Aufgeheizte Stimmung
Anwohner wollen Bäume vor Baggern retten
Eine allein - hier versucht es Maria Gutmann -  kann die alte Eiche nicht umarmen. Der Stamm hat einen Umfang von 2,90 Metern. Die Eichen am Metzdorfer Hang stammen noch aus der Zeit der Kulmbacher Markgrafen. Sie sind uralt und kerngesund. Aus diesem Grund fordern die Anwohner den Erhalt. Foto: Sonny Adam
Die Eichen am Metzdorfer Hang stammen noch aus der Zeit der Kulmbacher Markgrafen. Aus diesem Grund fordern Maria Gutmann und andere Anwohner den Erhalt.
Foto: Sonny Adam
Befürchtung
F-Signet von Sonny Adam Fränkischer Tag
Kulmbach – Mehrere Kulmbacher aus dem Wohngebiet Metzdorfer Hang haben Angst um jahrhundertealte Eichen und Buchen. Müssen sie für ein Baugebiet weichen?

Für das Bauvorhaben Metzdorfer Hang wird die Planung konkreter. 70 Wohneinheiten sollen auf der grünen Wiese, gleich hinter dem bestehenden Baugebiet, errichtet werden: Luxuswohnungen für den gehobenen Geldbeutel, untergebracht in sechs viergeschossigen Gebäuden und gesonderten Tiefgaragen.

Die Straße "Am Metzdorfer Hang" ist schon jetzt sehr eng: Noch mehr Verkehr würden die Anwohner nicht akzeptieren. Foto: Sonny Adam
Die Straße "Am Metzdorfer Hang" ist sehr eng: Noch mehr Verkehr wollen die Anwohner nicht akzeptieren.
Foto: Sonny Adam

So, wie sich Juli Architektur das Vorhaben darstellt, wollen es die Alt-Anwohner aber auf keinen Fall. Die Anlieger von Kirchenweg und Schule haben bereits mehrfach protestiert, doch auch das Wohngebiet "Am Metzdorfer Hang" ist direkt betroffen.

Denn über die kleine Stichstraße könnte eine dritte Anbindung des neuen Baugebiets erfolgen. "Das ganze Vorhaben passt nicht ins Stadtbild. Es ist viel zu groß", sagt Sabine Prell. Sie und weitere rund 20 Anwohner macht stutzig, dass die Straße - nach dem Wendehammer - noch einige Meter weitergeführt wurde. Ist dies ein Hinweis auf eine langfristige Weiterplanung?

Stadt besitzt Teilfläche

Die Anwohner befürchten, dass im Zuge des Bauvorhabens die alten Eichen und Buchen fallen könnten, die dort stehen. Dort besitzt die Stadt noch eine kleine Teilfläche, die - trotz Interesse eines Anwohners - nicht verkauft worden ist. Diese Wiesenfläche ist nicht als Biotop ausgewiesen. "Es spricht bislang aus naturschutzfachlichen Gründen nichts dagegen, das Plangebiet hier an die Ziegelhüttener Straße anzubinden", kommentiert der Pressesprecher der Stadt die Anfrage unserer Zeitung.

Die Anwohner formieren sich. Auf keinen Fall möchten sie, dass das Vorhaben mit 70 Wohneinheiten realisiert und  über die Straße am Metzdorfer Hang erschlossen wird. Foto: Sonny Adam
Die Anwohner formieren sich. Auf keinen Fall möchten sie, dass das Vorhaben mit 70 Wohneinheiten realisiert und über die Straße am Metzdorfer Hang erschlossen wird.
Foto: Sonny Adam

"Das sind Eichen, die zur Markgrafenzeit gepflanzt worden sind. Sie haben einen Umfang von fast drei Metern. Sie sind uralt und gesund. Auf keinen Fall dürfen die Bäume gefällt werden", sagt Anwohnerin Sabine Prell.

"Wir wollen einfach nicht, dass den Bäumen etwas passiert", erklären auch Ilona und Robert Hansl sowie Maria Gutmann. Nahezu alle Anwohner schließen sich diesem Protest an.

Einer der Bäume, den Maria Gutmann zu umfassen versucht, hat einen Umfang von 2,90 Metern. Multipliziert man den Umfang mit dem Faktor 0,8, ergibt sich die ungefähre Jahreszahl: Bei der stolzen Eichen käme man ungefähr auf die Jahreszahl 1789. Damals müsste die Eiche gepflanzt worden sein.

Landschaftsidyll zerstört?

Unterstützung bekommen die Anwohner vom Bund Naturschutz . "Wir lehnen das Bauvorhaben Metzdorfer Hang kategorisch ab. Für uns würde durch das Vorhaben ein Landschaftsidyll zerstört", kommentiert Karlheinz Vollrath vom Bund Naturschutz das Vorhaben. Bei einer Vor-Ort-Besichtigung kommt Vollrath zu dem Schluss, dass das Baugebiet schon jetzt unzureichend erschlossen ist. "Dieses Neubauprojekt würde unweigerlich zu Verkehrsproblemen führen. Wir sehen die alten Eichen und Buchen absolut gefährdet", so Vollrath.

Um neue Wohnbebauung zuzulassen, verweist Vollrath auf Lückenschlüsse. "Es kann nicht sein, dass sich jetzt Bauträger Sahnestückchen raussuchen, die sich zu maximalem Profit vermarkten lassen und dabei Natur zerstört wird". Vor allem an den beschleunigten Verfahren üben die Naturschützer Kritik.

"Es ist nicht geplant, dass jetzt Bäume gefällt werden", versucht Architekt Tino Heß die Anwohnerproteste im Zaum zu halten.

Stadt: Alles wird geprüft

Doch wie eine Verkehrsanbindung funktionieren soll, möchte der Vorhabenträger vom Architekturbüro Juli nicht verraten. "Wir möchten jetzt, wegen der aufgeheizten Stimmung, keine halbausgegorenen Ergebnisse verlautbaren lassen", sagt Heß und verweist auf die Bauordnung, die alles regelt. Auch die Untere Naturschutzbehörde sei eingebunden. Architekt Tino Heß betont, dass man sich "mit der Öffentlichkeit" geeinigt habe, nichts über das laufende Verfahren verlauten zu lassen.

Trotz mehrfacher Nachfrage beim Landratsamt Kulmbach war keine Auskunft durch die Naturschutzbehörde zu bekommen. Die Stadt Kulmbach teilt mit, dass sich das Vorhaben im sogenannten Bauleitplanverfahren befindet und dass jetzt alle Belange - auch die des Baumschutzes - geprüft werden.

Befreiung wäre möglich

Pressesprecher Jonas Gleich: "Der Bebauungsplan gibt das mögliche Baurecht auf der Fläche vor: Wenn das Verfahren abgeschlossen ist, darf so gebaut werden, wie es der Bebauungsplan vorgibt. In dem Rahmen muss eine Befreiung von der Baumschutzverordnung erteilt werden. Somit dürfen dann auch Gehölze gefällt werden, um beispielsweise den Baugrund überhaupt erst nutzbar zu machen", sagt Gleich.

Trotzdem müssten die Anwohner aktuell keine Angst haben. "Eine Nacht- und Nebelaktion würde schlicht und einfach eine Ordnungswidrigkeit darstellen, die im schlimmsten Fall gemäß unserer Baumschutzverordnung mit bis zu 50 000 Euro Strafe belegt werden kann", so der Pressesprecher der Stadt. Umgerechnet auf die Wohneinheiten, die in diesem Gebiet entstehen sollen, würde das - bei der Höchststrafe - eine Verteuerung um 714 Euro pro Wohneinheit ausmachen.

Die Anwohner machen sich allerdings nicht nur Sorgen um die Natur, um die grüne Wiese, auf denen die Kinder spielen konnten, sondern auch um den Verkehr und die Entwässerung. Insgesamt sind mehr als hundert Seiten Stellungnahmen zu diesem Vorhaben eingegangen. Die Anwohner indes bleiben wachsam und wollen sich auf keinen Fall vor vollendete Tatsachen stellen lassen. Im Extremfall seien sogar Blockaden denkbar, sagen sie.

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