Grau im Trend
Die Liebe zur Farbe: Coburgs "Shades of Grey"
Die Veste in Grau
Die Veste in Grau
Foto: Jochen Berger / Bildbearbeitung: Franziska Schäfer
Coburg – Das Wetter schlägt aufs Gemüt. Also haben wir den Spieß umgedreht: Menschen erzählen, warum Grau keine schlechte Farbe ist. Man denke nur an Loriot...

Inspiriert vom Erotik-Klassiker "Fifty Shades of Grey" soll es bei uns um "Coburgs Shades of Grey" gehen. Menschen aus vielen Lebenslagen erzählen, warum Grau gar keine so schlechte Farbe ist.

Szene aus "Fifty Shades of Grey"
Szene aus "Fifty Shades of Grey"
Foto: Universal Pictures/dpa

"Wie wär's mit einem frischen Steingrau?"

Wenn man sich mit dem Malermeister Jens Beland über die Farbe Grau unterhält, erinnert das ein bisschen an einen Klassiker von Loriot. Der spielte in seinem Film "Ödipussi" den Chef eines Stoff- und Möbelgeschäfts und machte einem leicht depressiven Rentnerehepaar folgenden Vorschlag: "Mausgrau, Aschgrau, Staubgrau - darf ich Ihnen frisches Steingrau vorschlagen?"

Der Malermeister und Coburger Kreishandwerksmeister Jens Beland
Der Malermeister und Coburger Kreishandwerksmeister Jens Beland
Foto:

Aber jetzt mal Spaß beiseite: "Grau ist nicht gleich Grau", sagt auch Jens Beland. Und, vor allem: "Grau liegt im Trend!" Denn es lasse sich sehr gut mit praktisch allem kombinieren, sowohl mit Möbeln als auch mit sämtlichen Bodenbelägen. Außerdem sei Grau als Wandfarbe nicht so empfindlich wie Weiß.

Loriot
Loriot
Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Grau zählt im Maler- und Putzbetrieb von Jens Beland in Großheirath mittlerweile zu den am meisten verwendeten Farben. Das war aber nicht immer so. "Vor einigen Jahren waren Gelb- sowie Cappuccino-Töne am beliebtesten", erinnert sich Jens Beland. Dann verstärkte sich der Cappuccino-Trend mit einer stärkeren Braun-Intension, doch inzwischen würden sich vor allem immer mehr junge Menschen für Grau entscheiden. "Für ein helles Grau", wie Jens Beland anfügt, um ansonsten noch - Loriot lässt grüßen! - zu verraten, dass er persönlich ein "warmes Grau" am liebsten mag.

Übrigens: In Coburg ist ja seither auch vom "Brose-Grau" die Rede, weil diese Farbe nun einmal sehr dominant ist bei dem Unternehmen, sowohl innen als auch außen. Dabei handelt es sich um ein ganz bestimmtes Grau, das Eisenglimmer enthält. Fachbezeichnung; "DB 703". Die Abkürzung "DB" kommt tatsächlich daher, weil diese Farbe ursprünglich bei der Deutschen Bahn verwendet wurde.

Grau? Granny Look!

Die Fernsehmoderatorin Birgit Schrowange war vor vielen Jahren eine echte Vorreiterin: Sie entschied sich, ihr Haar nicht mehr zu färben, sondern einfach natürlich grau zu lassen.

Birgit Schrowange
Birgit Schrowange
Foto: Henning Kaiser/dpa

Inzwischen ist daraus längst ein Trend geworden. "Der sogenannte Granny Look ist sehr beliebt", bestätigt die Coburger Friseurmeisterin Julia Göring. Vor allem viele junge Frauen würden sich immer häufiger ganz bewusst für graue Haare entscheiden. Wobei unter dem "Granny Look" mehr zu verstehen ist als einfach nur graue Haare: Da können beispielsweise noch diverse Grautöne - von Stahlgrau bis Silber - dazu gemischt werden, manchmal kommen auch noch Lila- oder Blautöne dazu.

Julia Göring-Krebs von Intercoiffure Julia Göring in Coburg
Julia Göring-Krebs von Intercoiffure Julia Göring in Coburg
Foto: privat

Vor zu viel Experimentierfreude sei aber ausdrücklich gewarnt. "Der Granny Look steht nicht jedem", erklärt Julia Göring. So komme es immer auch auf den jeweiligen Hauttypen an. Speziell in Kombination mit einem kühlen Farbtyp könnten graue Haare sehr gut aussehen - bei einem eher warmen Farbtyp müsse man hingegen aufpassen, dass graue Haare nicht trist wirken.

Sprich: Vor dem Färben sollte immer eine Beratung stehen. Das gilt aber auch für den umgekehrten Fall, wenn Frauen - wie Birgit Schrowange - plötzlich nicht mehr färben. Denn der Weg zurück zum Naturgrau sei "ein Prozess", wie Julia Göring sagt. Damit meint sie aber nicht nur die eigentliche Pflege der Haare, die wichtig ist. "Manchmal müssen Frauen, die sich für Naturgrau entscheiden, auch erst lernen, das für sich anzunehmen."

"Grau ist ein Alleskönner!"

Wenn schon der Himmel derzeit ständig grau ist, sollte doch nicht auch noch die Kleidung grau sein - oder? Nun, das kommt ganz darauf an. Denn: "Modisch gesehen ist Grau ein echter Alleskönner", wie Sarah Stark von "Stark Mode" auf der Mauer in Coburg erklärt. Egal, ob es sich um ein Kleid, eine Hose oder einen Mantel handelt: "Grau wirkt von Kopf bis Fuß besonders edel."

Sarah Stark von "Stark Mode" in Coburg
Sarah Stark von "Stark Mode" in Coburg
Foto: privat

Ein weiterer Vorteil dieser oftmals unterschätzten Farbe sei es, dass sie sich sehr gut kombinieren lasse. Allen voran natürlich mit Weiß. Doch Sarah Stark freut sich auch schon auf die kommenden, "knalligen" Frühlingsfarben Aquablau und Apfelgrün, mit denen sich ein graues Grund-Outfit ganz leicht "frühlingstauglich" machen lasse. Möglich ist das aber freilich auch schon jetzt, zur Stimmungsaufhellung im tristen Winter.

"Es sieht einfach schick aus!"

War früher wirklich alles besser? Nun, zumindest war früher vieles bunter. Wer zum Beispiel Fotos von Parkplätzen vergleicht, wird feststellen, dass es in den 80er und 90er Jahren zig Autos gab, die blau, grün, rot oder sogar mal gelb waren. Und heute? "Vor allem bei größeren Modellen dominieren Schwarz und alle Grautöne", weiß Tayfun Ciray, der Verkaufsleiter bei " Gelder & Sorg " in Coburg ist und dort für die Volkswagen-Sparte zuständig ist.

Tayfun Ciray kann die Vorliebe für Schwarz und Grau sehr gut nachvollziehen: "Die Farben sind pflegeleicht, und außerdem sehen schwarze und graue Autos schick aus!" Außerdem würden schöne Felgen oder sonstiges Dekor besonders gut zur Geltung kommen, wenn sie mit einem schwarzen oder grauen Lack kombiniert werden.

Ein VW Tiguan
Ein VW Tiguan
Foto: Volkswagen

Tayfun Ciray muss allerdings zugeben, dass er sich durchaus freut, wenn er es zur Abwechslung auch mal mit einem farbigen Auto zu tun bekommt. Und da kann er sogar von einem neuen Trend berichten: "Bei Kleinwagen wie Polo oder Up gibt es langsam wieder etwas mehr Mut zur Farbe !"

"Alles andere als Grau!"

Wenn Nancy Grau am Telefon ihren Namen erklären muss und in diesem Moment zufällig mal wieder keine Sonne scheint, dann sagt sie gerne: "Grau - wie das Wetter!" Und je nach Gesprächspartner fügt sie auch noch manchmal an: "Aber eigentlich bin ich ganz freundlich!" Wohl wahr.

Wetter-Experte Christian König
Wetter-Experte Christian König
Foto:

Wer sich bei den Arbeitskollegen von Nancy Grau in der Therme Natur in Bad Rodach umhört, der bekommt nämlich bestätigt: "Frau Grau ist das komplette Gegenteil von Grau!" Die Marketing & PR-Expertin wird stattdessen als "quirlig und sehr positiv" beschrieben und keineswegs als langweilig oder trist, wofür die Farbe Grau vielleicht gemeinhin stehen mag.

Nancy Grau muss laut lachen, als sie diese lobende Beschreibung über sich hört, und fasst zusammen: "Genau - ich bin eigentlich alles andere als Grau!"

Experten-Tipp: Das richtige Verhalten bei "Null-Wetter"

Christian König hat seine eigene Wortschöpfung, wenn es mal wieder grau und trist ist: "Null-Wetter!" Der Wetter-Experte, der auch regelmäßig beim Coburger Sender Radio Eins zu hören ist, erklärt das so: "Null Stunden Sonne, null Grad, null Sicht, null Wind - und: null Bock!"

Professor Niko Kohls, Hochschule Coburg
Professor Niko Kohls, Hochschule Coburg
Foto:

Doch er hat natürlich auch eine fachliche Erklärung parat: Null-Wetter gebe es immer dann, wenn sich eigentlich ein Hochdruckgebiet ausbreiten will, doch alle positiven Effekte, die damit verbunden sein könnten, von feuchter Nordsee-Luft zunichtegemacht werden - und zwar in Kombination mit einer Sonne, die im Januar noch sehr tief steht.

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Im März, wenn die Sonne schon wieder höher steht, könnte die Nordsee-Luft kein so großer Spielverderber sein. Ob massives Null-Wetter auch eine Folge des Klimawandels ist? König: "Jein!" Denn: "Wir befinden uns noch innerhalb des Spektrums, wie Winterwetter eben sein kann. Allerdings befinden wir uns in diesem Spektrum am Rande."

Übrigens: Auch an trüben Tagen ist es wichtig, mal raus zu gehen. Denn die menschliche Haut kann auch bei bedecktem Himmel das wichtige Vitamin D bilden. Außerdem ist Bewegung grundsätzlich "das mächtigste Antidepressivum, dass wir haben" - das ist eine Wortschöpfung von Prof. Niko Kohls, der an der Hochschule Coburg unter anderem Experte für Gesundheitspsychologie ist. Er sagt: "So schwer es bei dem Wetter auch fällt: Bei Stress oder schlechter Laune gibt es nichts Besseres als Bewegung an der frischen Luft."

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