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Sonderserie
Zinnfigurenbörse: Nach dem Bier kommt der Wein
Weinprobe der Herren auf der Plassenburg: 1662 verkostet der damals 18-jährige Markgraf Christian Ernst (stehend, links hinter dem Weinfass) mit seinen Getreuen die besten Tropfen des Kellers.Deutsches Zinnfigurenmuseum
Weinprobe der Herren auf der Plassenburg: 1662 verkostet der damals 18-jährige Markgraf Christian Ernst (stehend, links hinter dem Weinfass) mit seinen Getreuen die besten Tropfen des Kellers.Deutsches Zinnfigurenmuseum // 
Kulmbach – Die heimliche Hauptstadt des Bieres als Weinstadt? Bei der Zinnfigurenbörse ist das der Fall. Wie es dazu kam.

Eine farbenprächtige Szene aus dem Jahr 1662 zeigt, wie Wein in Bierfranken ausgiebig genossen wurde: Markgraf Christian Ernst hat sich auf der Plassenburg mit adligen Gefolgsleuten um ein Weinfass gruppiert. Die Herren tragen die typische Barockmode: wallende Perücken, Gehröcke mit Spitzenmanschetten an den Ärmelabschlüssen und Schnallenschuhe.

Edle Tropfen fürs Fest

Die Weine, die der Kellermeister in Krügen herbeischafft, müssen verkostet werden. Ein großes Fest steht an: Der Markgraf möchte nach seiner Eheschließung mit der sächsischen Prinzessin Erdmuthe Sophie in Dresden seine Gemahlin auf der Plassenburg empfangen. Dabei soll der allerbeste Tropfen kredenzt werden, den der Keller hergibt – kein „Sauertrunk“, „Rachenkratzer“ oder „Hundseintreiber“.

Doch die für Kulmbach traurige Pointe lautet: Aus dem angedachten rauschenden Fest wurde nichts. Am 13. Juni 1662 teilt Markgraf Christian seinem Kommandanten auf der Plassenburg mit, dass er seine Absicht geändert habe: Seine Gemahlin werde „bey der Heimfahrt in Bayreuth Einzug halten“.

Die „Weinprobe auf der Plassenburg“ ist eigens zur 30. Internationalen Zinnfigurenbörse entworfen worden. Sie setzt die sogenannte Erinnerungsserie fort, die bei Zinnfigurenliebhabern aus aller Welt ein begehrtes Sammlerobjekt ist. Die Serie wird seit Jahren vom Förderverein des Deutschen Zinnfigurenmuseums Plassenburg vorbereitet – und gesponsert.

Martin Leesch, Vorsitzender des Fördervereins Deutsches Zinnfigurenmuseum, mit seiner Frau bei der letzten Zinnfigurenbörse in Kulmbach 2024.Wolfgang Schoberth
Martin Leesch, Vorsitzender des Fördervereins Deutsches Zinnfigurenmuseum, mit seiner Frau bei der letzten Zinnfigurenbörse in Kulmbach 2024.Wolfgang Schoberth // 

Besonders engagiert ist der Vorsitzende des Fördervereins, der Radebeuler Sammler Martin Leesch. Der Entwurf selbst stammt von Sascha Lunyakov, Martin Andrä hat ihn graviert, Jörg Hensel die Figuren koloriert. Zum Verkauf angeboten werden sie bei der Zinnfigurenbörse als Rohlinge.

Thema Wein: Ausgiebige Recherche

Die viel beachtete Erinnerungsserie, die stets ein besonderes Ereignis der Kulmbacher Stadt- oder Kulturgeschichte herausgreift, verlangt im Vorfeld gründliche Recherche und sachkundige Beratung. Harald Stark, der Kastellan der Plassenburg, und Dietmar Munkelt aus Markkleeberg haben Informationen zusammengetragen: 1576 erfolgte die Wiedereinrichtung des Weinbergs am Südhang des Festungsberges.

Auf vielen alten Abbildungen ist die fischgrätenartige Anlage des herrschaftlichen Weinbergs am Südhang des Festungsberges zu sehen; selbst Luftaufnahmen aus dem frühen 20. Jahrhundert lassen die Terrassierung der Weingärten noch erahnen.

Doch auch im Umkreis wurde an vielen Hängen Wein angebaut. Für das Weißmaintal sind 72 historische Weinlagen im Landbuch der Herrschaft Plassenburg verzeichnet, darunter Burghaig, Fölschnitz, Feuln und Trebgast.

Die auf der Plassenburg eingelagerten Weinmengen waren beträchtlich. Der Historiker Theodor Dorfmüller spricht von „kolossalischen Gewölben des Weinkellers“. 80 bis 100 Fuder wurden zum Beispiel 1816 am Schlossberg und auf den Burghaiger Hügeln angebaut. Ein Fuder umfasst die stolze Menge von 820 Litern.

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