„Wäre ich nicht, was ich bin, hätte ich hier mein wirkliches Zuhause.“ Auf diesen Ausspruch von Queen Victoria ist man heute noch mächtig stolz im Coburger Land, und ganz besonders in Rödental. Denn dort befindet sich mit Schloss Rosenau der Geburtsort von Victorias geliebtem Ehemann Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, und genau dort hat Victoria 1845 den besagten Ausspruch getätigt.
Weil aber eine britische Königin nun einmal ihr Zuhause nicht irgendwo in Franken haben kann, waren Victoria und Albert sozusagen auf der Suche nach einem Ausweg – und fanden ihn ausgerechnet an einem Ort, der seit diesem Donnerstag für einen historischen Meilenstein steht: Victoria und Albert ließen ab 1852 Schloss Balmoral in Schottland erbauen; also jene Sommerresidenz, auf der Queen Elizabeth II. gestorben ist.
„Eigene Rosenau geschaffen“
Dass sich Victoria und Albert ausgerechnet für diesen schottischen Landstrich entschieden haben, machen Historiker vor allem an der Umgebung fest. Denn Balmoral liegt in den Cairngorms. Dabei handelt es sich um eine bewaldete Bergkette, die Prinz Albert an den Thüringer Wald erinnert haben soll, den er so liebte.
„Die beiden schufen sich mit Schloss Balmoral ihre eigene Rosenau“, hieß es 2019 in einem Tageblatt-Text, der Prinz Albert und dessen Heimatverbundenheit zum Inhalt hatte. Denn das ursprünglich auf Balmoral stehende Gebäude ließen Victoria und Albert abreißen. Stattdessen wurde – unter planerischer Mitwirkung von Albert – das heutige Schloss errichtet. Bezogen werden konnte es 1856.
Es gehört freilich zur Tragik von Prinz Alberts Leben, dass er sich nicht lange an seiner schottischen Sommerresidenz erfreuen konnte. 1861 starb der Gemahl von Queen Victoria. 1867 wurde im Park von Schloss Balmoral eine Statue enthüllt, die Prinz Albert im Schottenrock zeigt. Interessant: Geschaffen wurde die Statue vom Bildhauer William Theed, der kurz zuvor auch den Bronzeguss für das Prinz-Albert-Denkmal auf dem Coburger Marktplatz angefertigt hatte.
Besonderes Porträt auf der Veste
Doch damit noch nicht genug der kunsthistorischen Verbindungen zwischen Coburg und dem Sterbeort von Queen Elizabeth II. 2007 war es, als die Coburger Landesstiftung mit einem besonderen Ankauf aufhorchen ließ.
Ein Auktionshaus hatte ein 30 mal 22 Zentimeter großes Porzellanporträt von Prinz Albert vermittelt, das seitdem in den Kunstsammlungen auf der Veste Coburg zu sehen ist: Das Porträt zeigt Prinz Albert, wie er an einem Kamin lehnt und dabei einen Schottenrock trägt. Einen Schottenrock deshalb, weil es sich um den Kamin von Schloss Balmoral handelt. „Das Werk dürfte nach dem Tod Alberts entstanden sein, und es ist das einzige Farbbild, das den Coburger Prinzen im Schottenrock zeigt“, erklärte der damalige Direktor der Kunstsammlungen, Klaus Weschenfelder.
Rhein? Thüringer Wald!
Franziska Bartl, die geschäftsführende Vorsitzende der in Coburg ansässigen Prinz-Albert-Gesellschaft, hat erst neulich einen Vortrag gehalten über die 1845er Deutschlandreise von Queen Victoria und Prinz Albert. Auf ihrer Rückfahrt habe die Queen damals in ihrem Tagebuch notiert, dass sie die in England weit verbreitete Schwärmerei für den Rhein nun gar nicht mehr verstehen könne – denn sie kenne jetzt die wunderschöne Landschaft des Thüringer Waldes…
Dass Elizabeth II. anders als Victoria nie in Coburg zu Besuch war, findet Franziska Bartl zwar schade. Trotzdem findet sie viele lobende Worte für die am Donnerstag verstorbene Queen: „Sie war ein verbindendes Element, gerade auch zwischen Deutschland und Großbritannien. Sie hat uns nach dem Zweiten Weltkrieg die Hand gereicht.“
Franziska Bartl hofft, dass die von Elizabeth geschaffenen „Brücken“ nun auch vom neuen König Charles III. aufrecht erhalten werden. Doch selbst, wenn ihm das gelingt: „Mit dem Tod der Queen ist jetzt erst einmal eine Ära zu Ende gegangen.“ Außerdem empfindet es Franziska Bartl auch als eine ganz persönliche „Zäsur“ für sich: „Sie ist ja bislang in meinem Leben immer da gewesen!“
Elizabeth II. war Schirmherrin
Besonders gerne denkt Franziska Bartl daran zurück, wie Queen Elizabeth II. 2019 die Schirmherrschaft über das Jubiläumsjahr in Coburg zum 200. Geburtstags von Prinz Albert übernahm. Ebenfalls eine hohe Symbolkraft hatte es, dass der Gemahl der Queen, Prinz Philip, bis zu seinem Tod 2021 als Schirmherr der Prinz-Albert-Gesellschaft fungierte.
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