Sehen wir zunächst mal das Positive: Es ist noch Geld da, um die Straßen in Schuss zu halten. Während die Menschen in anderen Städten lange darauf warten müssen, bis die eine oder andere Buckel- und Schlaglochpiste in Ordnung gebracht wird, geht’s in Coburg zurzeit rund. Es wird gebaggert und gebuddelt, was das Zeug hält.
Baustellenatlas der Stadt Coburg
Der Baustellenatlas der Stadt Coburg (den Link dazu gibt’s hier) hat in diesem Sommer Ähnlichkeiten mit einem Wimmelbild. Überall auf dem Stadtplan sind rote Punkte zu sehen – jeder einzelne Punkt steht für eine Baustelle. Manche Punkte sind dort bereits seit längerer Zeit eingezeichnet, andere sind erst in den vergangenen Wochen neu dazu gekommen – und manchmal verschwindet auch ein Punkt. Zum Beispiel in der Rosengasse: Die einzige legale Zufahrt zum Marktplatz war fast ein halbes Jahr lang gesperrt. Für ein mittleres Verkehrschaos sorgte das vor allem morgens an den Markttagen: Denn der Verkehr sowohl zum als auch vom Marktplatz musste sich durch die obere Ketschengasse quälen. Da ließ sich Begegnungsverkehr kaum vermeiden, die Folge war der eine oder andere Stau.
Ab und zu ein Stau in der Ketschengasse mag aber ein vergleichsweise eher geringes Problem sein. Sehr viel nervenaufreibender sind für alle Autofahrerinnen und Autofahrer die Sperrungen und Behinderungen auf den großen Verkehrsachsen. Weil es den Rahmen sprengen würde, hier alle aktuellen Baustellen aufzulisten, beschränken wir uns auf die drei vielleicht nervigsten – verbunden mit einer großen Umfrage.
Zur Umfrage geht’s hier:
Wer mit unseren drei „Nominierten“ nicht zufrieden ist, kann uns gerne mailen und weitere Vorschläge nennen. Kontakt: redaktion@coburger-tageblatt.de
Und hier sind die drei Baustellen in Coburg, die nach unserer Einschätzung zurzeit am nervigsten sind:
1. Stadtautobahn/B4
Art der Sperrung: Seit mehreren Jahren wird an der Stadtautobahn (B4) herumgedoktert. Unter anderem wurden einige Brückenbauwerke saniert. Aktuell werden mal wieder Teile der Fahrbahn erneuert. Das hat zur Folge, dass es zwischen der Frankenbrücke und Höhe Bahnhof statt vier nur zwei Fahrspuren gibt.
Dauer der Sperrung: Kaum zu glauben, aber wahr: Begonnen hat alles im Frühjahr 2021! Damals war es die Aufgabe des Coburger Entsorgungs- und Baubetriebs beziehungsweise der SÜC, die Straßenlaternen vom Mittelstreifen an den Rand zu versetzen. Für alles andere ist jetzt aber das Staatliche Bauamt Bamberg zuständig. Vorhergesagt ist, dass die Bauarbeiten entlang der Stadtautobahn erst Ende September 2025 beendet sein werden.
Nerv-Faktor: 9
Begründung des Nerv-Faktors: Okay, die Stadtautobahn ist nicht komplett gesperrt, sondern sie lässt sich trotz der Bauarbeiten befahren. Aber vor allem im Berufsverkehr gibt es regelmäßig lange Staus. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Autofahrerinnen und Autofahrer das mit dem „Einfädeln lassen“ nach dem „Reißverschlussprinzip“ noch immer nicht verstanden haben.
Eine echte Gefahrenstelle ist die Abfahrt von der Frankenbrücke auf die Stadtautobahn in Richtung Norden: Ohne Baustelle gibt es hier eine Einfädelspur – jetzt, mit Baustelle, müssen einfahrende Autos einer Haltelinie beachten.
Im aktuellen Bauabschnitt nervt noch etwas Weiteres: Die Abfahrt Frankenbrücke ist – für die aus Richtung Norden kommenden Verkehrsteilnehmer – gesperrt. Wer also etwa in die Innenstadt möchte, diese zusätzliche Sperrung innerhalb der Baustelle aber nicht bedacht hat, muss bis zur Wassergasse fahren. Ein erheblicher Umweg, zumal die enge Wassergasse auch gar nicht für derart viel Verkehr ausgelegt ist.
2. Ernstplatz/Am Viktoriabrunnen
Art der Sperrung: Auch hier zunächst etwas Positives: Der Bereich rund um den Ernstplatz ist bald richtig schön! Zwischen dem Hexenturm und dem Judentor entsteht eine neue Flaniermeile entlang der alten Stadtmauer. Doch bevor alles schön ist, muss eben einiges umgebaut und umgestaltet werden.
Begonnen wurde mit der ehrgeizigen Maßnahme bereits im Jahr 2022. Was größere Straßensperrungen betrifft, wurde allen Autofahrerinnen und Autofahrern im Jahr 2023 eine kleine Verschnaufpause gegönnt – weil es bereits so viele andere Baustellen und Straßensperrungen in der Innenstadt gibt. Okay, dieses Argument hätte auch 2024 erneut greifen können, aber man will ja mit der Maßnahme auch irgendwann mal fertig werden. Deshalb ist die Straße im Bereich Ernstplatz/Am Viktoriabrunnen seit Mitte März stadtauswärts gesperrt.
Dauer der Sperrung: Ein Ende ist so langsam in Sicht. Die Sperrung der Straßen Ernstplatz/Am Viktoriabrunnen soll noch bis Ende September dauern. Die gesamte Sanierungsmaßnahme in diesem Bereich wird aber erst Mitte 2025 fertig sein.
Nerv-Faktor: 7
Begründung des Nerv-Faktors: Einerseits gibt es mit der Sally-Ehrlich-Straße eine Möglichkeit, den stadtauswärts rollenden Verkehr ohne größeren Umweg umzuleiten. Andererseits muss die kleine Sally-Ehrlich-Straße (und vor allem ihre Anwohner!) in diesen Monaten wieder so einiges aushalten. Vor allem im Berufsverkehr rollen die Blechlawinen – zumal viele Autofahrer aktuell die Stadtautobahn meiden (siehe Punkt 1) und es zumindest versuchen, auf der Innenstadt-Achse schneller vorwärtszukommen. Das gelingt aber nur bedingt.
Verkehr in der Sally-Ehrlich-Straße in Coburg
3. Rosenauer Straße
Art der Sperrung: In der Rosenauer Straße wird die Fernwärmeversorgung erweitert. Deshalb kommt es abschnittsweise immer zu Vollsperrungen.
Dauer der Sperrung: Aktuell lautet die Auskunft, dass die Bauarbeiten bis zum 20. Dezember 2024 andauern. Im Idealfall gibt's also für Autofahrerinnen und Autofahrer ein schönes Weihnachtsgeschenk. Sollte es heuer einen etwas früheren Wintereinbruch geben, könnte aber auch eine Verlängerung bis ins Frühjahr 2025 drohen.
Nerv-Faktor: 7
Begründung des Nerv-Faktors: Zunächst einmal sei betont: Die Erweiterung der Fernwärmeversorgung ist ein sehr ehrenwerter Grund für eine Straßensperrung. Denn Fernwärme ist eine klimafreundliche Möglichkeit der Energieversorgung. Deshalb ist es absolut zu begrüßen, dass in Coburg immer mehr Haushalte ans Fernwärmenetz angeschlossen werden. Aber: Die Bauarbeiten in der Rosenauer Straße ziehen sich. Zur Erinnerung: Bereits 2023 war sie vier Monate lang gesperrt – nach einer kurzen Winterpause ging es im Februar 2024 weiter. Das vielleicht nervigste an dieser Baustelle ist, dass man nie so genau weiß, wann gerade welcher Abschnitt gesperrt ist. Aktuell zum Beispiel ist von der Innenstadt aus die Zufahrt möglich zum Esco-Park, zum Elektrogeschäft Heinze & Bolek oder auch zur Sportanlage des TV 1848. Eine Zufahrt zum Hallen- und Freibad Aquaria ist von der Innenstadt. Lediglich Fußgänger und Radfahrer kommen durch.
Wer mit dem Auto zum Aquaria möchte, dem sei eine Zufahrt über den Dammweg empfohlen.
Kurios wird’s freilich, wenn jemand aus dem Bereich Oberer Bürglaß zum Aquaria fahren will: Die Rosenauer Straße gesperrt – eine mögliche Umleitung über die Heiligkreuzsstraße ist aber auch nicht möglich, weil die Heiligkreuzstraße selbst auch noch bis voraussichtlich 9. August gesperrt ist.
Kleiner Trost: So richtig viele Autofahrer können zurzeit gar nicht aus dem Bereich Oberer Bürglaß kommen, weil dieser im Bereich Bürglaßschlösschen noch bis Mitte August komplett gesperrt ist.
Das waren also unsere drei „Nominierten“ für die Auszeichnung „Coburgs nervigste Baustelle“. Wenn Sie sich über eine andere Baustelle derzeit noch sehr viel mehr ärgern (egal, ob in der Stadt oder im Landkreis), schreiben Sie uns gerne an: redaktion.@coburger-tageblatt.de
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