende Tradition entstanden, die sich nicht einfach einem Zeitgeist hingibt, sondern Bewährtes erhält, ohne sich Neuem zu verschließen.“
Das „Haus Coburg“ in Berlin
Ihren Sitz hat die Landsmannschaft im „Haus Coburg“, einer Villa in Dahlem im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf.
Die Presseerklärung des CC im Wortlaut:
„Am 10.03.2024 hat das Oberste Ehrengericht des Coburger Convents (CC) der Präsidierenden 2023/2024, die Landsmannschaft Thuringia Berlin im CC, untersagt, am Pfingstkongress 2024 und 2025 in Coburg als aktiver Bund teilzunehmen und ihr zudem auch das aktive Stimmrecht auf den Conventen 2024 und 2025 entzogen. - Der Verband und seine Mitglieder freuen sich nun auf den Pfingstkongress, an dem alle Veranstaltungen wie gewohnt stattfinden werden. Die Landsmannschaft Thuringia Berlin im CC wird während dieser Tage ausschließlich durch ihre Altherrenschaft repräsentiert.“











