Der Kulmbacher, der sich Mai in Halle in den elitären Kreis der 80-Meter-Werfer vordrang, startet am Sonntag in Fränkisch-Crumbach (Baden-Württemberg) im Odenwald beim Sparkassen-Meeting. Auch Olympiasieger Ethan Katzberg wird vor Ort sein - aber nur als Zuschauer. Und zwar weil am Ende des Wurfsektors schon nach etwa 83 Metern die Wand eines Edeka-Marktes steht. Und die könnte der Kanadier genauso demolieren wie sein 7,19 Kilo schweres Sportgerät, sollte er seiner persönlichen Bestweite von 84,38 Meter nahe kommen. Der Stadionrekord in der Betty-Heidler-Arena stellte vor 19 Jahren Markus Esser mit 80,32 Metern auf.
Diesmals ist Merlin Hummel der einzige 80-Meter-Werfer im zwölfköpfigen Teilnehmerfeld. Seinen größten Kontrahenten sieht der Kulmbacher in Denzel Comenentia. Dem musste er sich erst in dieser Woche bei den Trond-Mohn-Games in Norwegen, einem stark besetzten Einladungs-Meeting, geschlagen geben. Der Niederländer, dessen persönlicher Rekord bei 79,04 Metern liegt, warf in Bergen mit 77,23 Metern Saisonbestweite und wurde Dritter.
Weil in Bergen genug Platz nach hinten war, stand auch Ethan Katzberg im Ring – und war natürlich wieder mal eine Klasse für sich. Der für seine ultraschnellen Drehungen bekannte Kanadier warf trotz der Kälte in Skandinavien 80,15 Meter und verwies den US-Amerikaner Rudy Winkler (78,99) auf Platz 2. Neben Comenentia knackte auch der Norweger Thomas Mardal (77,12) die 77-Meter-Marke, die Merlin Hummel als Fünfter mit 76,87 Metern knapp verpasste. Nur drei seiner sechs Versuche waren gültig. Doch immerhin flog sein Hammer jedes Mal über 76 Meter weit: 76,47 Meter beim ersten Wurf, 76,56 beim vierten und 76,87 beim fünften.
Der Kulmbacher haderte etwas mit den äußeren Bedingungen in Bergen. „Es waren gefühlt nur drei Grad Celsius, dann war der Ring rutschig und ich hatte die Anzeigetafel des Stadions genau auf Augenhöhe. Das hat mich bei meinen Drehungen schon gestört“, sagt Hummel, der aber für die gewonnene Erfahrung sehr dankbar ist. „Ich habe einige Sachen mitgenommen und werde daran arbeiten. Es kann ja nicht nur die ganze Zeit aufwärts gehen.“
Genau aus diesem Grund haben sich er und sein Trainer Martin Ständner dazu entschieden, vier Wettkämpfe in nur 14 Tage zu packen – so viele wie noch nie in seiner Karriere. „Wir wollen bewusst mal Stresssituationen ausprobieren. Und es ist interessant, wie sich diese Reize auf mein Leistungs-Niveau auswirken und wie mein Körper mit dem Wettkampf-Volumen zurecht kommt“, erklärt Merlin Hummel.
Weiter und konstanter
Nach seinem überraschenden 4. Platz bei der EM 2024 und dem achtbaren 10. Rang bei den Olympischen Spielen in Paris hat der Kulmbacher nun noch einmal einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. „Die meisten Würfe gehen heuer weiter als letztes Jahr“, freut sich Merlin Hummel. Dazu sind Weiten-Ausreißer nach unten inzwischen eine absolute Seltenheit.
Auch die Nerven bekommt Hummel immer besser in den Griff. So landete in diesem Jahr sein Hammer schon mit dem ersten Sicherheitsversuch zumeist über 76 Meter. „So eine Weite gibt Sicherheit und sollte eigentlich immer fürs Finale reichen“, sagt der 23-Jährige.
Bock auf Top-Niveau
Das Merlin Hummels starkes Jahr 2024 keine Eintagsfliege war, haben die Konkurrenten längst kapiert. „Man merkt bei den Wettkämpfen schon, dass man inzwischen etabliert ist“, meint der Kulmbacher, der auch „richtig Bock“ hat, sich auf Top-Niveau zu messen – und auch wirklich nur noch da. Zumal sein 80-Meter-Wurf ihm die Tür zu den ganz großen Einladungswettkämpfen geöffnet hat, bei denen nicht nur Anreise und Hotel übernommen werden, sondern bei denen es auch noch ordentlich Antritts- und Platzierungsprämien gibt. So bekam er für seine 79,31 Meter und Platz 2 beim 7. Irena-Szewinska-Memorial in Bydgoszcz (Polen) vor einigen Tagen immerhin 4000 Euro plus 1000 Euro Startgeld. „Man macht es ja nicht wegen Geld, aber es freut einen schon und ist eine schöne Belohnung für die letzten Jahre“, sagt Merlin Hummel.
Auch in Polen blieb er mit 79,31 Metern zum wiederholten Mal über seiner Vorjahres-Bestweite von 79,25 Metern. Sieger Mykhaylo Kokhan aus der Ukraine warf nur etwa einen halben Meter weiter. Insgesamt waren acht Werfer am Start, darunter auch die ehemaligen Weltmeister und Olympiasieger, Pawel Fajdek und Wojciech Nowicki. Doch die beiden 36-jährigen Polen lagen mit 76,35 (Fajdek) und 70,19 (Nowicki) weit hinter Hummel.
In der Weltjahresbestenliste liegt der seit heuer für die LG Stadtwerke München startende aber weiter in Stadtsteinach trainierende Hummel auf Rang 6. Das Ticket zur WM im September in Japan hat er längst in der Tasche.
Nächstes Ziel: Madrid
Nach dem Wettkampf in Fränkisch-Crumbach ist für Merlin Hummel der Reisestress erstmal vorbei. Nach zwei Wochen Training mit Martin Ständner reist er zur Team-EM (23. bis 25. Juni) nach Madrid.












