Während Ross Antony und Anita Hofmann den Feststadel zum Kochen bringen, hat Manuela Warum längst ihren eigenen Takt gefunden: Bier bringen, lächeln, kassieren, Nachschub holen. So wie jeden Tag im Zelt.
Die 54-Jährige kommt aus Kärnten und gehört längst zum Inventar der Kulmbacher Bierwoche. Bereits zum 18. Mal bedient sie im Stadl. „Ich komme immer wieder gerne nach Kulmbach. Die Kulmbacher Bierwoche ist ein sehr persönliches Fest. Sehr angenehm, eher ruhig“, findet die Bedienung.
Doch auch Trubel kann sie nicht aus der Ruhe bringen. Je später der Nachmittag, desto mehr Bierfestfans trudeln ein. Und wenn es heiß her geht, dann läuft Manuela Warum nicht wegen zwei Maß durch die Gänge.
Dann packt sie bis zu zwölf Maßkrüge auf einmal – ein Gewicht, bei dem vielen schon beim Zuschauen die Arme schwer werden. Doch für sie ist das Routine. Sie lächelt und bleibt freundlich. „Ich bin hauptberuflich Bedienung, das schaff‘ ich schon“, sagt Manuela Warum resolut.
Mehr als 20 Dirndl
Sie trägt ein knallrotes Dirndl, drunter eine hochgeschlossene Spitzenbluse. Sexy, aber nicht zu offenherzig. Sie hat mehr als 20 verschiedene Dirndl. Und mancherorts ist auch eine Art Uniform-Dirndl gefragt, das sie dann gestellt bekommt. „Man braucht schon ein paar, denn ich trag‘ sie ja den ganzen Tag“, verrät die Bedienung.
Die Tracht gehört für sie genauso zum Beruf wie die kräftigen Unterarme. Ein Spezialtraining braucht Manuela Warum nicht. Sie hält sich hauptsächlich durch Wandern fit. Frische Luft, die Berge, mehr braucht sie nicht.
Die 54-Jährige bewegt sich zwischen den Bierbänken mit einer Selbstverständlichkeit, als würde sie den Weg im Schlaf kennen. Dass einige Leute in den Gängen stehen und tanzen, stört sie nicht. Stimmung gehört für sie dazu – und wirkt auf die Bedienung ansteckend.
Tatsächlich ist die Kulmbacher Bierwoche nur eine Station ihres Festkalenders. Danach geht es weiter nach Burghausen, auf das Gäubodenfest nach Straubing und schließlich zum Oktoberfest nach München.
Jedes Fest ist anders. Und das macht sich auch im Trinkgeld bemerkbar. „Wenn jemand was geben möchte, dann macht er das auch. Es gibt eigentlich keinen schlechten Bierpreis“, erklärt die Chefbedienung. Sie kann allerdings durchaus regionale Unterschiede feststellen. In Straubing und in München, wo alles teurer ist, fließt auch mehr Trinkgeld.
Fünf Monate im Jahr lebt Manuela Warum diesen besonderen Rhythmus zwischen Festzelten, Zapfhähnen und langen Arbeitstagen.
„Am Wochenende fangen wir um acht Uhr, spätestens um halb neun Uhr an. Unter der Woche geht es in Kulmbach erst um 10.45 Uhr los. Das ist richtig entspannend“, sagt die Chefbedienung.
Erst im Winter kehrt für sie Ruhe ein. Zu Hause wartet dann auf die Kärntnerin ein ganz anderes Leben. Zwei erwachsene Kinder, 32 und 27 Jahre alt, gehören ebenso dazu wie ein fünfjähriger Enkel.
„Wenn ich wiederkommen darf, dann werde ich im nächsten jähr gerne wiederkommen“, erklärt sie. Michael Schmid von der Kulmbacher Brauerei hört diesen Satz. Er kennt viele Bedienungen seit Jahren und stößt mit Manuela Warum auf eine gelungene Bierwoche an.
„Natürlich“, sagt Schmid nur. Damit ist der Vertrag wohl verlängert. Denn Schmid weiß, dass die Bedienungen mehr sind als nur diejenigen, die das Bier zu den Durstigen tragen. Sie sind das Aushängeschild für die Bierwoche. Sie sorgen dafür, dass alles funktioniert und dass die Stimmung gut ist.
Nur wenige Tische weiter ist Karin Moelschl unterwegs. Sie trägt ein schwarzes Dirndl mit einer Karo-Schürze. Aufhebens um ihre Person möchte Karin Moelschl nicht.
Auch nicht, obwohl sie mit ihren 70 Jahren zu den erfahrensten Kräften der Bierwoche zählt. „Ich bin schon 33 Jahre dabei. Ich habe halt Glück, dass ich noch so fit bin. Manche können es nicht“, sagt sie mit österreichischem Akzent.
Wer Karin Moelschl die Hand zur Begrüßung gibt, merkt schnell, dass jahrzehntelanges Maßkrugtragen Spuren hinterlassen hat: Ihr Händedruck ist kräftig. So kräftig, dass es förmlich kracht. „Wenn es sein muss, trag ich 14 Maßkrüge“, sagt sie.
Karin Moelschl sieht ihren Job pragmatisch. Denn es geht nicht darum, Rekorde aufzustellen, sondern die Gäste schnell und freundlich zu versorgen. „Mir hat das Bedienen immer Spaß gemacht. Und das ist immer noch so“, sagt sie.
Auch für sie endet die Saison nicht mit dem letzten Bierfesttag in Kulmbach. Danach warten weitere Volksfeste – unter anderem in Dachau und Lüneburg. Der Kalender ist voll, solange die Gesundheit mitspielt.
„Wir waren die Security“
„Und wenn einer pampig wird, dann weiß ich auch, was ich zu tun hab. Jetzt gibt es in jedem Zelt Security, lange Zeit waren wir die Security“, sagt die resolute Siebzigerin. Doch in Kulmbach hat sie keine Bedenken. „Wenn ich lieb zu den Leuten bin, sind die auch lieb“, ist ihr Geheimrezept.
Wenn nachts dann die letzten Gäste den Stadel verlassen, beginnt für die Bedienungen das Aufräumen. Müde Beine, schwere Arme und wenig Schlaf gehören dazu. Trotzdem kommen sie Jahr für Jahr wieder. Vielleicht, weil die Bierwoche für sie mehr ist als nur eine Arbeit.















