Wenn ein Geschäft über Generationen floriert, machen die Inhaber vieles richtig. Ein solches Unternehmen ist das Reisebüro Schaffranek, seit 75 Jahren eine Institution in Kulmbach.
Dieser Status kommt nicht von ungefähr, denn die Familie Schaffranek verkauft den Kulmbachern nicht nur Reisen, sondern hat auch die Stadtgeschichte nachhaltig mitgeprägt.
Den Grundstein für eine außergewöhnliche Firmenentwicklung legte Georg Schaffranek, der Großvater der heutigen Geschäftsführerinnen Melanie Schaffranek und Kristin Girschele-Schaffranek. Der 1921 in Oberschlesien geborene Georg kam nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Frau Anni nach Kulmbach und baute sich mit ihr eine Zukunft auf – und das nicht nur mit Geschäftssinn, sondern auch mit einem großen Herzen für seine neue Heimatstadt.
Georg Schaffranek wurde zum Pionier
Georg Schaffranek wurde rasch zum Pionier des Kulmbacher Kulturbetriebs: 1946 gründete er zunächst eine Konzertdirektion, die Musik- und Theaterveranstaltungen vermittelte, 1949 dann die Gesellschaft der Musikfreunde und die Theatergemeinde Kulmbach – zwei Abonnementreihen, die dem Publikum regelmäßig anspruchsvolle Konzerte und Theaterabende bescherten. Obwohl das viel Arbeit machte und mit finanziellem Risiko behaftet war, zog er diese Angebote über Jahrzehnte durch – bis 1990 der neu gegründete Kulturverein übernahm.
Erfolg hatte Georg Schaffranek auch mit dem „Kulmbacher Anzeiger“, den er 1949 als erstes Anzeigenblatt in Deutschland gründete und vier Jahrzehnte in Eigenregie auflegte.
Eine verrückte Idee?
Mit dem gleichen Unternehmergeist und Mut zum Risiko gründete Georg Schaffranek 1951 dann sein Reisebüro. Manche hielten die Idee wohl für verrückt – zu einer Zeit, in der noch kaum jemand ans Reisen dachte. Doch Georg Schaffranek hatte das richtige Gespür für ein neu erwachendes Bedürfnis der Menschen, baute sein Unternehmen immer weiter aus, setzte dabei auf Kundennähe und persönliche Betreuung und wurde zum Vorreiter im Bereich der Gruppenreisen, die zu einem wichtigen Standbein des Reisebüros wurden.
Die Strategie des Gründers behielten die Nachfolger bei. „Wir sind heute in Nordbayern der größte private Reiseveranstalter“, sagt Stefan Schaffranek. Er trat 1974 ins elterliche Unternehmen ein, übernahm 1987 die Geschäftsführung und baute noch Büros in Burgkunstadt und Kronach auf.
Reisebranche hat sich verändert
Das Reisebüro, das 1981 ins neu gebaute, eigene Haus am Eku-Platz umzog, zählt heute rund 40 Mitarbeiter. Melanie Schaffranek (41) und Kristin Girschele-Schaffranek (38) sind schon seit 2015 bzw. 2018 Geschäftsführerinnen; zum 1. April dieses Jahres hat Stefan Schaffranek die GmbH komplett seinen Töchtern übergeben.
Was hat sich in Kulmbachs ältestem Reisebüro im Lauf der Jahrzehnte verändert? „Nichts, wenn es um den Kontakt zum Kunden geht, sonst: alles“, sagt Schaffranek. Digitale Buchungssysteme sind an die Stelle von Telefonaten und handgeschriebenen Listen getreten, jeder kann sich online informieren und auch auf eigene Faust buchen.
Hat ein Reisebüro da noch Zukunft? Ja, sagen alle Drei unisono. Gerade die letzten Jahre hätten gezeigt, wie wichtig es ist, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben, wenn während der Reise Unvorhergesehenes passiert: die Corona-Pandemie, Naturkatastrophen wie der Ausbruch des isländischen Vulkan Eyjafjallajökull, der 2010 den Flugverkehr lahmlegte, oder aktuell der Iran-Krieg sind nur einige Beispiele
Kunden schätzen es, sicher und sorglos zu reisen
„Online bezahlt man für Pauschalreisen dasselbe wie im Reisebüro, aber wer bei uns bucht, hat vom Anfang bis zur sicheren Rückkehr einen Ansprechpartner, der sich um alles kümmert“, ergänzt Melanie Schaffranek.
Die Kunden wüssten das zu schätzen, ebenso die persönliche Begleitung bei allen Gruppenreisen, und so ist den beiden Geschäftsführerinnen um die Zukunft nicht bange.
Der Name Schaffranek ist mit vielen positiven Entwicklungen in Kulmbach verbunden. Die Familie hat ein Stück Stadtgeschichte geschrieben.
Großer Einsatz der Familie für die Stadt Kulmbach
Georg Schaffranek engagierte sich ehrenamtlich für den Tourismus, vor allem im Verkehrs- und Verschönerungsverein. Für den Einzelhandel rief er 1986 die Werbegemeinschaft Kulmbach ins Leben.
Ebenso wie sein Vater ist auch Stefan Schaffranek ein politischer Mensch. Seit 42 Jahren ist er in der Kulmbacher Kommunalpolitik eine feste Größe, sitzt seit 1984 für die WGK im Stadtrat und im Kreistag und war von 2007 bis 2018 Zweiter Bürgermeister. Etwas bewegen zu können für die Entwicklung seiner Stadt, hat ihm immer Freude gemacht, erzählt der 70-Jährige. Und das möchte er auch weiterhin tun.
Wer anderen Reisen verkauft, muss selbst viel unterwegs sein. Das sind alle Schaffraneks leidenschaftlich gerne. Viel haben sie schon erlebt: Stefan Schaffranek schwärmt von einer Antarktis-Kreuzfahrt, Melanie vom südlichen Afrika, Kristin von einer Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn. „Wir haben einen wunderschönen Job“, sagt Melanie Schaffranek. Ihre Freude am Entdecken von Ländern, Landschaften und Kulturen wollen die Tourismus-Expertinnen in dritter Generation noch an viele Menschen weitergeben.














