Nieselregen fällt, nur wenige Besucher bummeln über den Kulmbacher Herbstjahrmarkt. Bernhard Fröhlich steht in seinem Stand und zerlegt eine Schere in ihre Einzelteile. Damit sie wieder ordentlich schneidet, ist gründliche Arbeit nötig.
An der Schleifstation von Monika und Bernhard Fröhlich stapeln sich Messer, Scheren und Gartengeräte. Die Kunden haben für ein volles Auftragsbuch gesorgt. Viele wollen am Sonntag noch einmal kommen, um ihre geschärften Werkzeuge abzuholen. „Wir haben sehr viel zu tun und machen auch nach den offiziellen Marktzeiten noch weiter“, sagt Monika Fröhlich zufrieden.
Besucher bleiben bei Kulmbacher Herbstmarkt aus
So viel Betrieb herrscht nicht überall auf dem Herbstjahrmarkt. Während der Freitag gut angelaufen ist, bleiben am Samstag viele Besucher aus. Ein Gardinenhändler hat wegen des heftigen Windes bereits aufgegeben: Nachdem er seine Ware am Freitag immer wieder vor Wind und Regen schützen musste, ist sein Stand am Samstag verschwunden. Am Sonntag haben weitere Händler eingepackt. Zwischen den verbliebenen Ständen klaffen Lücken.
Christine Müller lässt sich vom Schmuddelwetter die Freude am Marktbummel trotzdem nicht verderben. Ein Grabgesteck und Socken hat sie schon gefunden. Eigentlich sucht sie noch einen Emailletopf. Der ist zwar nicht aufzutreiben, dafür lockt der nächste Stand: „Ich schaue jetzt noch mal zu den Antipasti.“ Frische Luft schnappen, ein bisschen stöbern und Angebote entdecken – für sie gehört das einfach dazu.
Auch Haushaltswarenhändler Thomas Feulner möchte sich nicht beklagen. „Freitag war gut, Samstag eher mäßig“, sagt er. Doch am Sonntag ist alles, was er anbietet, heiß begehrt.
Praktische Helfer in Kulmbach gefragt
Wer an seinen Stand kommt, kauft auch Gemüsehobel, Bürsten, Kochtöpfe und kleine praktische Helfer. Besonders gefragt sind preiswerte Kleinigkeiten wie Brillenputzer und Verschlüsse für Getränkedosen. Letztere waren schon auf dem Markt in Fürth ein Renner.
Zum ersten Mal dabei ist Sascha Graf mit seiner Frau und ihrem Stand „Traumholz“. Seine selbst gefertigten Schneidbretter kosten zwischen 80 und 250 Euro, auch Couchtische aus Echtholz hat er mitgebracht.
Trotz der überschaubaren Besucherzahl steht für ihn am Samstag fest: „Wir sind zufrieden.“ Künftig möchte er jährlich 15 bis 20 Märkte besuchen. „Wir kommen auf jeden Fall wieder“, verspricht er. Doch am Sonntag ist auch sein Standplatz bereits leer.
Sascha Graf mit Herbstmarkt zufrieden
Einen gelungenen Einstand erlebt Steffen Trauner aus Neustadt bei Coburg. Gemeinsam mit seiner Tante backt er fränkische Küchla – und muss am ruhigen Samstagnachmittag bereits zum zweiten Mal für Nachschub sorgen. Rund 200 Stück dürfte er selbst an diesem schwachen Markttag verkaufen.
Am Sonntag brummt das Geschäft. Zwar kann er mit der Nachfrage Schritt halten, doch viele Kunden warten mit dem ersten Bissen nicht einmal bis zu Hause: Noch warm schmecken die Küchla schließlich am besten. Beim Nachwuchs kommen die Quarkbällchen in lustigen Eiskönigin-Dosen an.
Letzter Herbstmarkt für Anne Frank
Für Anne Frank ist der Herbstmarkt 2026 ein Abschied aus Kulmbach. Mehr als 30 Jahre hat sie Tupperware verkauft, jetzt bietet sie ihre letzten Restbestände an. Von den Kunststoffschüsseln ist sie nach wie vor überzeugt. Für ihren letzten Auftritt hätte sie sich allerdings besseres Wetter gewünscht. Am Sonntag ist auch sie schon weg.
Das Wetter zeigt sich am Sonntag nicht besser. Das spüren auch die Einzelhändler, die zum verkaufsoffenen Tag ihre Geschäfte geöffnet haben. „Die Welt ist nicht los“, sagt Gudrun Stübinger vom Wäschetraum Kulmbach.
Lust auf Schlafanzugtag
Vor allem auswärtige Kunden hält das Wetter ihrer Einschätzung nach ab. Doch immer wieder kommen Paare, um Unterwäsche oder gemütliche Kleidung für zu Hause einzukaufen. Rabatte locken, Bademäntel und kuschelige Sachen sind gefragt. Irgendwie macht das Wetter tatsächlich Lust auf einen Schlafanzugtag.
Richtig viel los ist im Brautmodengeschäft von Sonja Hoier. Die Stammbacherin, die Braut- und Abendkleider verkauft und selbst entwirft, feiert das einjährige Bestehen ihres Ladens. „Ich freue mich, dass mich die Kulmbacher so gut aufgenommen haben. Ich kann mich nicht beklagen – im Gegenteil“, sagt die Modedesignerin und versprüht gute Laune.
Schon kommen wieder einige Damen, die für ihre Töchter einen Termin vereinbaren möchten. Denn geheiratet werden soll in einem Brautkleid, das Sonja Hoier zum Unikat macht.
Oase des Glücks
„Was nicht passt, wird passend gemacht“, lautet das Motto der Optimistin. Und so ist ihr Geschäft im Alltagsgrau eine Oase des Glücks.
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