Bereits zum 21. Mal laden Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) und Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) zur "Stunde der Wintervögel" ein: Bürgerinnen und Bürger sollen zwischen dem 9. bis 11. Januar eine Stunde lang die Vögel bei ihnen im Garten, auf dem Balkon oder Park zählen.
Diese Vogelarten erwarten Experten
"Wer eine Stunde lang bewusst hinschaut, entdeckt oft mehr als erwartet. Gerade im Winter tauchen manchmal überraschende Gäste auf“, erklärt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson in einer Pressemitteilung des LBV. Ist beispielsweise das Samenangebot in den Wäldern Skandinaviens mau, machten sich viele Finkenarten auf den Weg nach Süden, um dort nach Nahrung zu suchen.
Dabei tauchen auch Arten auf, die sonst nicht oder nur selten in Bayern vorkommen - wie etwa Bergfinken oder Erlenzeisige. Gleichzeitig erhielten auch heimische Finkenarten im Winter Verstärkung aus dem Norden: Buchfink, Grünfink oder Stieglitz brüten zwar auch in Bayern, doch als sogenannte Teilzieher verbringen Tiere aus Nord- und Osteuropa den Winter ebenfalls im Freistaat.
Wo und wie viele Finken am Zählwochenende zu beobachten sein werden, hinge vom Wetter und dem Nahrungsangebot ab, informiert Nelson. Darüber hinaus stünden dieses Jahr wieder typische Wintervögel wie Kohl- und Blaumeise, Amsel, Haussperling, Feldsperling oder Rotkehlchen im Fokus der „Stunde der Wintervögel“.
Jeder kann mitmachen
"Man muss kein Vogelprofi sein, um bei der Aktion mitzumachen. Vielen Arten ist man im Alltag schon oft begegnet", sagt Biologin Nelson. "Vielen Arten ist man im Alltag schon oft begegnet. Sie einmal bewusst wahrzunehmen, macht Spaß und öffnet den Blick für die Vielfalt direkt vor der eigenen Haustür."
Aktion liefert wertvolle Daten für die Forschung
Die Daten helfen dem LBV zu verstehen, wie sich die Vogelwelt von Jahr zu Jahr verändert. In den vergangenen milden Wintern seien etwa immer mehr Kurzstreckenzieher in Bayern geblieben, statt weiter nach Süden zu ziehen. Arten wie Zilpzalp, Mönchsgrasmücke oder Star werden deshalb häufiger bei der Aktion beobachtet als noch vor einigen Jahren.
„Solche Verschiebungen lassen sich nur erkennen, wenn viele Menschen regelmäßig mitmachen und ihre Beobachtungen melden“, sagt die LBV-Biologin. „Aufgrund des außergewöhnlich milden Dezembers ist es dieses Jahr besonders spannend, welche Arten vermehrt in Bayern bleiben.“
Besonders gesucht: Stadtvögel in Kulmbach
Ein besonderes Augenmerk legt der LBV in diesem Jahr auf den Vergleich zwischen Stadt und Land. Traditionell nehmen bei der „Stunde der Wintervögel“ mehr Menschen aus dem ländlichen Raum teil, doch Vogelarten wie die Amsel hätten Städte längst als Lebensraum mit einigen Vorteilen entdeckt. "In der Stadt ist eine vielfältige Vogelwelt vorhanden - das wird oft unterschätzt - zum Beispiel in Parks und auf Friedhöfen", sagt Katrin Geyer von der Öffentlichkeitsarbeit der LBV-Kreisgruppe Kulmbach im Gespräch mit der Bayerischen Rundschau.
"Es gibt Vogelarten, die sogenannte Kulturfolger sind", schildert sie. "Zum Beispiel der Eichelhäher." Diese Arten lebten dort, wo auch Menschen sind. „Parks und Gärten in Städten bieten oft ein ganzjähriges Nahrungsangebot, besonders wenn es dort Futterstellen gibt. Außerdem herrscht dort ein wärmeres Mikroklima, das Vögeln das Überleben im Winter erleichtert”, erklärt die Angelika Nelson.
Mitmachen - so gehts:
Deshalb rufe der LBV besonders Bürgerinnen und Bürger in städtischen Gebieten zum Mitmachen auf. Interessierte sollen sich dafür einen ruhigen Platz mit Blick auf Garten, Balkon oder Park aus und beobachten eine Stunde lang, welche Vögel dort vorkommen.
Samstag: Besondere Aktion für Kinder
Am Samstag, 10. Januar organisiert die LBV Kreisgruppe Kulmbach die "Kinderstunde der Wintervögel", bei der die jungen Entdecker (und natürlich die Eltern) die häufigsten Singvögel kennenlernen, die bei uns überwintern. Beginn der etwa einstündigen Veranstaltung, die von Frank Schneider geleitet wird, ist um 9 Uhr. Treffpunkt ist der Parkplatz am Hundsanger am Kulmbacher Friedhof. Warme Kleidung ist wichtig! Ferngläser sollten, soweit vorhanden, mitgebracht werden.
Meldungen übers Internet oder per Post möglich
Gemeldet wird immer die höchste Anzahl einer Art, die innerhalb der Zählstunde gleichzeitig beobachtet wurde. Der LBV schreibt weiterhin: Auch wer keine oder wenige Vögel zählt, kann melden und liefert damit wichtige Daten. Die Beobachtungen vom Zählwochenende melden Teilnehmende am einfachsten online unter www.stunde-der-wintervoegel.de.
Dort sind auch fortlaufend aktualisierte Zwischenstände einsehbar, die nach Landkreisen und Regierungsbezirken gefiltert werden können. Meldungen per Post sind ebenfalls möglich. Meldeschluss ist der 19. Januar 2026. Unter allen Teilnehmenden verlost der LBV Preise.
Aktion für Schulen: "Schulstunde der Wintervögel“
Vom 12. bis 16. Januar 2026 sind alle Lehrkräfte eingeladen, im Rahmen der „Schulstunde der Wintervögel“ gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern die heimischen Wintervögel spielerisch kennenzulernen und eine Stunde lang gemeinsam auf dem Pausenhof, im Park oder im Schulgarten zu zählen. Materialien zum Mitmachen sowie Spiele zu den häufigsten Wintervögeln für Schulkinder finden Lehrkräfte unter www.naturschwaermer.lbv.de.















