Einen Geschichtsunterricht der besonderen Art erlebten die Schüler der 10. Klassen der Carl-von-Linde-Schule am Freitag: Mit Manfred Casper war ein DDR-Zeitzeuge zu Gast, der aus eigener Erfahrung davon berichten konnte, was es bedeutet, in einer Diktatur zu leben und persönliche Freiheit nicht als Selbstverständlichkeit erleben zu dürfen.
Zeitzeuge Casper wollte einfach nur raus
Im Blick hatte Schulleiter Matthias Niedermeier dabei nicht nur den Tag der Deutschen Einheit, sondern auch den 2. Oktober als Internationalen Tag der Gewaltlosigkeit, so die Schule in einer Mitteilung.
Diese Verbindung zur Friedlichen Revolution in der DDR von 1989 griff Niedermeier zu Beginn der Veranstaltung auf.
Was fehlende Freiheit für den Einzelnen bedeuten kann, vermittelte anschließend Manfred Casper. Als junger Mann versuchte er 1969 im Alter von 18 Jahren, die DDR über Bulgarien zu verlassen. Der Fluchtversuch scheiterte, Casper wurde festgenommen und zu einer Haftstrafe im Zuchthaus verurteilt. 1970 gelangte er schließlich im Rahmen des sogenannten Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik Deutschland.
Vor den Kulmbacher Jugendlichen wurden aus historischen Begriffen persönliche Erlebnisse. Casper erzählte von seinem Leben in der DDR, seinem Wunsch nach Freiheit und den Konsequenzen, die dieser für ihn hatte.
Die Begegnung mit einem Menschen, der dies erlebt hat, eröffnete Schülern einen Zugang zur Geschichte, den ein Schulbuch allein kaum vermitteln kann.
Seine Erlebnisse hat Casper auch in seinem autobiografischen Buch „Vom Wachsen der Flügel“ verarbeitet. Im Anschluss nutzten die Schüler die Gelegenheit, mit dem Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen und sich Bücher signieren zu lassen.
Der Besuch ist Teil des Schulprojekts „Demokratie lernen durch Begegnung“. Dabei sollen junge Menschen Demokratie, Menschenrechte, Toleranz und Freiheit nicht nur theoretisch kennenlernen, sondern Menschen begegnen, deren Lebensgeschichten diese Themen erfahrbar machen.
Unterstützt wird das Projekt durch die Oberfrankenstiftung.












