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Stellungnahme
Heimatpfleger fordern Beteiligung bei Langgasse 9
Die Langgasse 9 mit „Kathrins Geschenkstadel“.  Das Haus ist verkauft worden. Der neue Besitzer will das historische Gebäude rückbauen und Studentenwohnungen errichten. Baubeginn soll im Mai oder Juni sein.
Die Langgasse 9 mit „Kathrins Geschenkstadel“. Das Haus ist verkauft worden. Der neue Besitzer will das historische Gebäude rückbauen und Studentenwohnungen errichten. Baubeginn soll im Mai oder Juni sein. // Uwe Franke
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Kulmbach – Der geplante Umbau von Kathrin's Geschenkestadel ruft die Heimatpfleger auf den Plan. In einer Stellungnahme machen sie ihre Postion klar. Worauf sie Wert legen.
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Zum Bericht „Kathrin`s  Geschenkstadel‘ soll umgebaut werden“ äußern sich in einer Pressemitteilung Uwe Franke, Harald Stark und Monsignore Rüdiger Feulner. Sie sind Kreisheimatpfleger des Landkreises und der Stadt Kulmbach

In der Stellungnahme äußern die drei: „Mit Erstaunen und großer Beunruhigung haben aus dem Bericht in der Bayerischen Rundschau vom 29. Juni von den weit fortgeschrittenen Plänen und Absprachen zur Langgasse 9 erfahren müssen.“

Bislang liege den Kreisheimatpflegern weder eine Rückmeldung auf ihre Anfragen noch eine Beteiligung zu den veröffentlichten Vorhaben vor, noch seien ihnen Unterlagen zur fachlichen Beurteilung zugegangen.

Durchaus Lob für Zielsetzung

„ Die Wiederbelebung historischer Bausubstanz und die Schaffung von neuem Wohnraum etwa für Studenten ist für die Kulmbacher Altstadt grundsätzlich begrüßenswerter“, heißt es in der Stellungnahme.

Die drei Kreisheimatpfleger Uwe Franke, Monsignore Rüdiger Feulner und Harald Stark
Die drei Kreisheimatpfleger Uwe Franke, Monsignore Rüdiger Feulner und Harald Stark // Wolfgang Schoberth

Damit historische Gebäude wie die Langgasse 9 jedoch ohne irreparable Verluste und ohne kostspielige Planungsfehler zukunftsfähig werden könnten, bedürfe es einer fachlich fundierten Reihenfolge: Die Formel „Erst untersuchen und verstehen, dann planen und bauen“ sei der einzig tragfähige Weg, um Kulmbachs historische Altstadt lebendig zu halten und gleichzeitig modernen Raumbedarf fachgerecht zu integrieren.

Die drei fahren vor: „Wir Kulmbacher können hier aus zahlreichen Beispielen in unserer Vergangenheit lernen. Wer ohne genaue Kenntnis der Substanz plant, baut auf Sand – und das wird im Denkmalbereich schnell extrem teuer. Nur wenn man dem Gebäude zuerst gründlich „auf den Zahn fühlt“, entstehen maßgeschneiderte Lösungen, die Alt und Neu perfekt verbinden.“

Das bewahre Kulmbachs Gesicht, schone die Nerven aller Beteiligten und bringe verlässliche Planungssicherheit für die Zukunft unserer Altstadt.

Das sagen die Denkmalpfleger über das Gebäude

Das Ensemble der Langgasse 9 birgt vom Keller bis zum Dach ablesbare Spuren aus fast 600 Jahren Stadtgeschichte, deren Ursprünge noch vor dem verheerenden Stadtbrand am Konraditag 1542 liegen. „Wer ein solches Haus verändert oder entkernt, ohne die Struktur vorher zu erfassen, vernichtet unwiederbringliches Erbe“, so die Stellungnahme.

Würden Bauforscher erst zum Dokumentieren gerufen, wenn der Rückbau bereits laufe, sei das Kind längst in den Brunnen gefallen. Die Baugeschichte müsse auch hier die Grundlage des Architekten bilden – und nicht erst im Bauschutt dokumentiert werden, äußern die drei.

Die Denkmalpflege wolle die wirtschaftliche Entwicklung auch dieses bedeutenden Kulmbacher Zeitzeugnisses „keineswegs behindern“. Ein Denkmal lebe von seinen angemessenen Veränderungen, denn erst seine funktionierende, sinnvolle Nutzung sichere seinen fortwährenden Erhalt.

Ziel müsse es jetzt sein, aus den bedenklichen Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen: Erst untersuchen, dann planen. Wer die Befundlage im Vorfeld kenne, spare Zeit, schone Ressourcen und schütze Kulmbachs baukulturelles Erbe.

Das Bayerische Denkmalschutzgesetz fordere eine vorgelagerte Befunderfassung nicht als Schikane, sondern als verlässliches Schutzschild für Bauherren, Investoren und die Stadtpolitik, so die Stellungnahme.

Heimatpfleger sehen drei Vorteile der Beteiligung

Wer die Hausaufgaben zu Beginn erledige, gewinne dreifach: Erstens werd das Genehmigungsverfahren drastisch beschleunigt, weil die Behörden auf klarer Faktenbasis entscheiden könnten. Zweitens blieben dem Investor teure Baustopps und nachträgliche Umplanungen erspart.

Und drittens liefere die Bauforschung oft erst die Inspiration für echt einzigartige Architektur – etwa wenn historische Fachwerke, alte Dielen oder Gewölbe bewusst sichtbar in moderne Wohnkonzepte integriert werden – „wie die zahlreichen gelungenen Beispiele nicht nur vom Ratskeller bis zum Kressenstein zeigen, die Kulmbach heute bereichern“, so die drei Heimatpfleger.

Die fachliche Linie des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege sei daher kein Bedenkenträgertum, sondern die beste Medizin für zügiges und wirtschaftliches Bauen. 

„Irreparable Bausünden in der Vergangenheit“

Kulmbach lebe von seinem unverwechselbaren Charakter, und seine Altstadt werde nur dann wieder richtig lebendig, wenn neues Leben in gesunden alten Mauern einzieht.

„Doch aus den bekannten früheren Baustellen wissen wir alle, wie schnell gute Absichten im Fiasko enden, wenn man den zweiten Schritt vor dem ersten macht. Halbe Sachen, übereilte Schnellschüsse und das Ignorieren der Bauhistorie haben Kulmbach in der Vergangenheit oft genug teure Lehren erteilt“, äußern die drei.

Damit sich genau das nicht wiederhole, gehöre die Bestandsaufnahme an den Anfang – nicht ans Ende. Dass eine frühzeitige, transparente Einbindung der Kreisheimatpflege kein Formalismus sei, sondern irreparable Schäden an unserer Baukultur verhindere, unterstrichen mehrere bedauerliche Entwicklungen in der Vergangenheit.

Solche Entscheidungen könnten ihre zukunftsorientierte Steuerungswirkung für die Kulmbacher Baukultur nur dann entfalten, wenn die bewährte Zusammenarbeit zwischen der Stadt, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Heimatpflege aktiv gelebt und die gesetzlich vorgesehene Beteiligung konsequent eingehalten werde.

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