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Cannabis-Legalisierung
Coburger gründen Anbauvereinigung
Tim Hausdörfer ist Gründungsmitglied des Cannabis Social Clubs Coburg.
Tim Hausdörfer ist Gründungsmitglied des Cannabis Social Clubs Coburg. // Julia Scholl
Cannabis-Legalisierung
Coburg – Seit April ist Cannabis legal, doch die Lizenz für die Social Clubs gibt es erst ab Juli. Eine Coburger Anbauvereinigung steht aber bereits in den Startlöchern – das sind die Pläne und Hürden.

Wer bei einer Cannabis-Anbauvereinigung – auch Social Club genannt – auf den ersten Blick an das Konzept einer solidarischen Landwirtschaft denkt, liegt nicht ganz daneben. Doch was steckt sich eigentlich dahinter? Zwei Coburger Cannabis-Clubgründer geben Einblick in die Pläne und räumen mit einigen Vorurteilen auf. 

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Die Idee, eine Anbauvereinigung für Cannabis ins Leben zu rufen, entstand vor gut einem Jahr, sagen Denis S. (34) und Tim Hausdörfer (25). Die beiden Coburger wollen mit ihrem Social Club zur Entkriminalisierung beitragen, den Schwarzmarkt verdrängen, aber vor allem aufklären. Nach Monaten intensiver Planung und vielen Telefonminuten stehen die beiden Freunde mit ihrem Cannabis-Social-Club eigentlich in den Startlöchern, doch eine Sache fehlt noch. 


Was ist eine Anbauvereinigung?

Anbauvereinigungen sind registrierte, nicht-wirtschaftliche Vereine oder Genossenschaften, in denen bis zu 500 erwachsene Mitglieder gemeinschaftlich Cannabis für den Eigenkonsum anbauen können. Ebenso dürfen sie Vermehrungsmaterial wie Samen und Stecklinge der Cannabispflanze untereinander weitergeben. An Nicht-Mitglieder dürfen Anbauvereinigungen nur die Cannabissamen und Stecklinge weitergeben. 


„Wir sind seit Dezember offiziell gegründet und ein eingetragener Verein“, sagt Tim Hausdörfer und Denis S. ergänzt: „Jetzt kommt das große Aber:  Wir brauchen noch eine Lizenz. Die kann man erst ab dem 1. Juli beantragen und der Prozess dauert dann auch noch eine Weile.“ Die zeitliche Diskrepanz zwischen Legalisierung und der Lizenzvergabe finden beide durchaus problematisch. „Das hätte zeitgleich erfolgen sollen“, sagt Tim Hausdörfer und erklärt: „Seit dem 1. April ist der Konsum und Besitz zum Teil legal. Aber wo bekommen es Konsumenten her? Durch die Verzögerung befördert man aktuell vielmehr den Schwarzmarkt.“ 

Tim Hausdörfer ist Gründungsmitglied des Cannabis Social Clubs in Coburg.
Tim Hausdörfer ist Gründungsmitglied des Cannabis Social Clubs in Coburg. // Julia Scholl

Bürokratischer Kraftakt

Auch sei der ganze Prozess ein bürokratischer Kraftakt. „Der Gesetzgeber möchte den Schwarzmarkt eindämmen, aber gleichzeitig legt er uns große Steine in den Weg“, erklärt Tim Hausdörfer. Die Behördendurchsicht gestaltet sich als äußerst schwierig, sagt Denis S. . „Wir sind den ganzen Tag am Telefonieren. Man hat nicht eine Behörde, sondern zehn. Das macht es extrem undurchsichtig“, ergänzt Tim Hausdörfer. Für die Suche nach Räumlichkeiten haben sie einen Makler engagiert, da die Club-Räume bestimmte Kriterien erfüllen müssen.


Welche Kriterien gelten für die Clubräume?

Die Anbauvereinigung ist verpflichtet, sicherzustellen, dass ein Mindestabstand von 200 Metern zum Eingangsbereich von Schulen, Spielplätzen und anderen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche eingehalten wird. Zusätzlich müssen die Grundstücke der Cannabis Social Clubs umzäunt sein und über Sicherheitsvorkehrungen verfügen, um Einbrüche zu verhindern. Darüber hinaus ist es erforderlich, dass die Gewächshäuser einen Sichtschutz haben, um die Privatsphäre zu wahren und den Blick von außen zu verhindern.


Wie finanziert sich eine Anbauvereinigung?

Anbauvereinigungen sind nicht-wirtschaftliche Vereine und finanzieren sich also vor allem durch Mitgliedsbeiträge und die Abgaben für Cannabis. Der jährliche Mitgliedsbeitrag wird bei 100 Euro liegen – dazu kommen die Abgaben. „Wir müssen natürlich als Verein ein paar Rücklagen bilden, aber falls ein Finanzüberschuss entsteht, wird das Geld gespendet“, sagt Denis S..

Bis es wirklich losgehen kann, gibt es noch einiges zu tun, vieles hängt aber von der Lizenzvergabe ab. Zubehör, wie Lampen und Gewächshäuser, könne man aktuell bereits anschaffen. Samen und Stecklinge können aber erst mit der Lizenz erworben werden.

Bei der Preisgestaltung möchten sie die Balance halten:  „Wir peilen zwischen 3 und 6 Euro für das Gramm an. Wir müssen es aber erst noch einmal durchkalkulieren. Unser Ziel ist es, unter dem Preis auf dem Schwarzmarkt zu sein, um diesen auszuhebeln“, betont Tim Hausdörfer. Dennoch möchten sie durch den niedrigen Preis keinen Anreiz schaffen. Es dürfen an jedes Mitglied höchstens 25 Gramm Cannabis pro Tag und höchstens 50 Gramm Cannabis pro Monat zum Eigenkonsum weitergegeben werden. 

Es gebe für Mitglieder keine Verpflichtung, aktiv mitzuarbeiten. Denn der Verein darf auch Menschen beschäftigen: „Wir können auch Leute auf Minijob-Basis einstellen“, sagt Denis S. „In erster Linie schaffen wir eine Abgabestelle. Wenn aber jemand mitwirken möchte, können wir eine Aufwandsentschädigung zahlen“, sagt Tim Hausdörfer. 

Bei dem ganzen Projekt stehen Aufklärung und Transparenz für Tim Hausdörfer und Denis S. an erster Stelle. „Jeder Konsument soll wissen, was er konsumiert. Deshalb arbeiten wir mit einem Labor zusammen, das regelmäßig Proben analysieren wird“, erklärt Tim Hausdörfer. Zudem wird bei jedem Verkauf ein Beipackzettel mitgeliefert – „Jeder Konsument soll wissen, was er konsumiert“, erläutert der 25-Jährige. „Es ist wichtig, dass die Legalisierung voranschreitet, weil das auch mehr Aufklärungsarbeit fördert und fordert“, betont er. In puncto Aufklärung liegt ihnen besonders eines am Herzen: Jugendschutz.

Ein großer Punkt für beide

„Wir halten den Jugendschutz- und Suchtprävention für äußerst wichtig“, sagt Denis S.. Eine Anbauvereinigung ist verpflichtet, ein Mitglied in Bezug auf Jugendschutz und Suchtprävention zu schulen. „Obwohl diese Position normalerweise von einer Person bekleidet wird, haben wir uns entschieden, dass sowohl Denis als auch ich diese Rolle übernehmen und die entsprechende Schulung absolvieren werden“, sagt Tim Hausdörfer. Diese Schulung ermögliche es ihnen nicht nur über die potenziellen Risiken und Folgen des Cannabiskonsums aufzuklären, sondern auch dabei zu unterstützen, dass ihr Mitglieder verantwortungsvolle Entscheidungen treffen.

Cannabis-Legalisierung
Cannabispflanzen (ca. 4 Wochen alt) in ihrer Wachstumsphase stehen in einem Aufzuchtszelt unter künstlicher Beleuchtung in einem Privatraum. // Christian Charisius/dpa

Gesetzlich festgesetzt ist das Mindestalter der Social-Club-Mitglieder auf 18 Jahre, die beiden Coburger wollen aber einen Schritt weiter gehen. Beide haben selbst als Jugendliche Erfahrungen mit Cannabis gemacht und sehen das rückblickend kritisch in dem Alter. „Wir planen nur Menschen ab 21 Jahren aufzunehmen. Mit 18 ist man einfach noch nicht weit genug entwickelt“, sagt Denis S.. Die Coburger sehen auch Alkoholkonsum als Jugendlicher sehr kritisch: „Wir wären zum Beispiel auch dafür, dass Alkohol ab 21 Jahren ist. In unserer Gesellschaft wird Alkohol nach wie vor bagatellisiert.“  

Die beiden möchten mit dem Verein eine sichere und legale Anlaufstelle für Cannabis schaffen und gleichzeitig die Menschen über verantwortungsvollen Konsum aufklären. Und das Interesse ist da: Jeden Tag bekommen sie zwischen 5 und 10 Anfragen für die Warteliste. Mehr Informationen dazu gibt es auf dem Instagram-Kanal (@cannabis_social_club_coburg). „Wir rechnen damit, dass wir bis zum 1. Juli etwa 300 Mitglieder haben“, sagt Tim Hausdörfer. Er ist sich sicher: „Es werden sicher noch weitere Anbauvereinigungen aus dem Boden schießen.“

Suchthilfe in Coburg

In Coburg gibt es einige Ressourcen für Menschen, die mit Süchten aller Art kämpfen. Mehr Informationen finden Sie auf der Webseite der Stadt Coburg oder bei der Diakonie Coburg. 

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