Der dritte Wettkampftag der WM begann schon sehr gut für den Deutschen Leichtathletik-Verband, denn Amanal Petros holte im Marathon überraschend Silber. Dabei lag er auf der Zielgeraden noch deutlich vorne, ehe er auf dem letzten Meter Gold um winzige 0,03 Sekunden verlor.
Gegen 3.45 Uhr deutscher Zeit am Montagmorgen stieg dann der Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel in der zweiten Qualifikationsgruppe in den Ring. In der ersten hatten sich Mikhailo Kokhan (Ukraine) mit 78,42 Metern, Eivind Henriksson (Dänemark) mit 77,70 Metern und Bence Halasz (Ungarn) mit 77,34 Metern das große „Q“, also die sichere Qualifikation für das Finale der besten Zwölf, geschnappt. Dafür waren 76,50 Meter gefordert. Allesamt keine Überraschungen.
Dagegen reichte es für den mit der fünftbesten Weite 2025 angereisten Franzose Yann Chaussinand nicht. Der 81-Meter-Werfer kam in der Quali nur auf 75,46 Meter – Platz 6 in der Gruppe B und am Ende Rang 14 gesamt. Einer der fünf heißesten Medaillenkandidaten ist damit schon raus.
Sicherheitswurf reicht
Obwohl es eine Stunde später noch schwüler und heißer war, zeigte sich Merlin Hummel ganz cool. Der 23-Jährige, der für die LG Stadtwerke München startet, schleuderte bereits mit seinem ersten, gewöhnlich einem Sicherheitswurf, die 7,26 Kilo schwere Kugel weit über die fürs Finale geforderte 76,50-Meter-Linie auf 78,54 Meter. Damit hatte er das Ticket für den Endkampf der besten Zwölf am Dienstag ab 14 Uhr deutscher Zeit in der Tasche und keine weiteren Versuche nötig.
Hummels Weite bedeutete am Ende Rang 3 unter den 36 gestarteten Athleten. Besser waren nur Titelverteidiger und Olympiasieger Ethan Katzberg aus Kanada mit starken 81,58 Metern und der polnische Altmeister Pawel Fajdek mit 78,78 Metern. Knapp hinter Hummel landete der mit 83,18 Metern beste Werfer dieses Jahres, der Ungar Bence Halasz, auf Rang 4 der Qualifikation.
Technisch nicht schön, aber weit
Schon wenige Minuten nach seinem einzigen Qualifikationswurf stand Merlin Hummel live in der ARD am Mikrofon bei Claus Lufen. Der Moderator staunte ob der großen Lockerheit des Kulmbachers. Doch Hummel sagte: „Die Versuche beim Einwerfen waren alle sehr locker, doch der erste im Wettkampf war ein wenig ruppig. Aber es hat ja gereicht. Die ganz weiten Würfe machen wir dann morgen."
Auch im Trainingslager vor der WM in Miyazaki seien die Würfe zwar weit gegangen, „technisch aber nicht schön“ gewesen, meint Hummel. Schließlich verdrehe er nach wie vor bei der Drehung etwas die Schulter. Selbstkritik eines Perfektionisten auf höchstem internationalen Niveau.
Schon zwei Stunden nach dem Wettkampf lag Merlin Hummel auf der Massagebank unter den Händen seines mitgereisten Physiotherapeuten Fares Day. Der schwärmte von dem „wunderschönen Olympiastadion mit vielem Grün drumherum“. Und Hummel war natürlich nach dem perfekten WM-Start bester Laune und zeigte sich sehr selbstbewusst: „Ich wusste, dass ich das draufhabe.“ Auf weitere Versuche in der Qualifikation habe er verzichtet, „um Körner fürs Finale zu sparen“.
Dass es zum Endkampf der besten Zwölf am Dienstagabend japanischer Zeit noch 27 Grad Celcius und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit haben kann, schreckt den Kulmbacher nicht, zumal er sich wieder mit einer Kühlweste wappnen will. „Es kann kommen was will. Wir haben jetzt eine Woche im Süden Japans in Miyazaki trainiert. Schlimmer als die Luftfeuchtigkeit dort kann es auch nicht werden.“
Finale am Dienstag ab 14 Uhr live im ZDF
Für das Finale hofft Merlin Hummel, „in angespanntem Zustand entspannt zu bleiben“, wie er den deutschen Leichtathletik-Fans zur nachtschlafenden Zeit gegen 4 Uhr morgens mitteilte. Mental scheint der Kulmbacher derzeit so stabil wie nie zu sein. „Das bekomme ich derzeit richtig gut hin.“ Zumal ja nun der größte Druck schon weg sei. „Denn die Quali ist immer am anstrengensten“, wie Hummel sagt.
Wer ihn wie ARD-Moderator Claus Lufen derzeit zu seinen Chancen auf eine WM-Medaille anspricht, bekommt vom Kulmbacher immer die gleiche Antwort: „Wenn ich einen geilen Wettkampf mache, kann ich richtig weit werfen. Damit wäre ich zu 100 Prozent zufrieden. Was die anderen machen, kann mir erst einmal wurscht sein.“
Merlin Hummel verriet außerdem, dass er in der Nacht einen "wilden Traum hatte". "Ich habe geträumt, dass ich zwei Stunden nicht geschlafen habe. Und dann dachte ich: Nein, ich muss jetzt sofort auf zum Wettkampf! Und genau da hat mein Wecker geklingelt, da dachte ich mir: Wenn man so in den Tag startet, wird es ein geiler Tag!"
s war mir klar, dass Katzberg und der Amerikaner das große Q werfen. Ich habe allen noch viel Glück gewünscht,
Das WM-Finale der Hammerwerfer ist am Dienstag ab 14 Uhr live im ZDF zu sehen. Dabei gibt es einen neuen Modus. Nach drei Durchgängen bekommen die besten zehn der zwölf Athleten einen vierten Versuch, dann die besten acht einen fünften und schließlich sechs Werfer noch einen sechsten Wurf.
Ergebnis Qualifikation Hammerwerfen und Finalteilnehmer: 1. Ethan Katzberg (Kanada) 81,85, 2. Pawel Fajdek (Polen) 78,78, 3. Merlin Hummel 78,54, 4. Bence Halasz (Ungarn) 78,42, 5. Eivind Henriksen (Norwegen) 77,70, 6. Rudy Winkler 77,46, 7. Thomas Mardal (Norwegen) 77,34, 8. Mykhaylo Kokhan (Ukraine) 77,33, 9. Armin Szabados (Ungarn) 77,20, 10. Trey Knight (USA) 76,40, 11. Daniel Raba (Ungarn) 76,21, 12. Denzel Comenentia (Niederlande) 75,91.















