Ganz traditionell mit dem Einzug der Präsidierenden hat am Freitag der Pfingstkongress des Coburger Convents (CC) begonnen. Auch abends beim Stadtempfang ging es um das Thema Traditionen – allerdings mit einer deutlichen Botschaft von Dominik Sauerteig.
Die Stadt Coburg und auch er persönlich wollen auch künftig „in bewährter Weise“ dem CC ein „guter Gastgeber“ sein. Mit dieser Aussage hat am Freitagabend Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) beim Stadtempfang für den CC durchaus überrascht. Denn selten hat es bereits vor einem Pfingstkongress derart viele Misstöne gegeben.
„Akt der Unhöflichkeit“
Der im März 2020 neu an die Stadtspitze gewählte Sauerteig gilt bekanntlich als Kritiker vor allem des Fackelzugs und stellt deshalb am Montagabend auch nicht den Rathausbalkon zur Verfügung. Martin Vaupel, Sprecher des CC, hatte dies als einen „Akt der Unhöflichkeit gegenüber treuen Gästen“ bezeichnet.
Ruderte Sauerteig nun also zurück? Nein. Zwar enthielt seine Rede noch weitere freundliche Worte; zum Beispiel: „Wir freuen uns, dass es nach zweijähriger Zwangspause wieder zu einem Pfingstkonvent in Coburg kommen kann.“ Doch anschließend wurde er sehr wohl deutlich, was er von bestimmten Traditionen hält. Ohne das Kind beim Namen zu nennen, meinte er damit zweifelsohne den Fackelzug, den auch das Tageblatt in den vergangenen Wochen immer wieder thematisiert und kritisch beleuchtet hat.
„Stolze Tradition“
„Coburg und der Coburger Convent – beides gehört zusammen“, betonte Sauerteig und sprach von einer „über 150-jährigen Tradition“. Von einer Tradition, die man „doch sicher“ gemeinsam in eine gute Zukunft führen wolle. „Doch wer eine stolze Tradition wie die des alljährlichen Coburger Pfingstkongresses in eine gute Zukunft führen will, der übernimmt auch ein gehöriges Stück Verantwortung“, so Sauerteig. „Denn eine Tradition in die Zukunft zu führen bedeutet nicht, grundsätzlich so weiter zu machen, wie es schon immer war.“
Aus seiner Sicht müsse es vielmehr darum gehen, die traditionellen Werte an die Aufgaben und Herausforderungen der Zeit heranzuführen und das traditionelle Fundament damit zur „Richtschnur des eigenen Handelns heute und in Zukunft“ zu machen. So zu handeln, bedeute zu gestalten und gegebenenfalls auch „bewährte Pfade zu verlassen und neue, den heutigen Anforderungen angepasste Wege zu beschreiten“.
Für einen „behutsamen Kurswechsel“
Sauerteig zitierte den chinesischen Philosophen Laotse: „Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.“ In diesem Sinn hätte man auch die Verantwortung dafür zu übernehmen, wenn traditionelles Tun und Wirken nicht hinterfragt werde; wenn ein „behutsamer Kurswechsel“ nicht in die Wege geleitet beziehungsweise wenn Veränderungen einfach kategorisch abgelehnt würden. Sauerteig: „Ich möchte uns alle ermuntern, in Verantwortung für die Gesellschaft, in Verantwortung für unser Umfeld unser eigenes Tun und Handeln ständig auf den Prüfstand zu stellen und zu hinterfragen, ob Richtiges aus früheren Tagen mit dem Wissen von heute nicht neu gedacht werden muss und insofern einer Kurskorrektur bedarf.“
Launige Reaktion von Schollmeyer
Der für launige Worte bekannte Kongressbeauftragte des CC, Hans-Georg Schollmeyer, ging auf die Äußerungen von Sauerteig im Detail gar nicht ein. Stattdessen machte er einige grundsätzliche Bemerkungen zum neuen Oberbürgermeister. So sagte er wörtlich: „Nach Norbert Kastner hat Coburg wieder einen Azubi an die Stadtspitze gewählt.“ Und er fügte hinzu: „Aber auch Dominik Sauerteig bekommt im dritten Lehrjahr noch Nachsicht – so, wie seinerzeit auch Kastner.“ Dazu muss man wissen: Kastner und Schollmeyer haben sich im Laufe der Jahre gut zusammengerauft, und ein frotzelnder Unterton war nie böse gemeint. Und wie war das jetzt bei Sauerteig gemeint? Man weiß es (noch) nicht.
Schollmeyer, der seit 50 Jahren (!) Kongressbeauftragter ist, sagte außerdem noch direkt an Sauerteig gerichtet: „Ich habe fünf Coburger Oberbürgermeister überlebt – Sie überlebe ich womöglich auch.“ Als Geschenk überreichte Schollmeyer dem OB eine Schachtel Zuckerbrot sowie eine „SPD-Disziplinpeitsche“; das war eine Anspielung auf die jüngste Diskussion um das Zirkus-Krone-Gastspiel, dem allen voran Sauerteig ebenfalls kritisch gegenüber steht.
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