Doch warum schaute der Kanadier Ethan Katzberg nur zu, obwohl er weder verletzt noch krank ist? Angeblich wollte der aktuell weltbeste Hammerwerfer nicht die Mauer des Edeka-Marktes gefährden, die bei etwa 82 Metern am Ende des Wurfsektors steht. Merlin Hummel glaubt aber, dass Katzberg, mit dem er seit einem gemeinsamen Trainingslager in Portugal gut befreundet ist, einfach mal eine Pause brauchte. Zumal es beim Sparkassen-Meeting in Fränkisch-Crumbach, einem international drittklassigen Meeting, auch keine Antrittsgage oder Preisgelder gab.
Der Weltmeister und Olympiasieger war aber trotzdem mit in das kleine Odenwaldstädtchen gereist, weil der Rest seiner aktuell durch Europa tingelnden Trainingsgruppe um Trainer Dylan Armstrong dort am Start war. Wie etwa der Niederländer Denzel Comenentia, den Merlin Hummel schon im Vorfeld als seinen schärfsten Konkurrenten im Kampf um den Sieg ausgemacht hatte. So sollte es auch kommen. Der 29-jährige Niederländer warf nach zwei ungültigen und zwei mäßigen Versuchen (70,68 und 72,17) den 7,26 Kilo schweren Hammer auf 78,01 Meter – Saisonbestleistung und WM-Norm. Dahinter folgten die beiden Chilenen Humberto Mansilla (76,49) und Gabriel Kehr (75,68) sowie der Brite Jake Norris (74,91).
Merlin Hummel konnte aber keiner nur annähernd das Wasser reichen. Denn der für die LG Stadtwerke München startende Kulmbacher unterstrich auch in Fränkisch-Crumbach seine derzeitige Sahne-Form. Gleich der erste Versuch, wie immer ein Sicherheitswurf, brachte ihm eine Weite von 77,72 Meter.
Dann kratzte er mit 79,69 und 79,13 Metern zwei Mal an der magischen 80-Meter-Marke, die er schließlich im fünften Versuch überbot. Und so deutlich wie noch nie in seiner Karriere. Hummels Hammer landete bei 81,23 Metern, was ihn in der Weltrangliste von Platz 6 auf 3 katapultierte.
Damit verbesserte er seine erst zwei Wochen alte persönliche Bestleistung um mehr als einen Meter. Besser als Hummel waren in diesem Jahr weltweit nur Ethan Katzberg (82,73) und der Olympia-Achte Yann Chaussinand aus Frankreich zwei Mal (81,91 und 81,56). Nebenbei: der Weltrekord von Juri Sedych (Sowjetunion) aus dem Jahr 1986 liegt bei 86,74 Metern.
Hummel ist achtbester Deutscher
Merlin Hummel pulverisierte damit auch den 19 Jahre alten Meeting-Rekord von Markus Esser (80,32 Meter). Und in der ewigen deutschen Hammerwurf-Bestenliste kletterte Merlin Hummel von Rang 12 auf Rang 8. 81,23 Meter sind nebenbei die beste Weite eines deutschen Hammerwerfers seit 23 Jahren.
Merlin Hummels Trainer Martin Ständner vom UAC Kulmbach war Augenzeuge des neuen Rekordes. „Merlin hat sich schon schön eingeworfen, dann einen super Wettkampf hingelegt und sich klasse gesteigert“, sagt der 69-Jährige. Ständner hofft nur, dass sein Schützling „sich die Konstanz um die 80 Meter erhalten kann – und natürlich gesund bleibt“. Deswegen werde man nach einem stressigen Programm mit vier Wettkämpfen in zwei Wochen nun eine Pause einlegen, „um endlich wieder mal richtig trainieren zu können“.
Auch Merlin Hummel freut sich nun wieder auf den Trainingsalltag auf der beschaulich liegenden Wurfanlage in Stadtsteinach. „Ich werde jetzt bis zur Team-EM in zwei Wochen wieder einen schönen Aufbau machen.“
Schon beim ersten Wurf hatte Merlin Hummel gemerkt, „dass da heute Power da ist“. Nachdem er von Versuch zu Versuch „ein paar Kleinigkeiten geändert“ habe, ließ er dann den bislang besten Wettkampfwurf seiner Karriere vom Stapel. „Zum Glück hat das Wetter gerade noch gehalten. Ich habe gleich gemerkt, dass er weit geht.“ Als es beim sechsten Versuch schon regnete, wollte er eigentlich nicht mehr in den Ring steigen, entschied sich dann aber doch, dem Publikum noch einen Wurf zu zeigen. Der landete schließlich bei 75,27 Metern.
Etappenziel ist nahe
Eigentlich wäre sein Rekordwurf sogar mehr wert gewesen. Doch weil es am Ende der Wurf-Anlage in Fränkisch-Crumbach kurz vor dem Edeka auch noch etwas den Berg hoch geht, landete Hummels Hammer eben etwas früher. „Könnte sein, dass das ein paar Zentimeter gekostet hat“, sagt der Kulmbacher, der es aber verschmerzen kann. Denn schon mit den 81,23 Meter ist er seinem nächsten persönlichen Etappenziel einen Riesenschritt näher gekommen: „Ich will mich heuer unter den Top 5 der Welt etablieren.“
Weltrekord bei den Frauen
Auch bei den Frauen wurden in Fränkisch-Crumbach Weltklasse-Leistungen geboten. Siegerin wurde die chinesische Olympia-Dritte Jie Zhao mit persönlicher Bestleistung von 76,60 Metern. Ihre Landsfrau Jiale Zhang stellte als Zweite mit 75,14 Metern sogar einen neuen U20-Weltrekord auf. Beste Deutsche war Aileen Kuhn mit 70,77 Metern als Fünfte.
Weitere Kulmbacher am Start
Im U20-Wettbewerb war Merlin Hummels Bruder Matti am Start. Sein großes Ziel in Fränkisch-Crumbach war, möglichst sechs gültige Würfe im Sektor zu platzieren. Der 18-Jährige schaffte das fast bis auf einen Versuch und wurde mit 67,25 Metern zufriedener Vierter. „Die Power ist bei Matti da, jetzt muss er noch stabiler im Training werden“, sagte der große Bruder. Die Norm für die U20-EM in Finnland von 69 Metern hatte Matti schon vorher erfüllt. Bester Deutscher dieser Altersklasse ist aktuell Timo Port (SV Go! Saar 05), der in Fränkisch-Crumbach mit guten 73,72 Metern triumphierte.
Kai Konopacki vom UAC Kulmbach belegte im Hammerwurf der U18 mit 57,11 Metern Rang 5, Linus Liebenwald wurde in der U23 mit 57,06 Metern Siebter.















