Ob Weinbergschnecken auch gerne mal ins Theater gehen würden, ist nicht bekannt. Fest steht aber: In einer Hecke unweit des Globes in Coburg fühlen sich die Tierchen sehr wohl. Denn dort gibt es zurzeit sehr viele von ihrer Art. Zunächst einmal ist das eine schöne Sache: Weinbergschnecken sind zwar noch nicht akut vom Aussterben bedroht, aber sie gelten als gefährdet und stehen deshalb unter besonderem Naturschutz.
Dass sich Weinbergschnecken in Coburg jetzt ausgerechnet unweit der Interimsspielstätte des Landestheaters gemütlich gemacht haben, bringt aber auch ein Problem mit sich: Direkt neben der besagten Hecke verläuft ein neu gebauter Geh- und Radweg.
„Bitte ausweichen und langsam fahren!“
Die Untere Naturschutzbehörde hat deshalb reagiert. Es wurden Schilder aufgestellt, die auf den ersten Blick für ein Schmunzeln sorgen können. „Achtung, Weinbergschnecke kreuzt!“ ist darauf zu lesen. Außerdem der Hinweis: „Bitte ausweichen und langsam fahren“.
Weinbergschnecken in Coburg
Björn Langbein von der Unteren Naturschutzbehörde bezeichnet es auf Anfrage als „sehr erfreulich“, dass sich die Ufer der Itz für die Weinbergschnecke eignen. Er erklärt: „Grundsätzlich können Weinbergschnecken verschiedene Lebensräume besiedeln, doch eignen sich Gebüsche, die auch eine gewisse Feuchtigkeit halten können, besonders. Auch besonnte Bereiche müssen in ihrem idealen Habitat vorhanden sein. “
Der Lebensraum für Weinbergschnecken müsse laut Langbein ein spezielles Mikroklima mit ausreichender Feuchtigkeit beinhalten, denn die Schleimproduktion sei vor allem von der zur Verfügung stehenden Feuchtigkeit abhängig. Zudem habe die Weinbergschnecke einen besonderen Anspruch an die Bodenverhältnisse, da sie ein hohes Bedürfnis nach Kalk besitze.
Ebenso müsse der Boden für die Eiablage geeignet sein, da die Weinbergschnecke ihre Eier in den Boden eingräbt. Fazit Björn Langbein: „Das alles scheint der Standort am Globe bieten zu können.“
Weinbergschnecken töten ist eine Ordnungswidrigkeit
Der Experte von der Unteren Naturschutzbehörde weist darauf hin, dass Weinbergschnecken nach dem Bundesnaturschutzgesetz dem Tötungsverbot unterliegen. Dies sei auch der Grund gewesen, auf den Hinweis einer aufmerksamen Bürgerin zu reagieren. Dieser Bürgerin sei aufgefallen, dass auf dem neuen Geh- und Radweg beim Globe nicht nur vermehrt Weinbergschnecken vorkommen, sondern auch schon einzelne Tiere überfahren worden seien.
Björn Langbein gibt zu bedenken: „Selbst die versehentliche Tötung stellt streng genommen bereits eine Ordnungswidrigkeit dar.“ Wie bei allen besonders geschützten Tierarten stünden auch bei Weinbergschnecken die Fortpflanzungs- und Ruhestätten unter Schutz und dürften nicht entfernt, beschädigt oder zerstört werden.
Vermutet wird, dass die Weinbergschnecken Anfang und Mitte Mai aufgrund von Paarungsaktivitäten immer besonders aktiv sind. Je nach Witterungsverhältnissen ist aber beinahe das gesamte Jahr über mit dem Aufkommen von Weinbergschnecken zu rechnen.
Vorsicht beim Retten von Weinbergschnecken!
Mit Blick auf den Geh- und Radweg am Globne merkt Björn Langbein noch an: „Ich möchte die Nutzerinnen und Nutzer des Weges darum bitten, auf die Weinbergschnecken zu achten.“ Es stehe jeder und jedem frei, eine Weinbergschnecke „zu retten“, indem sie vorsichtig hochgehoben und wieder zurück in die Hecke gesetzt wird.
Beim Hochheben ist allerdings Vorsicht geboten, wie im Schnecken-Forum nachzulesen ist. Um die Tiere nicht zu verletzen, sollten sie niemals sofort am Gehäuse angepackt werden. Der Muskel, der das Haus am Körper hält, könnte dabei beschädigt werden. Besser ist es, die Schnecke kurz leicht anzutippen, damit sie sich in ihr Haus zurückzieht. Anschließend sollte man einen feuchten Finger oder Daumen vorsichtig unter den kriechenden Fuß des Tieres schieben, um die Schleimhaftung am Untergrund langsam zu lösen. Sobald dies erfolgt ist, kann die Schnecke auf der Hand oder den Fingern transportiert und in Sicherheit gebracht werden.














