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Ausstellung
Max Wild: Ein Kulmbacher Künstler kehrt heim
Nach Jahrzehnten erstmals wieder zu sehen: Max Wilds in den ersten Nachkriegsjahren entstandenes Triptychon „Apokalyptische Reiter“.
Nach Jahrzehnten erstmals wieder zu sehen: Max Wilds in den ersten Nachkriegsjahren entstandenes Triptychon „Apokalyptische Reiter“. // 
Signet des Fränkischen Tags von Wolfgang Schoberth
Kulmbach – Der Kulmbacher hat ein vielfältiges, bemerkenswertes Werk hinterlassen. In einer Sonderausstellung ist seine Kunst jetzt zu bestaunen. Was die so besonders macht.

„Schönheit und Geschichtsverbundenheit sind hier nicht zu übertreffen. Hier hat das Werk meines Vaters eine ideale Heimstatt gefunden“, sagt Günter Wild, als er von den Arkaden in der zweiten Etage des Westflügels auf den Schönen Hof im Abendlicht blickt. Im Raum daneben, in einem neu eingerichteten Sonderausstellungsbereich, wird gleich die Ausstellung „Max Wild – Arbeiten und Verarbeiten“ eröffnet. Zur Vernissage hat die Stadt Kulmbach die Familie Wild sowie viele ihrer Bekannten eingeladen.

Im Rathaus kann man ein Werk täglich sehen

Für das Landschaftsmuseum Obermain ist es ein Segen, dass die Familie ihm den umfangreichen künstlerischen Nachlass des Künstlers Max Wild (1911–2000) überlassen hat. Oberbürgermeister Ralf Hartnack (WGK) dankte für diesen „außerordentlichen Vertrauensbeweis“.

Max Wild habe über viele Jahrzehnte die Kunstszene Kulmbachs und das Gesicht der Stadt geprägt. Seine Vielseitigkeit – Aquarelle, Holzschnitte, Zeichnungen aller Art, Glasmosaiken, Intarsienwände, Werbegrafiken, Gebrauchsgegenstände – sei bewundernswert. Vielen seiner für den öffentlichen Raum geschaffenen Kunstwerke begegne man täglich, nicht zuletzt dem „Heinlein-Glasfenster“ im Treppenaufgang des Kulmbacher Rathauses, das an das Inferno am Konraditag 1553 erinnert.

Kämpfer für das Stadtbild

Auch die Tochter des Künstlers, Ulrike Wild, erinnerte in einer Ansprache an ihren Vater. Innerhalb der Familie trug er den Kosenamen „Fight“. Dieser Name habe gut zu ihm gepasst: Max Wild habe unerbittlich gekämpft, wenn es um den Erhalt des historischen Kulmbacher Stadtbildes ging. So wandte er sich gegen den Abriss des Prinzessinnenhauses in der Oberen Stadt, das einem Kaufhaus weichen sollte. Sein Protest war durchaus erfolgreich, so die Tochter.

Max Wilds 1946 entstandenes Selbstporträt in Kreide.
Max Wilds 1946 entstandenes Selbstporträt in Kreide. // 

Die Ausstellung fächert das umfangreiche Œuvre Max Wilds auf. Im Mittelpunkt stehen Malerei und Zeichnungen aus unterschiedlichen Schaffensperioden – von den ersten Nachkriegsjahren über die Zeit des Wirtschaftswunders bis zu seinen späten Jahren. Die Leiterin der städtischen Museen auf der Plassenburg, Nina Schipkowski, hat die Werkschau fachkundig zusammengestellt. Gut verständliche Infotafeln helfen dem Betrachter beim Einordnen der Exponate. Unterstützt wurde sie von Max Wilds Kindern Ulrike und Günter sowie von Enkelsohn Hans-Peter. Er hat sich über Jahre intensiv mit dem Werk seines Großvaters beschäftigt, ein Werkverzeichnis erstellt und die wissenschaftliche Erschließung vorbereitet. Nicht zu vergessen Ralf Pöhlmann, der bei der Ausstellung wiederum für Technik und Transport gesorgt hat.

Verwundung bestimmt sein Leben

Max Wild ist ein brillanter Techniker. Er aquarelliert unglaublich leicht; mit traumwandlerischer Sicherheit lässt er atmosphärisch stimmige Landschaften entstehen. Nicht weniger eindrucksvoll sind die zeichnerischen Arbeiten: Mit wenigen Strichen in Röthel, Pastell- und Kohlekreide porträtiert er Menschen und Situationen.

Der Titel der Ausstellung „Arbeiten und Verarbeiten“ verweist auf den roten Faden seines gesamten Schaffens: seine Auseinandersetzung mit Krieg, Zerstörung und Neubeginn. Der 1911 in Lauenstein geborene Max Wild schrieb sich nach dem Abitur in Kronach an der Technischen Hochschule in München ein, um Kunsterzieher zu werden. Nach einer kurzen Zeit als Lehrer wurde er 1939 in den Zweiten Weltkrieg eingezogen und im Herbst 1941 in Russland schwer verwundet. Die Amputation eines Oberschenkels war erforderlich – ein Trauma, das fortan sein Leben bestimmte.

Ralf Hartnack und Nina Schipkowski bedanken sich bei Günter Wild für die Unterstützung. Foto: Wolfgang Schoberth
Ralf Hartnack und Nina Schipkowski bedanken sich bei Günter Wild für die Unterstützung. Foto: Wolfgang Schoberth // 

Als Versehrter wurde Wild als Lehrer an die NS-Eliteschule (Napola) von Colmar zugewiesen. Bei Kriegsende geriet er bis zum Sommer 1946 in französische Kriegsgefangenschaft. Nach der Entlassung schlug er sich mit seiner Frau und drei Kindern nach Mangersreuth durch.

Faszinierendes Triptychon

Keine Arbeit zeigt Wilds leidvolle Kriegserfahrung eindringlicher als sein zwischen 1946 und 1948 entstandenes Triptychon „Apokalyptische Reiter“. Es gehört zweifellos zu seinen stärksten Arbeiten. In Auftrag gegeben hatte es der erste Kulmbacher Nachkriegsoberbürgermeister Georg Hagen, mit dem der Künstler befreundet war. Hagen wollte für seine drei im Krieg gefallenen Söhne eine Kapelle stiften. Das Vorhaben zerschlug sich jedoch.

Der linke Flügel führt die Gewalt des Krieges vor Augen. Auf der Mitteltafel erscheinen die Apokalyptischen Reiter als Sinnbilder von Bedrohung und Zerstörung. Die rechte Seite dagegen richtet den Blick auf den Neubeginn: Eine junge Frau pflanzt Blumen, hinter ihr stehen zwei Kinder und ein Baum. Das Bild lässt sich als eine Allegorie des Friedens lesen. Die Schrecken des Krieges sind überwunden. Für Günter Wild ist das Triptychon das wichtigste Zeitdokument, das sein Vater hinterlassen hat.

Geschichte einer Rettung

Nach vielen Jahren kann das Triptychon in der Ausstellung erstmals wieder vollständig gezeigt werden. Der rechte Flügel blieb im Besitz der Familie Wild, während die beiden anderen Teile mehrfach den Besitzer wechselten.

Den linken Flügel entdeckte Stephan Körsken aus Boppard in einem Antiquariat und erwarb ihn. Er stellte das Werk nicht nur für die Ausstellung zur Verfügung, sondern schenkte es der Stadt Kulmbach. Der Mittelteil des Triptychons befindet sich im Besitz von Helmut Sauer in Kulmbach. Er möchte dem Landschaftsmuseum eine Reproduktion überlassen. Auf diese Weise soll der Gesamteindruck von Max Wilds zentralem Werk auch nach der Ausstellung sichtbar bleiben.

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