Klischee oder wahr?
10 Dinge, die typisch Franken sind
Wo die fränkische Flagge weht, fühlen Unter-, Ober- und Mittelfranken sich wohl.
Wo die fränkische Flagge weht, fühlen Unter-, Ober- und Mittelfranken sich wohl.
Foto: Archiv
Ansbach – In Ansbach läuft die große Landesausstellung „Typisch Franken?“. Doch was ist ursprünglich fränkisch? Ein Chef-Historiker kennt die Antwort.

Typisch Franken? Bratwurst, Fachwerk, Dialekt? Was davon ist Klischee, was Wirklichkeit? Antworten auf diese Fragen will jetzt die Bayerische Landesausstellung „Typisch Franken?“ geben.

In der Orangerie im mittelfränkischen Ansbach beleuchten zahlreiche Exponate und Mitmachstationen das Besondere an der Region und die kulturgeschichtliche Vielfalt Frankens. Zweieinhalb Jahre haben die Verantwortlichen die Schau geplant und konzipiert. Ausstellungschef Rainhard Riepertinger vom Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg erklärt, welche zehn Dinge besonders typisch für Franken sind.

Rainhard Riepertinger
Rainhard Riepertinger
Foto: privat

1. Bratwurst als Nationalgericht

„Eine Ausstellung über Franken ohne Bratwurst ist unvorstellbar“, sagt Historiker Rainhard Riepertinger. Das Spannende: „Jede Region hat ihre eigene Bratwurst.“ So ist die herkunftsgeschützte „Nürnberger Bratwurst“ neun Zentimeter lang, wird aus feinem Schweinebrät hergestellt und in Schafsdarm abgefüllt.

Mit zwölf bis 16 Zentimetern ist die normale „Fränkische Bratwurst“ deutlich größer, sagt Riepertinger. Die Schau geht auf die Verschiedenheit der Bratwürste in Ober-, Mittel- und Unterfranken ein.

Die Bratwurst gehört zu Bayern, wie das Amen in die Kirche. Doch es gibt Unterschiede.
Die Bratwurst gehört zu Bayern, wie das Amen in die Kirche. Doch es gibt Unterschiede.
Foto: Fotos: Diana Fuchs, Fabian Gebert, Nicolas Armer, Ursula Düring, Anderlohr Karl, Stadt Bad Kissingen, Fotolia, Robert Haaß, Nicolas Armer, Marc Huter, HdBG/F. Schöllhorn

2. Die Reichsstädte

Egal ob Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber, Weißenburg, Schweinfurt, Dinkelsbühl oder Bad Windsheim – Franken ist und war geprägt von seinen Reichsstädten, sagt der Ausstellungsleiter. „Bereits im Mittelalter stiegen diese sechs Städte zur Reichsstadt auf und profitierten fortan vom Schutz des kaiserlichen Wappens.“

Frei von den Zwängen der feudalen Ordnung entwickelten sich die Städte zu kulturellen Zentren, in denen das Bürgertum stolz seine Unabhängigkeit mit stattlichen Bauten zum Ausdruck brachte und in denen die Wirtschaft prosperierte. „Typisch fränkisch ist genau diese kulturgeschichtliche Vielfalt“, sagt Riepertinger. Charakteristisch war im Mittelalter und der frühen Neuzeit die „Kleinstaaterei“.

Franken ist und war geprägt von seinen Reichsstädten
Franken ist und war geprägt von seinen Reichsstädten
Foto: Fotos: Diana Fuchs, Fabian Gebert, Nicolas Armer, Ursula Düring, Anderlohr Karl, Stadt Bad Kissingen, Fotolia, Robert Haaß, Nicolas Armer, Marc Huter, HdBG/F. Schöllhorn

3. Der Adel

Der Adel hat die fränkische Region von jeher stark geprägt – und prägt sie immer noch. Allein 200 mittelalterliche Burgen sind hier bekannt. Und etwa ein Viertel aller Burgen und Schlösser in Franken ist noch in Privatbesitz und wird von ihren Eigentümern, die meist immer noch dem Adel angehören, bewohnt.

Etwa ein Viertel aller Burgen und Schlösser in Franken ist noch in Privatbesitz
Etwa ein Viertel aller Burgen und Schlösser in Franken ist noch in Privatbesitz
Foto: Fotos: Diana Fuchs, Fabian Gebert, Nicolas Armer, Ursula Düring, Anderlohr Karl, Stadt Bad Kissingen, Fotolia, Robert Haaß, Nicolas Armer, Marc Huter, HdBG/F. Schöllhorn

4. Die Fürstbischöfe

Fürstbischöfe waren nicht nur ranghohe geistliche Führer, sie besaßen als Herrscher über ein eigenes Territorium auch politische und militärische Macht. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation standen sie im Rang von Reichsfürsten.

Franz Ludwig Freiherr von und zu Erthal war von 1779 bis zu seinem Tod Fürstbischof von Würzburg und Bamberg. „Er nannte sich sogar Herzog von Franken“, sagt Riepertinger. Wie sehr die Gegend um Bamberg und Würzburg vom Katholizismus geprägt war, ist ebenfalls Thema der Ausstellung.

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Wie sehr die Gegend um Bamberg und Würzburg vom Katholizismus geprägt war, ist Thema der Ausstellung.
Foto: Fotos: Diana Fuchs, Fabian Gebert, Nicolas Armer, Ursula Düring, Anderlohr Karl, Stadt Bad Kissingen, Fotolia, Robert Haaß, Nicolas Armer, Marc Huter, HdBG/F. Schöllhorn

5. Chic und mondän: Bäderwesen

Bad Kissingen war im 19. Jahrhundert ein echtes Weltbad: „Die Prominenz der ganzen Welt traf sich hier zur Kur, angefangen vom Zaren bis hin zur Kaiserin Sisi“, sagt Riepertinger. Auch Otto von Bismarck, der erste deutsche Reichskanzler, kam 15-mal zur Kur in das unterfränkische Städtchen.

„Morgens Steak, abends Eis, dazu reichlich Champagner – der stressgeplagte Bismarck litt an Übergewicht, Gastritis und Gicht.“ Auf seinen Kuren ließ Bismarck sich jedes Mal publikumsträchtig wiegen. Die original Bismarck-Waage wird in der Ausstellung gezeigt, sie ist eine Leihgabe des Museums Obere Saline in Bad Kissingen.

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Bad Kissingen war im 19. Jahrhundert ein echtes Weltbad.
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6. Der Dialekt: wo das P ein B ist

Natürlich darf der fränkische Dialekt nicht fehlen: Heißt es nun „Knörzla“ oder „Gnezla“, „Baggala“ oder gar „Ranfterl“? An einer Hörstation ist das Endstück vom Brotlaib ein Thema. Das letzte Stück wird in Franken je nach Region völlig unterschiedlich bezeichnet.

„Unter Fränkisch werden die Dialekte Ober-, Mittel- und Unterfrankens verstanden, die sich deutlich vom Altbairischen und vom Schwäbischen unterscheiden“, so Riepertinger. Gemeinsam sei allen, dass die Buchstaben „P“ und „T“ quasi nicht existieren.

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Die unterschiedlichen Dialekte sind ebenfalls ein Thema.
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7. Wein und Bier

Allein in Oberfranken gibt es 170 Brauereien. Nirgendwo sonst in Europa findet man eine so große Dichte an Brauereien wie in Franken. Aus Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser wird in Traditionsbrauereien sowie in kleineren und kleinsten Haus-Brauereien fränkisches Bier gebraut.

Unterfranken dagegen ist eng mit dem Weinanbau verbunden. Woher kommt die Weinsorte Müller-Thurgau? Was hat es mit dem Bocksbeutel auf sich? Auch diese Fragen möchte die Landesausstellung beantworten.

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Unterfranken ist eng mit dem Weinanbau verbunden.
Foto: Fotos: Diana Fuchs, Fabian Gebert, Nicolas Armer, Ursula Düring, Anderlohr Karl, Stadt Bad Kissingen, Fotolia, Robert Haaß, Nicolas Armer, Marc Huter, HdBG/F. Schöllhorn

8. Die Kirchweih

„In vielen Orten Frankens ist die Kirchweih eine eigene Jahreszeit und hat einen hohen Stellenwert“, sagt Riepertinger. Bei der Kirchweih – „Kärwa“, „Kerm“… – wurde ursprünglich die Einweihung einer Kirche oder der Namenstag des Heiligen, dem die Kirche geweiht ist, gefeiert.

Daraus haben sich meist mehrtägige Volksfeste entwickelt. Viele alte Bräuche sind auch heute noch erhalten – vom Kirchweihbaumklettern in Gunzenhausen bis hin zum Plan-Tanz in Gochsheim.

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„In vielen Orten Frankens ist die Kirchweih eine eigene Jahreszeit und hat einen hohen Stellenwert“, sagt Riepertinger.
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9. Das Selbstverständnis

Natürlich geht es auch um das Verhältnis zwischen Bayern und Franken. „Immer wieder hört man von einem Gefühl der Benachteiligung. Daher haben wir versucht, dieses Thema aufzugreifen und historisch zu hinterfragen“, erklärt der Historiker.

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Das spannende Verhältnis von Bayern und Franken.
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10. Der Fasching:

Brauchtum und Quotenbringer

„Fastnacht in Franken“, die Prunksitzung des Fastnacht-Verbands Franken und gleichnamige Sendung des Bayerischen Rundfunks aus Veitshöchheim, ist jedem ein Begriff. Ist Fasching also typisch fränkisch? Die Landesausstellung geht besonderen Fastnachtsbräuchen auf den Grund.

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Die Landesausstellung geht besonderen Fastnachtsbräuchen auf den Grund.
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Die Landesausstellung :Typisch Franken?

Die Bayerische Landesausstellung findet bis 6. November in Ansbach statt – in der Orangerie, Promenade 33, und in der Stadtkirche St. Gumbertus, Johann-Sebastian-Bach-Platz 5. Sie ist täglich von 9  bis 18 Uhr geöffnet.

Infos im Internet: www.hdbg.de

Eintrittspreise: Erwachsene 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Freien Eintritt haben Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, Studierende sowie Mitglieder des Freundeskreises Haus der Bayerischen Geschichte.

Katalog: Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: „Typisch Franken?“, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2022, 29,95 €, ISBN 978-3-7917-3343-2 (Hdgb, clk)

 

Mehr Infos zur Ausstellung: 

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