Seit 2022 ist Merlin Hummel der beste deutsche Hammerwerfer. Doch nur einmal war er seitdem Deutscher Meister. 2023 gab der Kulmbach seine Startkarte zu spät ab - Disqualifikation. Sören Klose nutzte das Missgeschick und schnappte sich ebenso den Titel wie 2024, als der favorisierte Merlin Hummel einem harten Aufbautraining in Hinblick auf die Olympischen Spiele Tribut zollen musste. 74,37 Meter, fast fünf Meter hinter seiner damaligen Bestweite, reichten nur zu Silber.
Bei der "Deutschen" am Wochenende in Dresden war Hummel nicht nur wegen des verletzungsbedingten Fehlens von Sören Klose haushoher Favorit. Mit seinem neuen persönlichen Limit von 81,27 Metern zählt der Kulmbacher inzwischen zur absoluten Weltspitze in seiner Disziplin. Schon mit seinem ersten Wurf - wie immer ein Sicherheitsversuch - auf 76,11 Meter hätte er sich locker Gold geholt. Denn die Konkurrenz war einfach zu schwach. Für die Silbermedaille, die sich Tim Steinfurth (LG Eppstein-Kelkheim) mit 68,67 Metern holte, musste man nicht mal 70 Meter weit werfen. Bronze ging mit 67,37 Metern an Lukas Winkler (LAC Erdgas Chemnitz). International sind diese Weiten drittklassig.
Nach drei Fehlversuchen konnte sich der Kulmbacher in Dresden aber doch noch steigern. So landeten seine Würfe 5 und 6 jeweils auf der WM-Norm-Linie von 78,20 Meter. Über seine Tagesbestweite von 78,17 Meter, fast zehn Meter weiter als der Zweite, zeigte sich Merlin Hummel auch durchaus zufrieden. "Man hat gemerkt, dass Power da ist, obwohl wir zuletzt hart trainiert haben."
Kulmbacher Hummel bei Deutscher Meisterschaft
Der seit diesem Jahr für die LG Stadtwerke München startende Merlin Hummel genoss nicht nur die "tolle Atmosphäre" im Stadion, sondern auch das gestiegene Interesse der Öffentlichkeit im Hammerwerfen, was einzig und allein dem Kulmbacher mit seinen Weltklasse-Würfen von über 81 Meter in diesem Jahr zu verdanken ist. "Es ist schon schön, dass der Hammerwurf wieder mehr Präsenz bekommt", sagt Sportsoldat, der nach seinem Sieg am Stand der Bundeswehr unzählige Autogrammwünsche befriedigen musste und bei den Medien ein viel gefragter Interview-Partner war.
Merlin Hummel wollte den rund 10.000 Zuschauern im nagelneuen Heinz-Steyer-Stadion von Dresden eigentlich einen 80-Meter-Wurf schenken. Quasi als Dank für die "mega Stimmung in einem geilen Stadion", wie der Kulmbacher sagte. Doch wie schon zuletzt bei der Universiade in Wattenscheid, wo Hummel Silber gewann, leistete er sich technische Fehler und setzte gleich drei fast identische Versuche links ins Netz. "Ich habe die Schulter zu früh weggezogen. Daran muss ich arbeiten", weiß Merlin Hummel, der diese Defizite zuletzt im Training eigentlich im Griff hatte. "Die Stabilität aus dem Training muss ich bis zur WM noch in den Wettkampf rüberbringen."
Sechs Wochen hat Merlin Hummel dafür noch Zeit, ehe es zum Saisonhöhepunkt nach Tokio (Japan) geht, wo sich vom 13. bis 21. September die besten Leichtathleten der Welt messen. Sein Trainer Martin Ständner hofft, dass Hummel seine technischen Probleme schon bis zur Generalprobe am 12. August im Griff hat. Dann startet er beim Leichtathletik-Grand-Prix in Budapest. "Bis zur WM ist nicht mehr so viel Zeit. Wir müssen jetzt jeden Tag nutzen und Lockerheit reinbringen", sagt Hummel.
Sein Trainer Martin Ständner war mit Hummels Weite von Dresden nicht unzufrieden. "Für das harte Training zuletzt war es ganz gut. Außerdem hat es im Stadion Gegenwind gegeben, der durchaus einen Meter kosten kann." Zudem sei es schwierig, sich zu motivieren, wenn die Konkurrenz fehlt. "Es ist schon etwas anderes, ob du den Zuschauern etwas zeigen willst oder ob du gegen Konkurrenz wirfst", meint der erfahrene Trainer.
Mit Linus Liebenwald hatte Martin Ständner noch einen zweiten Schützling im Hammerwurf-Wettbewerb am Start. Der Student bot bereits im ersten Versuch seine beste Leistung (57,26 Meter), blieb damit aber drei Meter hinter seiner Jahresbestweite von 60,50 Meter. Das bedeutete unter neun Teilnehmern Rang 8, womit Liebenwald nicht zufrieden war.
Matti Hummel bei der U20-EM
Merlins jüngerer Bruder Matti Hummel ist am Montag mit der deutschen U20-Nationalmannschaft nach Finnland geflogen, wo in dieser Woche die Jugend-Europameisterschaft stattfindet. Der 18-Jährige startet am Donnerstag in die Hammerwurf-Qualifikation. Ziel ist ein Platz im Finale einen Tag später.














