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Sanierung und Finanzierung
Schulstart-Interview: „Ein guter Lern-Ort, kein Lärm-Ort“
Coburgs 3. Bürgermeister Can Aydin (SPD)
Coburgs 3. Bürgermeister Can Aydin (SPD) // Mathias Hoch
Coburg – Die Rückertschule startet ins zweite Jahr im Containerquartier. Laut Bürgermeister Can Aydin ist das Ausweichkonzept ein Erfolg. Im Interview spricht er über die aktuelle Schulpolitik.

Auch dieses Schuljahr beginnt für die Rückertschule nicht wie gewohnt im angestammten Gebäude, sondern im Ausweichquartier am Anger. Noch bis voraussichtlich Herbst 2026 werden die Container das Zuhause der Schulfamilie sein. Eine Entscheidung, die sich laut Drittem Bürgermeister Can Aydin als voller Erfolg erwiesen hat – für Schüler, Lehrkräfte und Handwerker gleichermaßen.

Im Interview spricht Aydin über den aktuellen Stand der Sanierung, die überraschend positiven Erfahrungen mit dem Container-Schulbetrieb und die Herausforderungen, die andere Coburger Schulen wie die Heinrich-Schaumberger-Schule noch vor sich haben. Außerdem gibt er Einblicke in die Investitionspolitik der Stadt Coburg im Bildungsbereich und erklärt, warum Fördermittel von Bund und Land oft nicht ausreichen.

Das abgelaufene Schuljahr hat für die Rückertschule im Ausweichquartier am Anger begonnen. Wie ist die Lage bei der Sanierung in der alten Rückertschule?

Can Aydin: Es war auf jeden Fall für alle Beteiligten die richtige Entscheidung, den Schulbetrieb während der Sanierung auszulagern. So ist es gelungen, den Schülerinnen und Schülern wirklich einen guten Lernort zu bieten und keinen Lärm-Ort. Die schulische Qualität musste also nicht unter den Arbeiten leiden. 

Auch die Handwerker haben davon profitiert, da sie sich weder zeitlich noch räumlich mit ihren Arbeiten einschränken mussten. Durch den gut geplanten Sanierungsprozess können die Gewerke zügig arbeiten, sodass wir aktuell sehr gut im Zeitplan liegen.

Rückertschule Coburg
Die Rückertschule in Coburg ist eingerüstet und wird saniert. // Foto: Oliver Schmidt

Bleiben die Kosten für die Sanierung im kalkulierten Rahmen?

Can Aydin: Derzeit wird der Kostenrahmen eingehalten. Die geplanten Kosten belaufen sich insgesamt auf knapp 11 Millionen Euro.

Wie ist die Bilanz bei den Containern? Funktioniert alles, nehmen die Schüler das Gebäude an?

Can Aydin: Ich bin tatsächlich selbst davon überrascht, wie gut die Bauweise ist. In den Klassenräumen merkt man überhaupt nicht, dass man sich in Containern befindet.

Die 220 Container sind U-förmig aufgebaut und zweigeschossig aufgebaut.
Die 220 Container sind U-förmig aufgebaut und zweigeschossig aufgebaut. // Constantin Hirsch

Bis jetzt sind die Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern sowie der Lehrerschaft durchweg positiv. Die einzige Kritik, die mir mitgeteilt wurde, ist, dass Waschbecken in klimatisierten Klassenzimmer fehlen (schmunzelt).

Problemkind: Heinrich-Schaumberger-Schule

Ein Problemkind ist derzeit die Heinrich-Schaumberger-Schule. Wann steht die Deckensanierung an, gibt es da mittlerweile ein Datum? 

Can Aydin: Die Heinrich-Schaumberger-Schule muss entweder generalsaniert und mit einem Erweiterungsbau ergänzt oder komplett neu gebaut werden. 

Hierzu laufen derzeit Gespräche zwischen dem Verein für Sonderpädagogik im Coburger Land e. V. als Träger der Schule, dem Landkreis, der Stadt Coburg und der Regierung von Oberfranken. 

Was wird die Maßnahme kosten? 

Can Aydin: Die Kosten sind abhängig vom Umfang der Maßnahme. Aktuell kann noch keine Aussage getroffen werden. 

Die Heinrich-Schaumberger-Schule befindet sich am Judenberg in Coburg.
Die Heinrich-Schaumberger-Schule befindet sich am Judenberg in Coburg. // Foto: Anne-Nikolin Hagemann

Wann können die Schüler wieder voll dahin?

Can Aydin: Unser Ziel ist es, dass im Schuljahr 26/27 möglichst wieder alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam an einem Ort beschult werden können. Dazu soll auf dem Gelände der Heinrich-Schaumberger-Schule ein Interim in Container oder Ständerbauweise errichtet werden, so wie bei der Rückertschule. Nur größer aufgrund des höheren Platzbedarfs der Schaumberger-Schule.

Die Planungen hierzu laufen gerade. Federführend ist hier der Träger der Schule, der Verein für Sonderpädagogik. Denn die Heinrich-Schaumberger-Schule ist keine städtische Schule. Mit im Boot ist der Landkreis Coburg und wir. 

Heinrich-Schaumberger-Schule
Coburgs Pressesprecher Louay Yassin, Landrat Sebastian Straubel und Dritter Bürgermeister Can Aydin bei der Ortsbegehung in der Heinrich-Schaumberger-Schule // Foto: Anne-Nikolin Hagemann

Wurden die Sommerferien für weitere Maßnahmen an Schulgebäuden in der Stadt genutzt?

Can Aydin: Die Sommerferien wurden genutzt, um den 1. Bauabschnitt für die Umstellung der Klassenzimmer von G8 auf G9 im Gymnasium Albertinum fertigzustellen. Doch bei 21 Schulen ist immer etwas zu tun – egal ob Ferienzeit oder nicht.

Bildung ist für uns als Oberzentrum nicht nur ein wichtiger Standortfaktor, sondern ein zentraler Baustein unserer Gesellschaft. Die Investitionen in unser Bildungssystem, zu dem ich neben den Schulen auch die Kitas zähle, hat daher für Oberbürgermeister Dominik Sauerteig und mich eine sehr hohe Priorität. Da sehen wir uns im Einklang mit dem Stadtrat. 

Gemäß unserem Motto „kurze Beine, kurze Wege“ sind für uns die kleinen Grundschulen genauso wichtig wie die großen Mittelschulen oder Gymnasien. Die Arbeit geht also nie aus.

Sind für andere Schulen in Coburg Bau- oder Sanierungsmaßnahmen nötig? Und wenn ja, sind die schon konkret geplant?

Can Aydin: Neben der Fertigstellung der Sanierungsarbeiten an der Heilig-Kreuz-Mittelschule und der Rückert-Mittelschule steht eine Generalsanierung der Realschule CO I, der weitere Umbau des Albertinums aufgrund der Umstellung von G8 auf G9, der Anbau einer Mensa an die Melchior-Franck-Grundschule und der Bau eines Multifunktionsgebäudes in der Wiesenstraße auf der To-do-Liste. Dazu kommen zahlreiche Bauunterhaltsmaßnahmen, wie beispielsweise an der Schule Scheuerfeld, durch das Hochbauamt.

Wie viel gibt die Stadt für Schulen aus?

Von allem, was gemacht wird oder geplant werden muss: Wie viel muss die Stadt dafür selber aufbringen und wie viel kommt von Bund oder Freistaat? Und ist das ausreichend?

Can Aydin: Die Stadt Coburg ist Sachaufwandsträgerin für 21 Schulen, weil Bildung das höchste Gut ist und die Schülerinnen und Schüler in den Coburger Schulen beste Lernbedingungen vorfinden, nimmt die Stadt Coburg viel Geld in die Hand. Insgesamt über 29 Millionen Euro wurden in den letzten zehn Jahren in Schulen, also die Bildung unserer Kinder investiert. Der größte Teil, 21,5 Millionen Euro, floss in Baumaßnahmen. In den Ausbau der Digitalisierung an Schulen wurde fast 5 Millionen und in die Ausstattung 2,8 Millionen investiert. 

Zwar gibt es für Schul- und Kitabauten auch Förderungen durch Bund oder Land, allerdings fallen diese Förderungen für uns leider stets sehr gering aus, der Königsanteil der Investitionskosten bleibt bei uns.

Luftaufnahme der Coburger Veste

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Problematisch sind die Vorgaben, die auf Landes und Bundesebene getroffen werden und auf kommunaler Ebene umgesetzt werden müssen, wie zum Beispiel der Wechsel von G8/G9 oder die Einführung des Ganztagsförderungsgesetzes. Beim Thema Ganztagsförderungsgesetz haben wir beispielsweise bereits im Jahr 2022 eine Projektgruppe ins Leben gerufen und mit den Schulen, Trägern und Elternbefragungen gemeinsame Konzepte für unsere Schulen ausgearbeitet.

Dank der guten Arbeit haben wir den Rechtsanspruch bereits jetzt vollständig erfüllt. Jedoch reichen natürlich die dafür bereit gestellten Fördermittel bei weitem nicht aus. 

Zudem werden die Ideen nicht zu Ende gedacht, und die Vorgaben zur Umsetzung sind mit so hohen Voraussetzungen versehen, dass pragmatische Lösungen kaum möglich sind. Mit unseren vier Gymnasien bieten wir als Oberzentrum auch den Kindern aus der Region hervorragende Bildungsmöglichkeiten. Die Landkreiskommunen beteiligen sich zwar mit Gastschulbeiträgen an den Kosten, jedoch blieben aufgrund der hohen Investitionen, die die Stadt Coburg in den letzten drei Jahren — beispielsweise rund 3 Millionen Euro — getätigt hat, erhebliche Beträge ungedeckt.

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