„Würzburg ist kein Sanierungsfall – sondern ein Standort mit Zukunft“. Das sagt Norbert Zirnsak, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Würzburg. Die Arbeitnehmerseite widerspricht am Donnerstag der Brose-Geschäftsführung. Die hatte Würzburg als nicht rentabel bezeichnet, eine Schließung des Standortes droht.
„Zweistelliges Millionenergebnis“
Die Fertigung in Würzburg erziele einen kleinen, einstelligen Plusbetrag. Insgesamt sei der Standort aber nicht rentabel. Das hatte der Vorstand der Borse-Geschäftsführung, Stefan Krug, am Montag gesagt. Am Donnerstag die Erwiderung der Arbeitnehmerseite: „Das Brose Werk Würzburg wirft nach wie vor ein signifikantes
zweistelliges Millionenergebnis ab. Trotz eines hohen Lieferanteils an Brose Schwesterwerke mit einem festgelegten Basisgewinn, haben wir in Würzburg in den letzten Jahren eine zweistellige Umsatzrendite erzielt“, sagte der Würzburger Betriebsratsvorsitzende, Yves Weinberger.
IG Metall: Tarifbindung ist der Grund
Die IG Metall wiederholte am Donnerstag ihre Vermutung, dass der Hintergrund für die möglichen Schließungspläne für Würzburg sei, dass der Standort als der einzige in Bayern eine Tarifbindung habe. „Soll hier ein Zeichen gesetzt werden – gegen die Tarifbindung, gegen Mitbestimmung? Wenn ja, dann werden wir uns dem mit aller Kraft entgegenstellen“, sagte Norbert Zirnsak.
Zudem teilte der Betriebsrat erneut mit, dass die Belegschaft in Würzburg bereits vorher zu Einschnitten bereit gewesen sei: „In der Vergangenheit akzeptierten die Beschäftigten mehrfach Abweichungen vom Flächentarifvertrag, verzichteten auf Teile von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Im Gegenzug wurde eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2026 vereinbart.“
Brose: „Akut verschlechtert“
„Dem Unternehmen ist bewusst, dass die Belegschaft am Standort Würzburg in der Vergangenheit bereits Zugeständnisse gemacht hat. Aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich seither akut verschlechtert“, teilte Brose am Donnerstag mit. Der Wirtschaftsstandort Deutschland sei mit seinen Personalkosten im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig. „Deshalb muss der Automobilzulieferer im Rahmen einer internationalen Infrastrukturuntersuchung auch die bereits kommunizierte Konzentration seiner heute drei fränkischen Standorte auf zukünftig zwei prüfen.“
Bei dieser Untersuchung stünde neben den wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Sozialverträglichkeit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Würzburg im Mittelpunkt. „Alle bestehenden Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern fließen in die Bewertungen mit ein. Eben weil das Unternehmen seine Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr ernst nimmt, erfolgt diese Konsolidierungsprüfung mit großer Sorgfalt.“
Protest in Bamberg
Die Arbeitnehmervertreter kündigten an, weiter gegen eine drohende Schließung in Würzburg zu protestieren. Bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsrates wolle demnach eine Delegation nach Bamberg reisen – „im Gepäck viele tausend Unterschriften von Beschäftigten, Bürgerinnen und Bürgern, politischen Unterstützern.“ Auch bei den Aktionen am 1. Mai in Würzburg seien Kundgebungen von Broseanern geplant. Zudem kündigte die IG Metall die Gründung einer Tarifkommission an.














