Merlin Hummel ist einer von 76 Leichtathleten unter den 462 Sportlern, die der Deutsche Olympische Sportbund für die Spiele vom 26. Juli bis 11. August in der französischen Landeshauptstadt nominiert hat, 47 davon als Ersatz. Der Kulmbacher wird am Freitag, 2. August, im Pariser Olympiastadion zur Qualifikation für das Hammerwurf-Finale antreten. Die deutschen Olympioniken geben sich derzeit in der Messe Düsseldorf die Klinke in die Hand erhalten sie doch dort die offizielle Einkleidung für das Team D. Einen Großteil der Klamotten können auch Otto-Normal-Sportler kaufen, etwa über die DOSB-Seite teamdeutschland.de.
Merlin Hummel reiste am Sonntag mit dem Zug nach Düsseldorf, um sich seine Ausrüstung abzuholen. "In der Messe war wenig los", sagt der 22-Jährige, der neben Sören Klose auch einen Boxer, eine Weitspringer und Kugelstoßerin traf. Zwei Stunden dauerte die Ankleide nebst Foto-Shooting - dann machte sich der Kulmbacher Leichtathlet mit "zwei dicken Taschen voll und insgesamt etwa 80 Teilen wie T-Shirts, Pullis, Brillen oder Rucksäcken" wieder auf die Heimreise. "Es war ganz cool, doch manche Kleidungsstücke sind einfach nicht für mich gemacht, sondern wohl eher für Läufer. Und die Jogginghosen haben eher nach Wintersport ausgeschaut", schmunzelt Hummel, der sich aber nicht beschweren will. "Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul." Vor Paris bekommen alle deutschen Olympioniken sogar noch ein brandneues Handy.
Die Heimfahrt allerdings entwickelte sich für den 22-jährigen Kulmbacher zur Odysee. "Mein ICE war völlig überfüllt, kein Platz mehr frei. Ich musste fünf Stunden stehen, war hinterher ziemlich fertig", berichtet Merlin Hummel, der zudem noch voll bepackt war.
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Am nächsten Tag ging die Reise von Kulmbach schon wieder weiter nach Ungarn, wo Merlin Hummel erstmals in seiner Karriere zu einem Leichtathletik-Meeting der höchsten Kategorie (A) eingeladen war. Beim Gyulai Istvan Memorial in Székesfehérvár ging es auch um 10.000 Euro Preisgeld. Die Prämie schnappte sich erwartungsgemäß der derzeit alles überragende Hammerwerfer, der Kanadier Ethan Katzberg, mit dem Merlin Hummel seit einem gemeinsamen Trainingslager im Frühjahr in Portugal gut befreundet ist. "Ethan ist einfach ein krasser Athlet. Vier von fünf Würfen waren über 80 Meter", berichtet Merlin Hummel. Der amtierende Weltmeister siegte schließlich mit 81,87 Metern vor dem Ukrainer Mykhaylo Kokhan (80,50) und Europameister Woyciech Nowicki (Polen/79,36). Vierter wurde Bence Halacz (Ungarn/78,81) vor Ex-Weltmeister Pawel Fajdek (Polen/76,60) und Merlin Hummel, der seine Bestweite von 74,37 Metern schon im zweiten Versuch erzielte.
"Es war recht heiß und ich war etwas zu verkrampft, wollte vielleicht zu viel", erklärt der Kulmbacher. Doch habe er nach den Reisestrapazen der vergangenen Tage auch eine gewisse Müdigkeit verspürt. Dennoch habe sich die Teilnahme für ihn gelohnt, meint Hummel. "Es war wieder eine Erfahrung mehr für mich und ein weiteres Wettkampf in einem starken Teilnehmerfeld", sagt der22-Jährige. Dass er zum jetzigen Zeitpunkt nicht an seine Bestweite von 79,23 Metern herankommen würde, war Merlin Hummel von vornherein klar. "Mein Training ist voll auf Paris ausgelegt."
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Auch Sören Klose fährt nach Paris
Bei der Olympia-Einkleidung in Düsseldorf traf Merlin Hummel auch Sören Klose. Denn sein Dauerrivale sprang trotz der verpassten WM-Norm von 78,20 Metern noch in letzter Sekunde auf den Zug nach Paris auf. Der 21-Jährige hatte sich am letzten Tag, an dem man sich für Paris qualifizieren konnte, in Braunschweig den Deutschen Meistertitel geholt und den favorisierten Merlin Hummel, bester deutscher Hammerwerfer 2024, auf Platz 2 verwiesen.
Dank der Bonuspunkte, die es für den nationalen Titel gibt, verbesserte sich Klose noch von Rang 38 auf 33 der Weltrangliste. Weil vor ihm ein Russe und ein Weißrusse liegen, die von den Olympischen Spielen ausgeschlossen sind, rutschte er gerade noch so ins Feld der 32 bei Olympia startberechtigten Hammerwerfer. Am vergangenen Wochenende holte sich Sören Klose mit 74,10 Metern auch noch den deutschen U23-Titel vor Torben Schaper (69,09) und Kai Hurych (KSV Fürth), der Bestleistung von 66,89 Metern warf.
„Ich kann es kaum glauben, aber ich bin natürlich total happy. Für mich wird ein Traum wahr. Ich habe vor meinem Computer gesessen und drei Mal die Webseite mit der Liste aktualisiert. Sie hat sich nicht mehr verändert“, sagte Klose nach seiner Nominierung freudestrahlend seiner Heimatzeitung, dem Mindener Tageblatt.
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Sören Klose tritt damit in die Fußstapfen von Mutter Kirsten Münchow, die vor 24 Jahren ebenfalls in Braunschweig Deutsche Meisterin wurde und sich für die Olympischen Spiele in Sydney qualifizierte, wo sie sogar Bronze holte. Merlin Hummels Heimtrainer Martin Ständner kennt Kirsten Münchow bestens, hat er sie doch in den neunziger Jahren als Bundestrainer betreut. Auch Sörens Vater Holger Klose war ein deutscher Spitzen-Hammerwerfer, schleuderte vor rund 20 Jahren beim Meeting in Stadtsteinach sein Sportgerät über die Weltklasse-Weite von 78 Metern.
Martin Ständner freut sich, dass sein Schützling in Paris nicht der einzige deutsche Starter ist. "Dass sich Sören ebenfalls qualifiziert hat, ist gut fürs deutsche Hammerwerfen. Gerade für die Stimmung an den Tagen vor dem Wettkampf ist es gut, wenn Merlin nicht alleine ist, zumal sich beide sehr gut verstehen. Am Wettkampf macht aber natürlich jeder sein Ding."
Merlin Hummel und Sören Klose sind die ersten deutschen Hammerwerfer seit 2008, die sich für Olympische Spiele qualifizieren konnten. Bei den Spielen in Peking 2008 kam Markus Esser im Finale mit 77,10 Metern auf Rang 9.








