Stadtempfang
Der Kneifer bedeutet 50 Jahre Freundschaft
Der Kneifer ist Bestandteil des Oudenaarder Stadtwappens: Ein Modell davon erhielt OB Dominik Sauerteig (links) zum 50. Geburtstag der Partnerschaft zwischen Oudenaarde und Coburg am Samstag im Kongresshaus Rosengarten. Daneben die Bürgermeister Marnic de Meulemeester (Oudenaarde) und Hans-Herbert Hartan
Der Kneifer ist Bestandteil des Oudenaarder Stadtwappens: Ein Modell davon erhielt OB Dominik Sauerteig (links) zum 50. Geburtstag der Partnerschaft zwischen Oudenaarde und Coburg am Samstag im Kongresshaus Rosengarten. Daneben die Bürgermeister Marnic de Meulemeester (Oudenaarde) und Hans-Herbert Hartan
Foto: Christoph Winter
Coburg – Oudenaarde und Coburg sind seit einem halben Jahrhundert in Freundschaft verbunden. Nun wurde die Beziehung gefestigt und erneuert.

Aus Feinden wurden Freunde. Beim Stadtempfang am Samstagvormittag zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Oudenaarde und Coburg war die Aussöhnung ehemaliger Gegner zweier Weltkriege das bestimmende Thema. Dabei kam der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zwangsläufig zur Sprache.

Die Bürgermedaille „Die Stadt Coburg dankt“ in Silber erhielten am Samstag im Kongresshaus Rosengarten der Oudenaarder Bürgermeister Marnic de Meulemeester (links) und Anja von Acker von OB Dominik Sauerteig und Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (rechts).
Die Bürgermedaille „Die Stadt Coburg dankt“ in Silber erhielten am Samstag im Kongresshaus Rosengarten der Oudenaarder Bürgermeister Marnic de Meulemeester (links) und Anja von Acker von OB Dominik Sauerteig und Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (rechts).
Foto: Christoph Winter

Im Kongresshaus Rosengarten wurde die Delegation aus der belgischen Stadt empfangen. Oberbürgermeister Dominik Sauerteig zeichnete dabei seinen Amtskollegen Marnick de Meulemeester und Anja von Acker mit der Bürgermedaille „Die Stadt Coburg dankt“ in Silber aus. Beide engagieren sich schon seit vielen Jahren intensiv in der Städtepartnerschaft.

Der Krieg gegen die Ukraine war zwangsläufig das große Thema bei dem Empfang

Vor einem halben Jahrhundert, im Jahr 1972, sei eine Freundschaft zwischen ehemaligen Kriegsgegnern keineswegs selbstverständlich gewesen. „Unseren Vätern und Großvätern war der Wunsch nach einer friedlichen gemeinsamen Zukunft wichtiger als der Blick zurück auf die Gräueltaten der beiden Weltkriege“, sagte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig. Seit dem 24. Februar sei mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine „der Frieden leider Gottes nicht selbstverständlich“. Die Waffenlieferungen an die Ukraine seien für ihn „ein nur sehr schwer zu akzeptierende Paradigmenwechsel“. Die Menschen in Oudenaarde und Coburg sind nach den Worten von Dominik Sauerteig „in den letzten fünf Jahrzehnten Vorbilder der Völkerverständigung und des europäischen Gemeinwesens“.

Dass es ehemaligen Feinden gelungen ist, aufeinander zuzugehen, sei schon etwas Besonders, sagte Oudenaardes Bürgermeister Marnic de Meulemeesters. Ganz besonders sei die lange Dauer von 50 Jahren. Entstanden seien Freundschaften auch zwischen Schulen, Sportvereinen und Feuerwehren.

Gewichtiges Geschenk

Beim Besuch in der belgischen Stadt vor einigen Wochen hatte die Coburger Delegation einen Kanaldeckel mit der Wappenfigur Coburgs im Gepäck. „Diesmal ist es nicht so schwer und Sie müssen auch nicht wieder ein Straße dafür aufreißen“, sagte Oberbürgermeister Sauerteig launig.

Geschenk für die belgischen Freunde: Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (rechts) und Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (links) überreichen eine Stele und Bildschirm an Bürgermeister Marnic de Meulemester.
Geschenk für die belgischen Freunde: Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (rechts) und Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (links) überreichen eine Stele und Bildschirm an Bürgermeister Marnic de Meulemester.
Foto: Christoph Winter

Stattdessen überreichte er eine Stele mit einem Bildschirm, auf dem die touristischen Schönheiten Coburgs künftig in Oudenaarde gezeigt werden. Meulemeester übergab hingegen ein großes und kleines Exemplar eines Augenzwickers oder Kneifers. Diese Art der Sehhilfe ist im Wappen von Qudenaarde zu sehen.

„Unser Europa ist fragil“

Die Coburger Delegation war bei ihrem Besuch an der Zeremonie anlässlich des Kriegsendes vor 77 Jahren mit eingebunden. „Dieser emotionale Moment, auch vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine, hat gezeigt, wie fragil unser Europa ist“, sagte Stadtrat Thomas Apfel. Noch im Bus auf der Heimfahrt wurde ein offener Brief der Stadtratsdelegation formuliert, um „in diesen unruhigen Zeiten“ eine kleine Geste für den europäischen Gedanken und den Frieden in Europa zu setzen.

Musikalisch wurde der Stadtempfang von der Coburger Pianistin Noelle Günther begleitet.