Zirkus
Peta: Protest gegen Krone-Gastspiel in Coburg
Ein Mitglied der Tierrechtsorganisation Peta protestiert im Tigerkostüm vor einer Zirkusvorstellung in den USA.
Ein Mitglied der Tierrechtsorganisation Peta protestiert im Tigerkostüm vor einer Zirkusvorstellung in den USA.
Foto: Bruce Bennett/Getty Images, afp
Oliver Schmidt von Oliver Schmidt Coburger Tageblatt
Coburg – Wildtiere in der Manege? Die Tierrechtsorganisation Peta erklärt, warum das nicht artgerecht ist – und sagt, von wem sie Taten sehen möchte.

Für viele Menschen gilt der Zirkus Krone als echter Vorzeigebetrieb. Völlig anders sieht das die Tierrechtsorganisation Peta: „Gerade beim Zirkus Krone handelt es sich in Bezug auf die Tierhaltung um eines der rücksichtslosesten Unternehmen der Branche“, sagt die Biologin Dr. Yvonne Würz, die bei Peta als Fachreferentin Zoo und Zirkus tätig ist. Zahlreiche Undercover-Aufnahmen und Expertenaussagen bezüglich deutscher Zirkusbetriebe würden zudem grundsätzlich belegen, dass Wildtiere nur mit Gewalt und Zwang dressiert werden können. „Die Peitsche, der Stock oder der Elefantenhaken sind auch heute noch gängige Mittel, um die Tiere zu Zirkustricks zu bewegen.“

Um so mehr zeigte sich Yvonne Würz „enttäuscht“ von einer Entscheidung, die am Montag der Verwaltungssenat der Stadt Coburg getroffen hat: Mit 5:3 Stimmen wurde ein Gastspiel des Zirkus Krone auf dem Anger genehmigt. Die Fachreferentin ließ zwar bereits durchblicken, dass es rund um das Gastspiel bestimmt die eine oder andere Protestaktion von Peta geben wird. Doch zugleich war sie um eine Differenzierung bemüht. Denn in der Pflicht, etwas zu tun, sieht sie in erster Linie den Gesetzgeber: „Wie bereits 27 andere Länder in Europa muss auch Deutschland endlich ein Zirkus-Wildtier-Verbot erlassen!“ Denn so lange es das nicht gebe, könnten Kommunen lediglich Wildtierverbote auf eigenen Flächen beschließen – verbunden allerdings mit der Gefahr, dass ein Zirkus dagegen klagt. Speziell der Zirkus Krone sei in der Vergangenheit schon einige Mal rechtlich gegen ein solches Verbot auf kommunaler Ebene vorgegangen, weiß Yvonne Würz.

Wildtiere in der Manege? Warten auf Berlin

Das fehlende Bundesgesetz und die damit verbundene, unsichere Rechtslage für Kommunen war am Montag auch Thema bei der Diskussion im Coburger Verwaltungssenat. „Die Entscheidung über Wildtiere muss in Berlin gefällt werden“, sagte Barbara Kammerscheid (CSU), die aber auch der Meinung war: „Man kann nicht jedem alles vorschreiben.“ Letztlich solle jeder Bürgers selber entscheiden, ob er zu einer Zirkusvorstellung mit Wildtieren geht oder nicht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Coburgs Alt-OB Norbert Tessmer Anfang November beim Zirkus Krone vorbeischaut, dürfte sehr hoch sein. Denn: „Ich bin seit meiner Kindheit ein großer Zirkus-Fan“, gab der SPD-Mann ganz offen zu. Er stimmte aber auch deshalb für das Krone-Gastspiel, weil er speziell bei diesem Zirkusunternehmen schon mehrmals persönlich hinter die Kulissen schauen konnte. Sein Eindruck dabei: „Den Tieren beim Zirkus Krone geht es besser als manchem Menschen.“

Ganz anders sah das ausgerechnet Tessmers Parteifreund und Nachfolger als OB, Dominik Sauerteig. „Ich halte Wildtierhaltung in einem Zirkus für aus der Zeit gefallen“, sagte er. Gleichzeitig kritisierte aber auch er den Gesetzgeber: Ein bundesweites Zirkus-Wildtier-Verbot sollte mehrmals angegangen werden, doch bis heute sei nichts passiert.

Den emotionalsten Redebeitrag lieferte dann Melanie Becker (Grüne), die bereits ein turbulentes Wochenende hinter sich hatte. Denn nachdem sie auf Facebook öffentlich angekündigt hatte, gegen ein Krone-Gastspiel stimmen zu wollen, wurde sie auf Facebook beleidigt und beschimpft. Doch so leicht will sich die junge Stadträtin nicht unterkriegen lassen – selbst wenn die Beleidigungen noch nicht einmal vor ihrer Familie und ihren Kindern Halt machten. So bekräftigte Melanie Becker im Verwaltungssenat ihre Meinung, wonach auch Tiere ein „Recht auf Würde“ hätten und nicht zur Belustigung der Menschen da seien.

Die Sache mit dem Schmusen

Norbert Tessmer konterte mit einer Anekdote: Er habe schon mehrmals gesehen, wie Martin Lacey beim Zirkus Krone mit den Löwen schmuse. Daraufhin habe er sich Folgendes gedacht: „Wenn ich der Löwe wäre und mir das nicht gefallen würde, dann würde ich einmal mit meiner Tatze ausholen und es wäre vorbei.“ Doch die Löwen hätten eben nicht mit der Tatze ausgeholt…

Bei Peta wiederum weist man darauf hin, dass alleine schon der Transport eine enorme Belastung für Wildtiere darstellen würde. „Insbesondere Elefanten, Löwen und Tiger haben hohe Ansprüche an ihren Lebensraum“, sagt Yvonne Würz und kommt zu dem Schluss: „Ein artgerechtes Leben ist für Wildtiere in einem reisenden Zirkusbetrieb nicht möglich.“ Deshalb appelliere Peta, auf Darbietungen gänzlich ohne Tierdressuren zu setzen, wie es etwa Roncalli vormache. Aber: „Unsere Erfahrungen haben auf traurige Art immer und immer wieder gezeigt, dass auf die Bedürfnisse der Tiere keine Rücksicht genommen wird, sondern sie bis zum letzten Atemzug ausgebeutet werden.“

Hintergrund zum Circus Krone

Beschluss Für das Gastspiel des Zirkus Krone von Montag, 31. Oktober, bis Mittwoch, 9. November, auf dem Anger in Coburg stimmten Norbert Tessmer, Thomas Nowak (beide SPD), Barbara Kammerscheid, Roland Eibl (beide CSU) und Jürgen Heeb (WPC). Dagegen waren Dominik Sauerteig (SPD), Melanie Becker (Grüne) und Klaus Klumpers (ÖDP).

Gastspiel Der Zirkus Krone wird in Coburg sein neues Programm „New Memories“ zeigen, das Ende Februar Premiere hatte und noch bis April ausschließlich im Krone-Bau in München zu sehen ist – danach geht’s auf Tournee.

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