Telefonaktion
Leser fragen: Was tun bei Schmerzen?
Am Klinikum Forchheim können künstliche Gelenke   mithilfe eines Roboterarms präzise eingesetzt werden.
Am Klinikum Forchheim können künstliche Gelenke mithilfe eines Roboterarms präzise eingesetzt werden.
Franka Struve
Chefarzt Dr. Uwe  Lehmann.
Chefarzt Dr. Uwe Lehmann.
Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz
Oberarzt Maximilian  Baier.
Oberarzt Maximilian Baier.
Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz
Irmtraud Fenn-Nebel von Irmtraud Fenn-Nebel Fränkischer Tag
Forchheim – Unsere Leser haben viele Fragen rund um Probleme mit Gelenken. Antworten gab es bei unserer Telefonaktion von zwei Experten aus Forchheim.

Viele Menschen werden von Beschwerden orthopädischer Art geplagt. Knie, Hüfte, Schulter, Hand – die Liste ist lang. Bei einer Telefonaktion dieser Zeitung konnten sich unsere Leser Rat von zwei Medizinern des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz holen.

Viele Interessenten nahmen das kostenlose Angebot eines vertraulichen Gesprächs wahr. Die Experten am anderen Ende der Leitung waren Dr. Uwe Lehmann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie und Hauptoperateur am Endoprothetik-Zentrum Forchheim, und Maximilian Baier, der als niedergelassener Arzt am Medizinischen Versorgungszentrum im Forchheimer Klinikum praktiziert.

Im Folgenden eine Zusammenfassung der Fragen und Antworten.

In meiner Handinnenfläche bilden sich Knoten und Stränge, muss das operiert werden?

Hierbei handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine gutartige Wucherung des Bindegewebes der Handinnenfläche (Dupuytren-Krankheit oder Morbus Dupuytren). Dabei bilden sich spontane Knoten, Stränge aber auch Haut-Einziehungen bis hin zu Versteifungen von Fingergelenken.

Die individuellen Verläufe sind sehr unterschiedlich. Es existieren nicht-operative Therapieansätze wie Bestrahlung oder die Nadelmethode (Nadelfasziotomie). Wenn es bei einem oder mehreren Fingern zu einer störenden Behinderung kommt, so kann durch eine geeignete Operation die Streckung der Finger meistens wieder erreicht werden.

Wann muss man eine Kalkschulter operieren?

Die Kalkschulter (Tendinosis calcarea) ist eine gutartige Erkrankung im Bereich der Schultersehnen, hauptsächlich im Bereich der Sehne des Obergrätenmuskels (Supraspinatussehne).

Hierbei kommt es aufgrund Minderdurchblutung zu schmerzhaften Kalkablagerungen,

welche sowohl Ruhe- als auch Bewegungsschmerzen in der betroffenen Schulter auslösen können.

Die Behandlung einer schmerzhaften Kalkschulter erfolgt in den meisten Fällen

nicht-operativ mittels Stoßwellentherapie, intensiver Physiotherapie (Dehnungsübungen) sowie schmerzstillenden Medikamenten. Hierunter kommt es oft zu einer spontanen Heilung.

Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg und der Patient leidet anhaltend unter starken Schmerzen, so wäre eine arthroskopische Operation mit Entfernung der Kalkdepots sowie Erweiterung des Raumes unter dem Schulterdach (Akromion)

angeraten. Hierbei zeigen sich die Kalkdepots oft mit einer Konsistenz ähnlich wie

eingetrocknete Zahnpasta.

Ich habe eine Geburtsskoliose, die Schmerzen ziehen vom Oberschenkel abwärts. Ich war schon bei mehreren Orthopäden, aber nichts hat geholfen. Was raten Sie mir?

Sport, Radfahren und Walking können helfen. Lassen Sie das auch beim Hausarzt abklären.

Seit einem Jahr hinke ich. Im Röntgenbild der Hüfte sieht man leichte Abnutzungen. Es wird mir immer Physiotherapie verschrieben, aber nichts hat bisher geholfen.

Es sollte nicht nur die Hüfte untersucht werden, sondern auch ausgeschlossen werden, dass die Beschwerden nicht möglicherweise von der Wirbelsäule oder vom Knie ausgehen. Sollte sich aus Röntgenbild und klinischen Untersuchungen keine klare Diagnose ergeben, kann eine Kernspintomographie Aufschluss geben.

Mein Vater braucht eine neue Hüfte, der Gelenkspalt ist völlig aufgebraucht. Er ist aber in Sorge wegen einer Narkose, da er nach Schlaganfall beeinträchtigt ist. Kann die Hüfte mit dem OP-Roboter eingesetzt werden und muss eine Narkose gemacht werden?

Bei einer Gelenkoperation, sei es das Hüft- oder das Kniegelenk, kann als alternativ weniger belastendes Verfahren die Rückenmarksnarkose angewendet werden. Bei der Hüftendoprothetik kann der OP-Roboter eingesetzt werden, bei der Kniegelenksprothese profitiert der Patient im Allgemeinen mehr von dieser Technik.

Meine Knie müssen beide operiert werden. Bin ich mit 84 Jahren zu alt für solch einen Eingriff? Wie groß ist die Erfolgsaussicht?

Auch in höherem Alter kann eine Operation zum Gelenkerhalt durchgeführt werden unter Berücksichtigung des Allgemeinzustandes und unter Einbeziehung der Begleiterkrankungen. Das Ziel ist auch hier, eine Schmerzfreiheit zu erreichen und eine Verbesserung der Lebensqualität zu ermöglichen.

Mir wurde vor neun Monaten ein neues Knie eingesetzt. Es wird immer noch dick und ist in der Bewegung stark eingeschränkt, obwohl ich Physiotherapie mache. Es tut weh und ist gerötet.

Zunächst sollte ein schleichender Infekt im Gelenk ausgeschlossen werden. Die von Ihnen geschilderten Beschwerden sind vermutlich auf vermehrte Vernarbungen im Gelenk, eine so genannte Arthrofibrose zurückzuführen. Nach einer gründlichen Untersuchung und Diagnosestellung kann ein Behandlungskonzept entwickelt werden.

 

Ich habe Knieschmerzen, es wird dick und ich habe keine Kraft im Gelenk. In der Kernspintomographie zeigte sich ein Meniskusschaden, das Knie ist abgenutzt. Jetzt trage ich eine Bandage und Einlagen, habe aber weiter Beschwerden.

Sie haben einen beginnenden Gelenkverschleiß mit Abnutzung des Knorpels und zusätzlicher Schädigung des Meniskus. Es ist abzuklären, ob eine Gelenkspiegelung notwendig ist. Sollten zudem noch Achsabweichungen im Sinne eines X- oder O-Beines bestehen, ist als gelenkerhaltender Eingriff auch an eine Begradigung der Beinachse zu denken, um die Last von der bereits abgenutzten Gelenkfläche auf die noch gesunde Gelenkfläche der Gegenseite zu verlagern. Je nach Situation kann auch ein Teilgelenkflächenersatz, eine Schlittenprothese, in Frage kommen.

Wie lange hält eine künstliche Hüfte? Mir wurden vor sechs Jahren auf der einen und vor 18 Jahren auf der anderen Seite neue Gelenke eingesetzt. Ich habe keine Probleme.

Die Standzeiten der Prothesen werden üblicherweise mit 15 bis 20 Jahren angegeben. Sie können jedoch individuell sehr unterschiedlich ausfallen, je nach Beanspruchung der Prothese insbesondere durch ein deutlich erhöhtes Körpergewicht, ungeeignete Sportarten oder vermehrte körperliche Belastung im Beruf.

Zertifizierte Klinik

Das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz wurde  durch EndoCert im Jahr 2014 zertifiziert und durchläuft  seitdem jährliche Audits. „Dadurch wird ein Höchstmaß an Patientensicherheit und Versorgungsqualität gewährleistet“, sagt Chefarzt Uwe Lehmann. Weitere Infos gibt es  unter 
https://endofo.org und  https://www.klinikumforchheim.de/abteilungen-experten/zentren/endoprothetikzentrum.
Prinzip des MakoMit dem Mako-System  kann  das Prothesenbett exakt gesägt werden. Vorher wird die Prothese exakt positioniert und zu Beginn der Operation noch eine Feinabstimmung der Bänderspannung vorgenommen. Zuerst wird eine spezielle Planungs-Computertomografie (CT) angefertigt, die die individuelle Anatomie des Patienten erfasst. Das daraus resultierende 3D- Modell dient als Planungsgrundlage der Prothese. Während der Operation nutzt der Operateur die roboterarmunterstützte Technologie zum Sägen des Prothesenbetts. Bei einer Abweichung von der Planung stoppt der Sägevorgang automatisch. Keine Bänder- oder Nervenstrukturen können beschädigt werden. Die OP wird von den gesetzlichen Kassen bezahlt.

Konservative Therapie der Arthrose

Zunächst Abklärung der Ursachen mit erhöhtem Körpergewicht, das soweit möglich reduziert werden sollte. Oft kann dadurch eine Operation noch hinausgezögert werden. Es empfiehlt sich, Schuhe mit Luftpolster zu tragen, die die schmerzhaften Stöße des festen Untergrunds dämpfen und über den Tag die Belastung erleichtern. Bei vermehrter körperlicher Belastung durch die Arbeit Versuch der Umsetzung oder andere berufliche Tätigkeit. Gelenkverschleiß durch entzündliche Erkrankungen wie z.B. Rheuma abklären und hier die medikamentöse Therapie optimieren. Sportliche Betätigung zum Erhalt der Gelenkbeweglichkeit und der Muskulatur, dabei Sportarten wie z.B. Radfahren oder Schwimmen ausüben, die gelenkschonend sind. In Rücksprache mit dem Hausarzt die Schmerzmedikation absprechen. Bei Fehlstellung der Beinachse wie einem O-Bein oder X-Bein kann durch eine Korrektur der Achse eine Prothese hinausgezögert oder sogar vermieden werden. Wie Arthrose konservativ behandelt werden kann ist in der  AWMF-Leitlinie Gonarthrose zusammengefasst: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-050.

Alternative Behandlung

Es können Injektionsbehandlungen durchgeführt werden mit Cortison zur Behandlung der Entzündungsreaktion, d.h. der Reizung der Gelenkschleimhaut im Gelenk oder durch Hyaluronsäure kann in einem frühen Stadium des Gelenkverschleißes der Knorpel wiederaufgebaut werden.

Aufbaupräparate

Es werden Präparate angeboten die entweder Glucosamin oder Chondroitinsulfat enthalten mit oder Zusatz von Vitaminen und Spurenelementen. Die Erfolge werden in der Literatur unterschiedlich bewertet – siehe auch o.g. AWMF-Leitlinie.

Schmerzmedikamente

Standardmäßig werden Medikamente aus der antiphlogistisch wirkende Medikamente wie z.B. Ibuprofen oder Diclophenac verwendet, die sowohl entzündungshemmend als auch schmerzlindernd wirken. Hier sollte jedoch hinsichtlich Nebenwirkungen vorher mit dem Hausarzt Rücksprache gehalten werden. Hier ist Vorsicht geboten bei Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Magenenschleimhautentzündung etc..
Stellenwert von KrankengymnastikZiel ist einen Muskelabbau zu verhindern, wenn möglich sogar aufzubauen, um die Stabilität des Gelenkes zu verbessern. Zudem Übungen zur Koordination und Erhalt der Gelenkbeweglichkeit.

Termin zur OP

Zunächst Vereinbarung eines Termins zur Vorstellung und Untersuchung mit etwa 2 Wochen Wartezeit. Wird dort die Indikation zur OP gestellt kann dann der Eingriff geplant werden, der dann in 3 - 4 Wochen durchgeführt werden kann.
KrankenhausaufenthaltJe nach Ausgangsbefund im Durchschnitt 7 – 10 Tage, dies kann individuell nach oben oder unten abweichen. Der Patient muss auf jeden Fall rehafähig sein, d.h. er muss sich selber auf der Ebene bewegen können und auch Treppensteigen können.

Reha ja oder nein?

Eine Reha-Behandlung, ob ambulant oder stationär, wird den Patienten empfohlen. Sobald der OP-Termin bekannt ist, sollte baldmöglichst Kontakt mit unserem Sozialdienst aufgenommen werden, damit die Reha-Reservierung vorgenommen wird und die Reha dann möglichst direkt im Anschluss des stationären Aufenthaltes begonnen wird.

Dauer der Krankschreibung

Der berufliche Ausfall hängt vom Beruf ab, bei geringerer körperlicher Belastung wie z.B. Schreibtischtätigkeit kann durchaus nach 2 Wochen wieder begonnen werden, bei starker Beanspruchung kann der Ausfall 8-10 Wochen dauern.

Zeitpunkt der OP

Dies ist individuell mit jedem Patienten zu besprechen. Entscheidungskriterien sind die Röntgenbilder und die vorhandenen Beschwerden. Es ist in diesem Zusammenhang wichtig, auch mögliche andere Erkrankungen einzubeziehen oder auch auszuschließen, die einen operativen Eingriff beeinflussen können. Wenn sich letztendlich die Lebensqualität soweit verschlechtert hat, dass durch konservative Maßnahmen dies nicht mehr zu kompensierten ist, sollte man sich für den Eingriff entschließen.

Alter

Auch in höherem Alter kann eine Operation zum Gelenkerhalt durchgeführt werden unter Berücksichtigung des Allgemeinzustandes und unter Einbeziehung der Begleiterkrankungen. Das Ziel ist auch hier eine Schmerzfreiheit zu erreichen und eine Verbesserung der Lebensqualität zu ermöglichen.

Sport

Die Sportarten, die zuvor ausgeübt wurden, können in der Regel nach der Operation auch wieder durchgeführt werden. Zurückhaltend sollte man jedoch sein bei Sportarten mit Körperkontakt oder jene, die eine sehr starke Belastung oder ein vermehrtes Risiko für das Gelenk bedeuten. Tennisspielen z.B. ja, aber keine Spitzenbelastung wie ein Weltklassespieler, u.a. Wimbledongewinner, wie neulich in den Medien berichtet.
Komplikationen Über die allgemeinen und speziellen Komplikationen des operativen Eingriffs für eine Knie- oder Hüft-TEP wird der Patient im Rahmen der Aufklärung ausführlich informiert, diese treten jedoch in der Regel selten auf. Der Patient kann durch sorgfältige Vorbereitung vor der OP, d.h. gute medikamentöse Einstellung bei Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Hypertonus dazu beitragen, das Risiko für Komplikationen zu vermindern.

Infekt

Ein Gelenkinfekt nach Prothesenimplantation ist für den Patienten eine starke Belastung und zieht eine länger dauernde Behandlung nach sich. Bei einem früh auftretenden Infekt kann die Prothese in den meisten Fällen noch gerettet werden, bei einem Spätinfekt muss die Prothese in der Regel entfernt werden und wenn es gelingt den Infekt zu beherrschen kann eine neue Prothese implantiert werden.

 

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