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Zwei Kultbands auf der Bühne
Andi Häckel und sein Wiesn-Gig mit der Spider Murphy Gang
Zwietracht Spider Murphy
Zwei Münchner Kultbands auf einer Bühne: Die Spider Murphy Gang und die Münchner Zwietracht rockten die Oktoberfest-Bühne bei der Fischer-Vroni. Mit dabei: der Kulmbacher Andi Häckel (Dritter von rechts). // Münchner Zwietracht
Kulmbach/München – Oktoberfest-Zeit ist Vollgas-Zeit für Andi Häckel. Der Kulmbacher Profimusiker gastiert mit der Münchner Zwietracht regelmäßig auf der Wiesn – und diesmal gab es einen Gig mit einer Bajuwaren-Legende.

Wer in München von der Fischer-Vroni spricht, der weiß: Gemeint ist eine von Bayerns renommiertesten Fischgroßhandlungen. Aber mindestens genauso bekannt ist die gleichnamige Stätte beim Münchner Oktoberfest. Wer die Theresienwiese betritt, den empfängt gleich links am Haupteingang der Geruch von Steckerlfisch unter voluminösem Dach.

Vom 19. September bis 4. Oktober ist hier der Arbeitsplatz von Andi Häckel. Der Kulmbacher Profimusiker gastiert an 16 Abenden in Folge mit der Münchner Zwietracht, für die er seit 2000 an Akkordeon und Keyboard in die Tasten haut und deren Tourleiter er ist.

Die Fischer-Vroni ist im vierten Jahr das neue Zuhause der Zwietracht, nach vielen Jahren in „Marstall“ und „Hippodrom“. Wie kam es zum Ortswechsel?

Es hat sich so ergeben, kann man sagen. Zwietracht-Gründer Wolfgang Köbele und unser Schlagzeuger Peter Lautenschlager waren vor vier Jahren bei der Fischer-Vroni zu Gast. Dabei kamen sie mit dem Betreiber, der Familie Stadtmüller, ins Gespräch. Man muss wissen: Seit Jahrzehnten spielt hier Sepp Folger mit seiner Blaskapelle. Die Band wollte sich jedoch künftig darauf konzentrieren, nachmittags zu musizieren, dafür aber nicht mehr am Abend. Hier rücken wir nach. Unser tägliches Konzert beginnt um 19 Uhr und dauert bis 22.30 Uhr.

Kanntest Du den Spielort?

Ja, die Fischer-Vroni ist ein Traditionszelt auf der Wiesn. Unsere frühere Spielstätte, der „Marstall“, liegt genau gegenüber. Es ist also fast der gewohnt alte Platz.

Ist das Engagement bei der Fischer-Vroni ein dauerhaftes?

So ist der Plan. Das soll für beide Seiten keine Eintagsfliege werden, sondern der Beginn einer langen Kooperation.

Du trittst mit der Zweitracht seit 2000 auf der Wiesn auf – mit Corona-Unterbrechung natürlich. Welches besondere Erlebnis gab es in diesem Jahr?

Es gab in der Tat eine besondere Premiere: Am Dienstagabend haben wir das erste Mal gemeinsam mit der Spider Murphy Gang auf einer Bühne gestanden. Wir Musiker kennen uns schon ewig, aber jeder macht sein Ding, hat seine Termine und seine eigene musikalische Welt. Manchmal läuft man sich zufällig bei einem Auftritt oder einer TV-Aufzeichnung über den Weg und freut sich, sich wieder mal persönlich zu unterhalten. Aber es fühlt sich schon nochmal anders an, wenn zwei Münchner Kultbands zusammen so ein Zelt rocken.

Oktoberfest Zwietracht
Der Kulmbacher Profimusiker Andi Häckel spielt bei der Münchner Zwietracht Keyboard und Akkordeon und ist zudem Tourleiter der Band. // Münchner Zwietracht

Welche Songs habt Ihr gemeinsam performt?

Die Klassiker: „Schickeria“, „Mir san a bayrische Band“ „Pfüati Gott, Elisabeth“, „Rock ’n’ Roll Schuah“ und natürlich „Skandal im Sperrbezirk“.

Das Lied gilt ja seit einiger Zeit als Skandalsong und soll auf Wunsch von Veranstaltern bei anderen Events und Festen bestmöglich nicht gespielt werden.

Ganz ehrlich: Das interessiert bei den Spiders, bei uns in der Band und in München keinen Hering. Bandleader Günther Sigl hat zur Ankündigung des Titels sogar ins Publikum gerufen: „Wollt Ihr verbotene Lieder hören?“ Es war nicht mal eine halbe Sekunde Thema, das Lied nicht zu spielen. Ich finde diese Diskussion einfach nur überflüssig.

Wie gestaltet sich ansonsten Euer Programm?

Wir spielen insgesamt drei Sets, und zwar querbeet, also von volkstümlich über Schlager bis hin zu Pop und Rock. Wir haben nach so vielen Wiesn-Auftritten, so meine ich, die nötige Erfahrung, um zu wissen, was das Publikum hören möchte. Wer uns kennt, der weiß auch: Die Zwietracht spielt nicht alles, unter anderem meiden wir die sogenannte Mallorca-Mucke. Nicht jeder Song, der aktuell in den Charts ist oder in Endlosschleife im Radio läuft, muss deswegen automatisch auch in einem Oktoberfestzelt funktionieren und die Menge begeistern.

16 Abende am Stück – das klingt nach starkem Tobak. Wie bereitet man sich auf einen solchen Marathon vor?

Es ist für uns nichts Außergewöhnliches, weil wir das ganze Jahr unterwegs sind und vor allem zwischen August und November drei bis vier Auftritte pro Woche absolvieren. Das ist nichts, was uns in dem Sinne umhaut. Man muss als Musiker dafür professionell diszipliniert sein. Anders als man meinen mag, haben wir nach unseren Konzerten nicht noch Halligalli hinter der Bühne, denn nach der Show ist vor der Show.

Heißt das: Kein Bier auf der Wiesn?

Da muss man abstinent sein, auch wenn es natürlich an jeder Ecke Bier gibt. Wir reden hier nicht von zwei Schluck nach dem Auftritt. Aber mehr ist wirklich nicht drin. Wenn wir die Maßkrüge heben, um den Gästen im Zelt zuzuprosten, dann enthält das Glas Alkoholfreies. Das ist etwas Grundsätzliches: Wenn du dich beim Alkohol einmal gehen lässt, zu wenig oder ungesund schläfst oder isst – dann überstehst du als Musiker diese fordernde Zeit nicht, das ist Fakt.

Der Körper ist das eine, ein wacher Geist das andere. Wie wichtig ist die Psyche?

Das A und O, physisch wie psychisch, ist gute Energie. Wenn Stress in dieser Phase ausartet, ist man schon raus. Es gibt auch keine Chance, mal an dem einen oder anderen Abend mit angezogener Handbremse zu spielen oder auszusetzen. Wir haben auch keinen Ersatzmusiker. Man wacht also nach einem Konzert früh auf und weiß: In ein paar Stunden geht es wieder weiter. Und jeder Tag schlaucht dich mehr. Man muss sich entspannen und abschalten können, sei es beim Spazierengehen, beim Radfahren oder in der Sauna. Dazu kommt: Nach der Wiesn ist nicht Sense, da geht es munter mit unserer Tour weiter. Es gibt beim Oktoberfest aber einen wichtigen Aspekt: Wir haben nicht den sonst üblichen Reisestress.

Mit einer Ausnahme: Ihr wart am vergangenen Sonntag live im ZDF-Fernsehgarten.

Richtig, das war die Reise-Ausnahme gleich am ersten Wiesn-Wochenende. Wir haben zum Auftakt am Samstagabend unser Konzert bei der Vroni gespielt, sind dann von der Bühne in den Tourbus gestiegen und Richtung Mainz gefahren. Da findet man erwartungsgemäß wenig Schlaf. Wir kamen gegen 4 Uhr morgens im Hotel an und betraten mittags am Lerchenberg die Bühne, wo wir unsere neue Single „Drob’n auf’n Berg“ präsentiert haben. Danach ging es direkt zurück nach München, wo wir ab 19 Uhr wie gehabt im Festzelt standen.

Klingt nach Stress.

Das alles unter einen Hut zu bringen, ist stressig, ja, aber ich empfinde es eher als positiven Stress, denn wir freuen uns natürlich, als Musik-Act am Lerchenberg und im ZDF vor einem Millionenpublikum auftreten zu können. Und nach der Wiesn geht es ja munter weiter: Nach drei freien Tagen geben wir Konzerte in Deutschland und im angrenzenden Ausland, gastieren von Donauwörth bis Flensburg, von Bielefeld bis Zürich.

Gibt es eine besondere Vorbereitung auf den jeweiligen Auftritt im Wiesn-Festzelt?

Nein. Man trifft sich hinter der Bühne und wartet auf den Countdown. Jeder tickt da anders. Mancher ist gut eine Stunde vorher da, andere kurz vorm Start. Der eine isst noch was, der andere nicht. Ich bin derjenige, der immer als Letzter kommt – deswegen witzeln meine Kollegen auch: „Wenn sich der Anderl umzieht, dann muss es ja gleich losgehen!“

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