Der Maschinenbauer Waldrich Coburg hat einen Kooperationsvertrag mit der Firma Maschinenbau Leicht (kurz: MBL) aus Hallstadt bei Bamberg abgeschlossen. Die Rede ist von einer „strategischen Partnerschaft“. So soll MBL künftig die Fertigung von Klein- und Mittelteilen übernehmen, die anschließend von Waldrich in Großmaschinen verbaut werden. Bislang hatte Waldrich diese Teile selbst gefertigt. Doch im Februar war der Belegschaft mitgeteilt worden, dass diese Klein- und Mittelteilfertigung nicht mehr rentabel sei. Deshalb solle sie zum 30. Juni 2025 geschlossen werden.
Mit dieser Teilbetriebsschließung dürfte auch ein massiver Stellenabbau verbunden sein. Im Februar war die Rede von bis zu 70 Arbeitsplätzen. Insgesamt hat Waldrich rund 440 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das traditionsreiche Unternehmen würde also um fast 20 Prozent schrumpfen.
Gespräche mit Betriebsrat und Gewerkschaft
Wann und in welchem Ausmaß es nun in absehbarer Zeit zum Stellenabbau kommt, ist unklar. Auf Anfrage des Coburger Tageblatts heißt es von der Unternehmenskommunikation, dass die Geschäftsführung „weiterhin in Gesprächen“ sei, sowohl mit dem Betriebsrat als auch der Gewerkschaft.
Vorwurf: Managementfehler
Speziell die Gewerkschaft hatte im Februar schwere Vorwürfe erhoben und von „Managementfehlern“ gesprochen. Statt sich von Mitarbeitenden zu trennen, müsste die gegenwärtige Geschäftsführung ausgetauscht werden. Außerdem erinnerte die Gewerkschaft an einen Ergänzungstarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen grundsätzlich ausschließen würde.
Die nun wohl unmittelbar bevorstehende Teilbetriebsschließung ist Teil eines „Zukunftsplans“, den sich Waldrich Coburg gegeben hat. Mit ihm soll die gegenwärtige Krise überwunden werden.
Folgen des russischen Angriffskriegs
Warum Waldrich überhaupt in eine derart schwierige Situation geraten ist, hatte Geschäftsführer Uwe Herold im Februar zu erklären versucht. So sei die Auftragslage zwar weiterhin gut. Doch ausgerechnet die beiden größten Einzelaufträge, die es je in der langen Waldrich-Geschichte gegeben hätte, seien im Jahr 2022 geplatzt – in Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Denn die eine Maschine sollte nach Russland gehen, die andere in den Osten der Ukraine. Jede dieser Maschinen hatte laut Herold einen Stückpreis von etwas mehr als elf Millionen Euro. Der Jahresumsatz von Waldrich habe zuletzt bei 85 Millionen Euro gelegen.
Der Kooperationsvertrag mit Maschinenbau Leicht umfasst nach Angaben von Waldrich Coburg ein Gesamtvolumen von etwa zwei Millionen Euro pro Jahr.
In einer Stellungnahme zeigt sich Uwe Herold sehr zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit mit MBL gut funktionieren und auch mit keinerlei Qualitätseinbußen verbunden sein werde. Schließlich gehöre MBL „seit Jahrzehnten“ zu den größten europäischen Kunden von Waldrich und habe bereits sieben Großwerkzeugmaschinen am Firmensitz in Hallstadt installiert.
Weiter erklärt Uwe Herold: „Ich bin überzeugt, dass wir durch eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit MBL unsere strategische Transformation vom Produktions- zum Technologieunternehmen maßgeblich unterstützen können und dabei eine Win-win-Situation für beide Unternehmen und den nordbayrischen Wirtschaftsstandort erreichen werden.“
Protest gegen geplanten Stellenabbau bei Waldrich in Coburg
Jochen Schmid, Geschäftsführer von MBL, bezeichnet die neue, noch engere Partnerschaft mit Waldrich als „äußerst positiv und bereichernd“. Und er versichert, dass sein Unternehmen den „hohen qualitativen Anforderungen“ von Waldrich Coburg „ohne Einschränkungen“ gerecht werde.
















