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Nach Design-Studium
Van-Ausbau: Freiheit in knallgelb
Natalie Krautkrämer unterwegs mit ihrem Ford Transit.
Natalie Krautkrämer unterwegs mit ihrem Ford Transit. // Natalie Krautkrämer
Coburg/Düsseldorf – Noch vor dem Boom des Van-Lebens in den Sozialen Medien hat Natalie Krautkrämer ihren Kastenwagen ausgebaut und so ein Stück Freiheit erlangt. Geholfen hat ihr dabei das Studium in Coburg.

Magnete hat Natalie Krautkrämer immer mit dabei. So kann sie in ihrem Van die Wände einfach zum Halter für ein Handtuch umfunktionieren. Platz ist begrenzt in ihrem kleinen Kastenwagen, deshalb mussten beim Ausbau Prioritäten gesetzt und Kompromisse geschlossen werden. Dabei geholfen hat ihr das Innenarchitektur-Studium an der Hochschule Coburg. Heute lebt sie in Düsseldorf und der Van bedeutet immer noch Jahren noch ein Stück Freiheit für sie.

Auch innen findet sich Gelb wieder.
Auch innen findet sich Gelb wieder. // Natalie Krautkrämer

„Ich wollte schon länger einen Camper haben, am liebsten einen alten VW-Bus“, sagt die Fotografin. Früher ist sie mit ihren Eltern im Wohnmobil unterwegs gewesen, doch das sei ihr zu groß und zu sperrig gewesen. Für eine Reise nach Island mieteten sie und ihr damaliger Freund einen Camper in Caddy-Größe – und verliebten sich. Und so begann 2017 die Suche nach dem passenden Auto.

Kleiner gelber Kastenwagen

„Wir haben uns über verschiedene Modelle und deren mögliche Probleme und Schwachstellen informiert. Dabei haben wir festgestellt, dass wir am besten gar keins kaufen“, sagt sie und lacht, „jedes Auto hat etwas.“ Bei einer Voraussetzung waren sie sich sicher: Es sollte ein kleines, niedriges Auto werden, weil viele Parkplätze eine Höhenbeschränkung haben. Bei einem Händler werden sie dann fündig.

Es war ein bisschen Liebe auf den ersten Blick bei dem knallgelben Ford Transit, dessen Farbe inzwischen ein wenig zu ihrem Markenzeichen wurde und sich auch innen inzwischen widerspiegelt. „Ich habe die Farbe auch in der Innenraumgestaltung aufgegriffen, damit es sich schön ergänzt. Außerdem wollte ich es so sehr hell halten, weil der Wagen keine Fenster hat.“ Eine Entscheidung, die das damalige Paar in der ersten Bauphase erst einmal aufgeschoben hat.

2018 hat sie den Ausbau begonnen.
2018 hat sie den Ausbau begonnen. // Natalie Krautkrämer

Bei der Dämmung, die sich Krautkrämer dank ihres Studiums vom Schiffsbau abschauen konnte, haben sie beim ersten Ausbau die Türen und die Decke vorerst freigelassen. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob sie Fenster installieren wollen, aus Kosten- und Zulassungsgründen: „Als wir den Wagen gekauft haben, war er als Lkw zugelassen. Ein Lkw darf hinten jedoch kein Fenster haben. Und wenn wir es zum Wohnmobil ummelden lassen wollen, braucht es ein Fenster“, erklärt sie. Nachdem sie ein Jahr mit dem Wagen unterwegs waren, entschieden sie sich gegen ein Fenster und für die Zulassung als Lkw.

Beim Konzept für die Innengestaltung war ihr Studium sehr nützlich.
Beim Konzept für die Innengestaltung war ihr Studium sehr nützlich. // Natalie Krautkrämer

Wissen aus dem Studium in Coburg

Bei der Innenraumgestaltung hat sie sich ganz auf ihr Wissen aus dem Studium an der Coburger Hochschule (2007 bis 2013) verlassen können. Und das war ein Glück, denn zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Video-Anleitungen auf YouTube. „Ich hatte durch mein Studium viel Erfahrung, kleine Räume zu gestalten. Ich hab mich vorher gefragt: Was sind meine Prioritäten und wie kann ich das umsetzen? Das Studium in Coburg war sehr praxisorientiert, das hat sehr geholfen. So wusste ich über Lichtdesign Bescheid und vom Verkabeln hatte ich auch schon Ahnung. Auch was die farbliche Gestaltung anbelangt, hatte ich Ahnung.“

Auf der Straße gearbeitet

Im Februar 2018 legten sie Hand an. Immer nach der Arbeit oder am Wochenende haben sie daran gearbeitet. „Wir haben es im Prinzip auf der Straße gemacht, weil wir keine Werkstatt hatten. Lustigerweise haben wir so unsere Nachbarschaft näher kennengelernt. Wir hatten viel Besuch, der sich erkundigte, wie wir vorankamen.“

Ein Blick in die Innengestaltung.
Ein Blick in die Innengestaltung. // Natalie Krautkrämer

Viel der Zeit haben sie auch einfach damit verbracht, im Auto zu sitzen und nachzudenken, wie was umsetzbar ist. Aber einige Dinge waren klar: „Wir brauchen eine Kochmöglichkeit für drinnen, weil ich wusste, dass wir in kühle Länder fahren wollen.“ Auch wichtig war ihr eine Toilette im Van, die auch nachts zugänglich ist. Bis zum Sommer war die erste Ausbauphase abgeschlossen und die Reisen konnten beginnen.

So viel kostet ein Ausbau

Grob überschlagen hat der Ausbau etwa 2.500 Euro gekostet. Das Paar hat versucht, den Ausbau so günstig wie möglich zu halten. „Das Holz konnten wir glücklicherweise zu Großhandelspreisen kaufen und so war der finanziell größte Posten die Elektroinstallation.“ Aber über die letzten Jahre ist natürlich immer wieder Zeit und Geld in den Van geflossen.

On the Road
On the Road // Natalie Krautkrämer

Inzwischen ist Natalie Krautkrämer, die aktuell in Düsseldorf lebt, alleine mit ihrem Van unterwegs. Die Bühnen- und Kostümbildnerin und Fotografin genießt es, sich einfach ins Auto zu setzen und loszufahren. „Vor der Pandemie habe ich viel geplant, jetzt bin ich spontaner geworden. Ich fahre einfach dahin, wo das Wetter gut ist.“

Tipps für den Ausbau und Van-Life-Anfänger

Welche Tipps haben Sie für Anfänger?

„Ich würde raten, sich erst einmal einen Wagen zu mieten und auszuprobieren, ob die Art des Campens etwas für einen ist. Viele Privatpersonen vermieten ihren ausgebauten Van. Zum Duschen kann ich auch lokale Schwimmbäder empfehlen, so sieht man gleich noch was vom Ort.  In Frankreich gibt es öffentliche Plätze, wo man kostenlos stehen kann. Aber es ist zwar eine große Freiheit, die man hat, aber es ist auch eine große Verantwortung.  Am besten hinterlässt man Plätze sauberer, als man sie vorgefunden hat.“ 

Was sind Ihre Must-haves im Van?

„Für mich ist die Toilette sehr wichtig, vor allem, weil ich in Island die Erfahrung gemacht habe, wenn es keine gibt. Auch fließendes Wasser ist nicht zu unterschätzen. Magnete habe auch immer dabei. In einem Auto, wo die Wände aus Metall sind, kann man so mal Sachen, wie ein Handtuch, irgendwo hinhängen. Und Klapptische! Die sind unheimlich praktisch.“ 

Mehr Infos und Tipps gibt es auf ihrem Blog und auf Instagram:

HUK gibt Tipps für den Urlaub mit dem Wohnmobil

Urlaub mit dem Wohnmobil wird in Deutschland immer beliebter. Die HUK-Coburg hat einig Tipps für die Vorbereitung:

1. Wer ins Ausland fährt, sollte bei den Reisevorbereitungen auch an Ausweis, Führerschein und eine Auslandsreise-Krankenversicherung denken. Nicht minder wichtig ist, dass die grüne Versicherungskarte und ein Europäischer Unfallbericht im Handschuhfach liegen.

2. Unfall im Ausland: ein extrem unangenehmer Gedanke. Mit einer Ausland-Schadenschutzversicherung – oft ein Zusatzmodul der Kfz-Versicherung – lässt sich laut HUK-Coburg gut vorsorgen. Bereits im Vorfeld sollten die Notrufnummern ins Handy eingespeichert werden. Am besten gleich mit deutscher Vorwahl.

3. Einbruchdiebstähle sind auf dem Campingplatz, aber vor allem beim Übernachten auf Autobahnraststätten, gar nicht so selten. Das eigene Hab und Gut ist auch außer Haus geschützt, vorausgesetzt man hat eine Hausratversicherung. Schäden, die durch Brand oder Blitzschlag verursacht werden, sind hier auch abgedeckt. Voraussetzung ist, dass sich der Hausrat nur vorübergehend im Campingfahrzeug befindet.

4. Meist wird ein Wohnmobil nicht das ganze Jahr über genutzt, sondern maximal für ein paar Monate. Danach verschwindet es einfach in einer Garage. Erst bei steigenden Temperaturen im nächsten Frühling wird es wieder hervorgeholt. Wer sein Wohnmobil also nicht ganzjährig nutzt, kann es für mindestens zwei, maximal elf Monate bei der Zulassungsstelle anmelden. Das spart Steuer und Versicherungsprämie, die dann nur für die vereinbarten Monate anfallen.

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