Wie gut ist eigentlich die Küche in Kanada? Michael Mayr, der 20 Jahre lang dort gelebt hat, verzieht das Gesicht: „Es gibt Burger, Burger und Burger – und wenn man in einem Steakhouse essen geht, hat das Fleisch zwar eine sehr gute Qualität, aber es ist leider auch sehr teuer.“ Deutlich besser gefällt (und schmeckt!) es Michael Mayr deshalb im Sportheim des TSV Unterlauter. Wobei: Wichtiger als die Speisen sind ihm die Menschen, die hier mit am Tisch sitzen. Zumal sie ebenfalls viel zu erzählen haben aus ihrem Leben, aber auch davon, wie es ihnen in der neuen, gemeinsamen Wahl-Heimat Coburg gefällt.
Banff-Nationalpark in Kanada
Michael Mayr und seine Frau Ingrid kommen ursprünglich aus Augsburg. Eines Tages entschieden sie: „Wir wandern aus!“ Sie wohnten am Rande des Banff-Nationalparks in Kanada. Natur pur, Wälder satt, rundum glücklich. Doch je länger die Mayrs ihren Traum lebten, desto mehr trieb sie auch eine Sorge um: Wie sieht es hier mit der medizinischen Versorgung aus? Was ist, wenn wir im Alter häufiger einen Arzt benötigen?
Zurück nach Deutschland
Kurzum: Die Mayrs kehrten zurück nach Deutschland. Ihre Heimatstadt Augsburg empfanden sie – ebenso wie die kanadischen Steaks - als zu teuer. So fiel die Wahl auf Coburg, denn die Vestestadt hatten sie noch in guter Erinnerung, weil sie dort schon mal einen Urlaub verbracht hatten. In Coburg genießen sie jetzt die „wunderschöne Altstadt“ und vor allem die „kurzen Wege“. Spazieren gehen sie gerne im Callenberger Forst und im Thüringer Wald. Das erinnert zumindest so ein bisschen an ihr früheres Leben im baumreichen Kanada.
Neubürger-Stammtisch seit 2024
Als Ingrid und Michael Mayr hörten, dass es in Coburg einen „Neubürger-Treff“ gibt, besuchten sie ihn. Die Veranstaltung gibt es seit 2022 und wird vom Coburger Regionalmanagement organisiert. Die Mayrs knüpften Kontakte zu vielen weiteren Neubürgern, und einige sahen sich bei nächsten Treffen wieder. Dazu muss man wissen: Bei diesen Treffs steht immer eine bestimmte Führung oder Besichtigung auf dem Programm. „Und wie wäre es, wenn wir uns einfach mal so treffen, gemeinsam etwas essen und trinken und dabei quatschen?“ So wurde 2024 der Neubürger-Stammtisch ins Leben gerufen.
Ruhestand in Franken
Wie die Mayrs gehören auch Jörg und Beate Trocha zur Urbesetzung dieser besonderen Zusammenkunft. Die Trochas stammen aus Bernau bei Berlin. „Wir hatten schon immer geplant, unseren Ruhestand woanders zu verbringen.“ Sie liebäugelten zunächst mit Niedersachsen. Als ihr Sohn 2021 aus beruflichen Gründen nach Nürnberg zog, stand fest: „Wir suchen uns ein schönes Haus in Franken!“
Schwierige Suche nach einem Hausarzt
Fündig wurden sie in Coburg. „Die Stadt hat uns sofort angesprochen“, sagt Beate Trocha, die besonders die Wochenmärkte liebt. „Wichtig war uns eine gute Infrastruktur“, erklärt Jörg Trocha: Einkaufsmöglichkeiten, kulturelles Angebot, ärztliche Versorgung. „Wir fühlen uns in Coburg sehr wohl“, betont Jörg Trocha. Er sagt aber auch, dass die Suche nach einem Hausarzt sehr schwierig war. „Erst im vierten Anlauf haben wir einen gefunden!“ Zuvor waren die Trochas immer abgewiesen worden, und zwar von Ärzten, die im Landkreis angesiedelt sind und deshalb keine Patienten aus der Stadt aufnehmen wollten. „Das hat uns sehr gewundert“, gibt Jörg Trocha offen zu. In und um Berlin sei so etwas undenkbar.
Birgit und Manfred Glombik kommen aus Hildesheim in Niedersachsen. Seit ihr Sohn vor geraumer Zeit nach Coburg gezogen ist, waren sie regelmäßig zu Besuch in der Vestestadt. Mittlerweile haben die Glombiks auch drei Enkelkinder in Coburg. Das gab den Ausschlag, gleich komplett umzuziehen. „Bei drei kleinen Kindern ist es doch Gold wert, die Großeltern in der Nähe zu haben!“ Zumal auch die Schwiegertochter berufstätig ist.
Engagiert bei der Caritas in Hildesheim
Beruflich war Birgit Glombik 42 Jahre bei der Caritas in Hildesheim. Als sie aufhörte, sollte sie noch mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden. Doch als es um die offizielle Übergabe ging, sorgte erst Corona für Verzögerungen, und dann wohnten die Glombiks plötzlich bereits in Coburg. „Es hat uns sehr gefreut, dass daraufhin der Coburger Oberbürgermeister meiner Frau das Bundesverdienstkreuz überreicht hat“, sagt Manfred Glombik.
Auf die Frage, was ihnen in Coburg besonders gut gefällt, nennt Birgit Glombik das kulturelle Angebot. Manfred Glombik geht gerne im Aquaria schwimmen – „im Sommer bin ich täglich im Freibad!“ Gibt es auch etwas, das ihnen nicht gefällt? „Ich vermisse das Radfahren“, sagt Manfred Glombik. Denn anders als in Hildesheim sei die Landschaft rund um Coburg doch sehr hügelig. „Und ich habe noch kein E-Bike!“
Zwischen Großstadtlust und dem heimischen Sofa
Hügelig war es rund um Coburg schon immer. Doch vieles andere hat sich verändert, wie Steffi Lieb zu berichten weiß. Sie hatte Coburg 1981 nach dem Abitur verlassen. Wohnte in Erlangen und Würzburg, ehe es jetzt wieder zurück ging. „Ich bin Coburg-Fan“, sagt sie. „Für die Größe der Stadt ist hier sehr viel geboten!“ Allerdings findet sie, dass es früher attraktivere Geschäfte in der Innenstadt gegeben habe. Gleichzeitig weiß sie die heutigen Verkehrsanbindungen sehr zu schätzen: „In 32 Minuten bin ich mit dem Zug in Erfurt und kann Großstadtluft schnuppern – und abends sitze ich wieder zu Hause auf meinem Sofa!“
Begegnung mit Hans-Dietrich Genscher
Angelika Brückner hält es auf dem heimischen Sofa nicht lange aus. Sie, die aus Weimar stammt, ist eine Weltenbummlerin. Diesmal erzählt sie am Stammtisch von ihrem jüngsten Trip nach Namibia. Das größte Abenteuer ihres Lebens hat sie aber wohl in Prag erlebt. Am 30. September 1989. „Mein Mann und ich waren im Garten der deutschen Botschaft, als Genscher vom Balkon aus zu den Geflüchteten aus der DDR sprach.“ Der damalige Außenminister verkündete, dass alle in den Westen ausreisen dürfen. Aber: Die Brückners wollten das (zunächst) gar nicht. „Wir hatten ja noch unsere Kinder in Weimar.“ Deshalb seien sie froh gewesen, sogenannte Vogel-Papiere ausgestellt zu bekommen, benannt nach dem wichtigsten Unterhändler der DDR. Diese Papiere gaben den Brückners sechs Wochen Zeit. Kurz nachdem Egon Krenz neuer Staatsratsvorsitzender wurde und die Brückners nun gar keine Hoffnung mehr auf eine Wende in der DDR hatten, reisten sie aus. Aufgrund eines beruflichen Kontakts ihres Mannes landeten sie in Lichtenfels.
Urlaub in Kenia
Vor acht Jahren starb der Mann von Angelika Brückner. Irgendwann später hatte sie die Idee, nach Coburg zu ziehen. Als der Umzug im März 2020 geschafft war, gönnte sie sich einen vierwöchigen Urlaub in Kenia. „Als ich zurückkam, wollte ich eigentlich in Ruhe die Stadt kennenlernen.“ Ja, sie konnte Coburg wirklich sehr „in Ruhe“ kennenlernen: „Ich kam zurück, als der erste Lockdown begann! Die Straßen waren menschenleer, und ich habe sie alle mit meinem Fahrrad erkundet.“
Auch Renate, die ihren Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, hat schon viel gesehen und viel erlebt. Sie stammt aus Bad Pyrmont in Niedersachsen, ist Fotografin und wohnte früher schon mal in Coburg. „Aber dann hat mich die Abenteuerlust gepackt und die Liebe erwischt“, sagt sie und lächelt. 20 Jahre habe sie in Athen gelebt. Und dann? „Nachdem die Liebe erloschen ist, bin ich nach Coburg gezogen.“ Sie schätze nicht zuletzt die Mentalität der Menschen: „Die Coburger sind zehnmal herzlicher als die Niedersachsen!“ Anwesende am Tisch natürlich ausgenommen.
Apropos herzlich: Heidi Papp ist beim Stammtisch besonders gut gelaunt. Sie ist als Geschäftsführerin der Coburg Stadt und Land Aktiv GmbH sozusagen die Chefin des Regionalmanagements und damit auch für die Neubürger-Treffs verantwortlich. Sie sagt, während sie den Blick über die Mayrs, Trochas und Glombiks schweifen lässt: „Ich freue mich, dass aus dem Neubürger-Treff so viele Freundschaften entstanden sind!“
Hintergrund: Neubürger-Treff und Neubürger-Stammtisch
Neubürger-Treff Der vom Coburger Regionalmanagement organisierte Neubürger-Treff findet einmal im Monat statt. Ein Blick auf die nächsten Termine:
- Mittwoch, 2. April, 19 Uhr: Bad Rodach, der Imkerverein stellt sich vor
- Freitag, 23. Mai, 15 Uhr: Grub am Forst; der Förderverein Heimatpflege lädt ins Reichenbach-Haus ein
- Montag, 9. Juni, 11 Uhr: Ahorn; Besuch der Alten Schäferei
- Samstag, 26. Juli, 15 Uhr: Lautertal; Besuch im Internationalen Begegnungsgarten
Die Teilnahme ist immer kostenfrei. Eine Anmeldung unter mail@region-coburg.de oder Telefon 09561/514-9144 ist erforderlich.
Weitere Informationen auch unter regionalmanagement-coburg.de/neubuerger/
Neubürger-Stammtisch Der Neubürger-Stammtisch trifft sich immer am dritten Dienstag im Monat ab 18 Uhr in der „Graf Dracula Einkehr“ (Sportheim TSV Unterlauter). Kontakt: Jörg Trocha, trocha.velten@gmx.de oder Telefon 0172/3909052













