Als wir Merlin Hummel drei Tage vor dem Wettkampf in Halle in der Sauna der Therme Obernsees treffen und ihn nach seiner Form fragen, grinst er vielsagend. Und verrät : "Es kann dort weit gehen, die 80 Meter hab ich im Training schon geworfen." Es war keine Aufschneiderei, denn bei den traditionsreichen Werfertagen in Sachsen-Anhalt knackt der Kulmbacher tatsächlich erstmals in seiner Karriere die magische Marke. Mit 80,11 Metern gehört der 23-Jährige nun zur absoluten Weltspitze.
Die sechstbeste Weite weltweit in diesem Jahr ist gleichzeitig die erste eines Deutschen seit 18 Jahren über 80 Meter. Als bislang letzter Deutscher hatte Markus Esser im August 2007 über 80 Meter (80,68) geworfen. Mit seiner neuen persönlichen Bestleistung kletterte Hummel auf Rang 12 der deutschen Hammerwurf-Bestenliste. Der deutsche Rekord von Ralf Haber (Magdeburg) aus dem Jahr 1988 liegt bei 83,40 Metern.
"Ich bin mit einem guten Gefühl und entspannt in den Wettkampf gegangen", schildert Merlin Hummel seine Gemütslage vor dem international stark besetzten Meeting in Halle. Bereits im ersten Versuch, bei dem der 7,26 Kilo schwere Hammer auf ordentliche 76,52 Metern flog, merkte er, "dass da heute was kommen kann".
Gleich mit dem zweiten Wurf verbesserte der Kulmbacher, der seit dieser Saison für die LG Stadtwerke München startet, seine bisherige persönliche Bestweite von 79,25 Metern um elf Zentimeter. Und dann ließ es der Sportsoldat so richtig krachen. Mit 80,11 Metern erfüllte er sich mit erst 23 Jahren schon seinen Lebenstraum, einmal über 80 Meter zu werfen. "Den nächsten Wurf, der leicht außerhalb des Sektors landete, hätte ich sogar noch einmal weiter geschätzt", berichtet Merlin Hummel. Seine vierte gültige Weite war die dritte an diesem Tag über 79 Meter (79,75) und erneut eine der absoluten Weltklasse.
Olympiasieger Katzberg siegt
Die 80,11 Meter reichten aber nicht zum Sieg, weil mit Ethan Katzberg der Olympiasieger von Paris 2025 in Halle am Start war. Der gleichaltrige Kanadier, der schon 84,38 Meter weit geworfen hat, schnappte sich mit seiner Jahresbestleistung von 81,22 Metern Platz 1. Zehn Zentimeter hinter Merlin Hummel landete der US-Amerikaner Rudy Winkler in Halle auf dem 3. Rang.
Hummels Trainer Martin Ständner sprach hinterher von einem "Top-Wettkampf" seines Schützlings. Ständner freute sich nicht nur über die grandiose Weite, sondern auch, "dass er sie in einem Top-Feld geworfen hat.
Für Merlin Hummel war es nicht nur wegen seiner Weltklasse-Weite ein Wettkampf zum Genießen. "Die Stimmung war mega, das Publikum in Halle hat richtig Gas gegeben und das Teilnehmerfeld war echt gut." Nun trainiert er wie immer bei seinem Heimtrainer Martin Ständner auf der Wurfanlage in Stadtsteinach, ehe er am 3. Juni zum nächsten Meeting nach Bergen in Norwegen fliegt. Die nächsten Wettkämpfe kann er nun noch lockerer angehen, hat Hummel doch mit 80,11 Metern das Ticket für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft im Herbst in Tokio bereits in der Tasche. Dann will er nach Platz 10 bei seinen ersten Olympischen Spielen 2024 in Paris der Weltelite noch näher kommen.
Sein 80-Meter-Wurf von Halle könnte sich auch finanziell auszahlen. Nämlich als Eintrittskarte zu den Diamond-Meetings der Leichtathletik sein, zu denen nur die Weltbesten eingeladen werden und bei denen es ordentliche Preisgelder gibt. "Es gibt jetzt schon einige interessante Angebote, sogar aus den USA. Aber wir müssen schauen, wie es in den Wettkampfkalender passt und dass Merlin nicht verheizt wird", sagt sein Trainer Martin Ständner.













