Abenteuer im Ausland
Der mutige Meeresretter aus Coburg
Die Inselgruppe Sansibar kennen die meisten als Urlaubsdestination mit Traumstränden. Doch auch das ist Sansibar.
Die Inselgruppe Sansibar kennen die meisten als Urlaubsdestination mit Traumstränden. Doch auch das ist Sansibar.
Foto: sashkasiro
Coburg – Ein 19-Jähriger tauscht sein Leben in Deutschland gegen niedrige Hygienestandards und eine fremde Kultur. Warum ihm das Projekt so wichtig ist.

Die Jugend setzt sich immer dann für den Klimaschutz ein, wenn die Fridays-for-Future-Demo in die Unterrichtszeit fällt. Dass dieses Vorurteil bei Weitem nicht auf alle junge Menschen zutrifft, beweist Lukas Kestel. Frei nach dem Lebensmotto "Den Mutigen gehört die Welt" sitzt der Coburger in diesem Moment im Flieger nach Tansania.

Gefährdetes Urlaubsparadies

Dort, aus dem fast 7000 Kilometer entfernten Urlaubsparadies, sagt der 19-Jährige in den kommenden acht Monaten Klimawandel und Umweltverschmutzung den Kampf an. Was viele nicht wissen: Die Postkartenidylle im Indischen Ozean ist von der Erderwärmung, dem ansteigenden Meeresspiegel und Versauerung bedroht.

Die Korallen reagieren sensibel auf die sich ändernden Umwelteinflüsse. Ein Großteil der Riffe ist von Korallenbleiche betroffen. Zusätzlich leiden die flachen Riffe unter Müll, unachtsamen Touristen und Dynamitfischern.

Nicht tatenlos zuschauen

Eine Entwicklung, bei der Lukas Kestel, der im vergangenen Jahr am Ernestinum in Coburg das Abitur gemacht hat, nicht tatenlos zuschauen will: "Ich will selbst mit anpacken!" Sein Leben in Deutschland tauscht er in den kommenden acht Monaten gegen niedrige Hygienestandards abseits von komfortablen Hotelanlagen, wo Lebensmittel nur nach dem Motto "Cook it, peel it or forget it" ("Koche es, schäle es oder vergiss' es") verzehrt werden.

Nachdem er von dem Projekt Chumbe Island Coral Park (eine kleine Insel zwölf Kilometer vor der tansanischen Ostküste, siehe Info-Kasten) erfahren hat, wäre er am liebsten direkt nach dem Abi losgeflogen. Das Corona-Virus hat seine Pläne aber zunichtegemacht.

Also hat Lukas Kestel kurzfristig umgeplant und innerhalb weniger Monate eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert. Dann die Überraschung: Gerade die Ausbildung abgeschlossen, erhält der 19-Jährige von seiner Entsendeorganisation doch noch die Nachricht, dass er gemeinsam mit zehn weiteren Freiwilligen nach Tansania ausreisen darf. "Viele Leute haben gesagt: Das wird bestimmt nichts mehr."

Schließlich hat die Organisation seit Beginn der weltweiten Pandemie keine Freiwilligen mehr ans andere Ende der Welt entsendet - nicht zuletzt, weil der inzwischen gestorbene tansanische Präsident John Magufuli die Existenz des Corona-Virus geleugnet und behauptet hat, man könne die Viren einfach weg beten oder sich mit Dampfbädern reinigen. "Aber ich habe die Hoffnung nie aufgegeben. Und jetzt hat es echt geklappt."

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So wird der 19-Jährige auf der kleinen Insel zwölf Kilometer von der Küste entfernt die Artenvielfalt der Korallenriffe dokumentieren und schützen, Daten erheben und die Einheimischen, insbesondere die Schulkinder aus Sansibar, für den Meeresschutz sensibilisieren.

Gelbfieber, Hepatitis A und B, Tollwut, Meningokokken: Innerhalb weniger Tage hat Lukas Kestel einen wahren Impfmarathon absolviert, gegen das Corona-Virus ist er bereits länger immunisiert. Sicher ist sicher. "Wenn ich dort krank werde, weiß ich nie, wann das nächste Boot zurück aufs Festland fährt und ich zu einem Arzt komme."

Mitten in der Pandemie

Alleine fast 7000 Kilometer von zu Hause entfernt, ein fremdes Land und eine ebenso fremde Kultur, und das mitten in der Pandemie. Hat der junge Creidlitzer überhaupt keine Angst? "Man muss einfach Vertrauen in die Welt haben und meine Eltern unterstützen mich immer." Nur die Freunde müssen die nächsten acht Monate auf ihren Kumpel verzichten. "Die finden die Aktion aber natürlich genial."

Gerade in Pandemie-Zeiten ist die Not auf den Inseln groß. "Inzwischen sind rund 40 einheimische Ranger bei dem Projekt angestellt, die vorher ihren Lebensunterhalt mit Dynamitfischen verdient haben", erklärt der junge Naturschützer. Früher haben sie mit dem Dynamit die Korallenriffe zerstört, heute geben sie geführte Schnorcheltouren und sensibilisieren Touristen für den Meeresschutz. Doch wegen Corona kommen derzeit kaum Touristen. "Die Ranger müssen aber auch in der Pandemie von dem Projekt leben können."

Ein Coburger unter 5 Millionen

Der Meeresschutz ist das Eine, die Menschen und ihre Kultur das Andere. Lukas Kestel wird in den kommenden Monaten auf dem Festland bei einer Gastfamilie wohnen - keiner von ihnen spricht fließend Englisch. Doch auch davor schreckt Lukas Kestel nicht zurück. "Dann verständigen wir uns eben mit Händen und Füßen."

Die kommende Woche verbringt er erst einmal in der ehemaligen Hauptstadt Tansanias Dar es Salaam - eine Metropole mit fünf Millionen Einwohnern. Dort bekommt Lukas Kestel eine Einführung über Land und Leute - und die ersten Eindrücke von Afrika. Danach geht's weiter nach Sansibar.

Was Lukas Kestel bei seinem Freiwilligendienst alles erlebt, wird er ab der kommenden Woche auf seinem Instagram-Account "lukas_k.09" und in einer losen Serie im Coburger Tageblatt berichten.

Das Meeresschutzprojekt

Der Chumbe Island Coral Park liegt im indischen Ozean vor der Ostküste Tansanias, zwölf Kilometer vor der Inselgruppe Sansibar. Er umfasst eines der artenreichsten flachen Korallenriffe der Welt mit einem der wenigen noch erhaltenen semi-ariden Küstenurwäldern.

Das Projekt wurde vor 30 Jahren als weltweit erstes privat geleitetes Meeresschutzprojekt von der Heidelbergerin Sybille Riedmüller gegründet. Inzwischen leitet es die österreichische Meeresbiologin Ulrike Kloiber.

Laut WWF Meeresschutz besteht die Gefahr, dass in den kommenden Jahrzehnten 70 bis 90 Prozent aller Korallenriffe weltweit verloren gehen. Damit das nicht passiert, wollen Freiwillige und Mitarbeiter des Projekts die Steinkorallen und Fischarten auf Sansibar schützen. Neben dem Erhalt betreiben die Helfer Umweltbildung für die heimische Bevölkerung.

Das Projekt kann mit Spenden unterstützt werden:

Deutsch-Tansanische-Partnerschaft e.V.

GLS Bank

BIC: GENODEM1GLS

IBAN: DE29 4306 0967 2026 3043

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