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Nachruf
Coburg trauert um eine Wirtin mit Herz und Leidenschaft
Der Biergarten vom „Schmittner’s“ lag Jozefa Kassecker immer besonders am Herzen.
Der Biergarten vom „Schmittner’s“ lag Jozefa Kassecker immer besonders am Herzen. // Oliver Schmidt
Coburg – Jozefa Kassecker ist gestorben. Die Arbeit im „Schmittner’s“ hielt sie jung. Deshalb war der Mittwoch auch immer ein ganz besonders schlimmer Tag für sie.

Viele Menschen standen in den vergangenen Tagen vor der Gaststätte „Schmittner’s“ am Schillerplatz und wunderten sich: „Warum hat denn die Jozefa zu? Gerade jetzt, wo es so schön in ihrem Biergarten wäre?“ Die traurige Antwort, die inzwischen in Coburg die Runde gemacht hat: Sie bewirtschaftet jetzt einen Biergarten im Himmel; bereits am Freitag vergangener Woche ist die leidenschaftliche Wirtin im Alter von 73 Jahren gestorben.

Lebenstraum in Coburg erfüllt

Jozefa, deren Nachnamen Kassecker kaum einer kannte, geschweige denn benutzte, war ein echtes Original. 1949 in Slowenien geboren, lebte sie seit 1969 in Deutschland. Die Chance, sich den Lebenstraum vom eigenen Lokal erfüllen zu können, brachte sie 1982 nach Coburg. Das bedeutet: Heuer hätte eigentlich noch das „40-Jährige“ gefeiert werden sollen; geplant war das für September. Dass es dazu nun nicht mehr kommen kann, wird viele Gäste sehr traurig machen. Andererseits war es ein Glücksfall, dass „die Jozefa“ überhaupt so lange die Kraft und den unbändigen Willen hatte, die Gaststätte zu führen. Denn eigentlich hätte sie längst in Rente gehen können. „Aber was soll ich denn dann machen?“, hatte sie erst im Mai diesen Jahres in einem Gespräch mit dem Tageblatt gefragt, „spazieren gehen?“ Nein. Ihr Leben war die Gastronomie, der Trubel hielt sie jung.

Mittwoch Ruhetag, Donnerstag Schaschlik

Als schlimmsten Tag der Woche empfand sie den Mittwoch – denn da war Ruhetag beim „Schmittner’s“. Doch weil Jozefa nie wirklich still halten konnte, hat sie dann diesen vermeintlichen Ruhetag dazu genutzt, um fleißig zu schnippeln. Donnerstags gab’s dann Schaschlik beim „Schmittner’s“.

Im besagten Gespräch, dass sie mit dem Coburger Tageblatt vor wenigen Monaten führte, ging es vor allem um zwei Themen. Da war zum einen der Rückblick auf zwei schwierige Corona-Jahre. Im Mai 2022, als sich die Lage endlich wieder etwas beruhigte, war Jozefa fest entschlossen, noch einmal durchzustarten. Zum anderen ging es auch um den schönen Biergarten, der seit Mitte der 1990er Jahre zum „Schmittner’s“ gehört.

Grüne Oase geschaffen

Dank Jozefas liebevoller Pflege war hier im Laufe der Jahre eine grüne Oase entstanden. Obwohl nur wenige Meter entfernt oft mächtig viel Verkehr zwischen Anger und Frankenbrücke rollte, ließ es sich in dieser Oase sehr gut aushalten. Klar, das lag außer an den Blumen bestimmt auch am Bier und den Speisen – aber eben auch an Jozefa.

Die Trauerfeier hat bereits im Familienkreis stattgefunden.

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