Der Kulmbacher, der seit diesem Jahr für die LG Stadtwerke München startet, warf damit vier Zentimeter weiter als vor zwei Wochen in Fränkisch-Crumbach, wo er mit 81,23 Metern erstmals in seiner Karriere die 81-Meter-Marke geknackt hatte."Die Power war da, ich wusste, da geht auf jeden Fall viel. Und ich bin froh, dass ich bei dieser Temperatur und der Länge des Wettkampfs so performen konnte", bilanzierte Merlin Hummel.
Besser war im Estadio Vallehermoso in Madrid nur einer: der ukrainische Olympia-Dritte Mikhailo Kokhan, der im vierten Versuch mit 81,66 Metern ebenfalls eine persönliche Bestweite erzielte. Dritter wurde der Olympia-Zweite Bence Halasz aus Ungarn mit 80,63 Metern vor dem Franzosen Yann Chaussinand, der als Zweiter der Weltjahresbestenliste (81,91) und damit als Favorit angereist war, in Madrid aber mit 78,45 Metern weit unter seinen Möglichkeiten blieb. Der fünffache Weltmeister Pawel Fajdek aus Polen leistete sich gar drei ungültige Versuche.
Merlin Hummel startete mit einem ungültigen Versuch in den Wettbewerb, was er darauf zurückführt, dass die Hammerwerfer aus zeitlichen Gründen nur einen Einwurf-Versuch bekamen. Der zweite Versuch, ein Sicherheitswurf, landete bei 77,35 Metern. Die Weite reichte schon locker, um ins Finale der besten Sechs zu kommen. "Ich habe versucht, mir die Energie einzuteilen und bei jedem Wurf fünf bis zehn Prozent draufzulegen", berichtet Hummel.
Kühlweste gegen die Hitze
Im dritten Versuch kratzte der Kulmbacher mit 79,63 Metern an der 80-Meter-Marke, die er bei den jüngsten Wettkämpfen fast immer knacken konnte. Nach einem weiteren ungültigen Versuch schleuderte Hummel dann das 7,26 Kilo schwere Sportgerät auf 81,27 Meter - so weit wie bislang noch nie in einem Wettkampf. Dabei sei er angesichts der Hitze von 32 Grad, gegen die er sich in den Wurfpausen mit einer Kühlweste wappnete, schon etwas müde gewesen. "Der Wurf hat sich gar nicht so krass angefühlt, ich war bei der Kraft vielleicht nur bei 80 Prozent", berichtet Merlin Hummel.
Die vier Besten konnten nach ihrem letzten Versuch nur kurz verschnaufen, durften sie doch noch ein sechstes Mal in den Ring. Merlin Hummels Hammer flog erneut deutlich über die 80-Meter-Marke - aber der Kampfrichter hob erneut die rote Fahne. Wieder ungültig. "Er war wieder sehr weit, aber ich hatte leider nicht mehr die Energie, den Wurf zu halten. Aber es zeigt, was noch kommen kann...", sagt der 23-Jährige in der festen Überzeugung, dass er noch lange nicht an seiner Leistungsgrenze angekommen ist.
Hummel hofft noch auf eine Medaille
Auch wenn er nach einem "spannenden Wettkampf super stolz" ist, "zu den Leistungsträgern" im deutschen Team zu gehören, richtet Merlin Hummel seine Gedanken schon wieder Richtung Zukunft. "Ich denke schon wieder ganz viel darüber nach, was ich noch besser machen könnte." Doch im gleichen Moment ermahnt er sich auch, den bislang besten Wettkampf seiner Karriere auch ein bisschen zu genießen. "Ich sollte mich erstmal darüber freuen, wie es hier bei dieser Temperatur und der Länge des Wettkampfes gelaufen ist", weiß der Sportsoldat.
Merlin Hummel wird erst am Montag wieder nach Hause fliegen und dann wieder bei seinem Heimtrainer Martin Ständner auf der Wurfanlage in Stadtsteinach trainieren. Die beiden restlichen Wettkampftage der Team-EM will Hummel im Stadion verfolgen und die Mannschaftskollegen anfeuern, um nach einem verpatzten Auftakt - Stabhochspringer Torben Blech blieb ohne gültigen Versuch - vielleicht doch noch eine Medaille zu ergattern. Merlin Hummels 15 Punkte waren bei der Aufholjagd eine immense Unterstützung.
Ergebnis Hammerwerfen Männer: 1. Mykhaylo Kokhan (Ukraine) 81,66, 2. Merlin Hummel 81,27, 3. Bence Halasz (Ungarn) 80,63, 4. Yann Chaussinand (Frankreich) 78,45, 5. Volodymyr Myslyvcuk (Tschechische Republik) 75,38, 6. Giorgio Olivieri (Italien) 72,90, 7. Decio Andrade (Portugal) 72,35, 8. Denzel Comenentia (Niederlande) 71,79; 9. Ragnar Carlsson (Schweden) 70,80, 10. Lars Wolfisberg (Schweiz) 70,54.











