Spannender hätte das Saisonfinale der Internationalen GT Open 2024 kaum laufen können. Denn die punktgleich nach Monza angereisten Titelkandidaten Christopher Haase und Simon Reicher im Eastalent-Audi R8 LMS evo II und Alessio Deledda im Oregon-Lamborghini lieferten sich bis kurz vor Schluss des abschließenden Rennens über 500 Kilometer ein packendes Duell um den Gesamtsieg.
Das schließlich erst durch ein meisterliches Überholmanöver von Christopher Haase entschieden wurde. „Ich wusste, dass ich da vorbeimusste“, schildert der 37-jährige Audi-Werksfahrer über die Situation, als er auf den zu dem Zeitpunkt zweitplatzierten Lamborghini von Marzio Moretti auffuhr. Denn Haase war sofort klar, dass der Italiener ihn ausbremsen wollte, damit sein deutlich langsamer als Haase auf Rang 4 folgender Oregon-Teamkollege Jordan Pepper, der sich mit Alessio Deledda auf dem Fahrsitz abwechselte, wieder zum Kulmbacher aufschließen konnte. „Das Rennen stand da auf des Messers Schneide“, sagt Haase. „Ich musste volles Risiko gehen.“
Und sein hoher Einsatz zahlte sich aus. Nach einem harten Überholmanöver auf einer Geraden, bei dem sich die beiden Fahrzeuge touchierten, war Haase tatsächlich am Italiener Moretti vorbei und konnte seinen Vorsprung auf den Hauptkonkurrenten Pepper wieder ausbauen. Der Oberfranke versuchte sogar noch, den führenden McLaren des Schotten Dean McDonald anzugreifen, weil er Angst hatte, dass auch er ihn aufhalten könnte. Doch von diesem Risiko sah Christopher Haase dann ab, denn Jordan Pepper war wegen Reifenproblemen sechs Minuten vor dem Ende plötzlich aus seinem Rückspiegel verschwunden. Damit war der Titelkampf entschieden, Christopher Haase konnte Platz 2 und den Titelgewinn stressfrei nach Hause.
Schederndorfer-Chef an der Strecke
„Das war ein Weltklasse-Manöver von Christopher und hat das Rennen entschieden“, analysiert sein Mentor und Förderer Uwe Isert Haases Überholmanöver. Während Isert das Rennen von Monza per Livestream in Kulmbach verfolgte, war Konrad Will hautnah dabei. Der Chef der gleichnamigen Brauereigaststätte in Schederndorf hatte sich mit neun anderen Motorsport-Freaks von Oberfranken nach Italien aufgemacht, um dem Eastalent-Team die Daumen zu drücken.
Und natürlich floss nach dem Triumph im Gästezelt der Österreicher das Schederndorfer Bier in Strömen. „Christopher ist natürlich ein Ass als Rennfahrer. So elegant und perfekt wie er seine Linien auf der Strecke fährt, sieht man bei keinem anderen“, zeigt sich Konrad Will stark beeindruckt von den Fahrkünsten des Kirchleusers.
Simon Reicher hatte das 500-Kilometer-Rennen von Startplatz 2 in Angriff genommen. Wie alle Top-Teams setzten sie auf glatte Slick-Reifen, obwohl der 5,3 Kilometer lange traditionsreiche Kurs in der Lombardai nahe Mailand noch nicht abgetrocknet war. „Es war am Anfang bei den Bedingungen schon heikel, denn wir wollten ja das Auto nicht verlieren“, sagt Teamchef Peter Reicher. Er gibt auch zu, dass er sich schon etwas Sorgen machte, als sein Sohn auf Rang 14 zurückfiel und zeitweise 18 Sekunden Rückstand auf die großen Titelrivalen Pepper/Deledda hatte. „Sie waren auf nasser Strecke einfach schneller als wir mit unserem Trocken-Setup auf dem Audi“, erklärt Haase.
Doch als die Strecke dann trocken war, kam die Zeit des Eastalent-Audis. „Dann ist unser Auto perfekt gelaufen“, sagt Peter Reicher. Auch Christopher Haase lobt die Strategie: „Wir haben gepokert, die Ruhe bewahrt und hatten dann im Trockenen die beste Pace. Am Ende haben sich alle unsere Entscheidungen als richtig erwiesen.“
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Eastalent-Team leistet perfekte Arbeit
Christopher Haase bezeichnet den Erfolg als „Ergebnis der harten Arbeit des gesamten Teams, der Anstrengungen, die jeder hineingesteckt hat, aber auch des großartigen Zusammenhalts“. Die beiden Eastalent-Fahrer brachten den Audi unfallfrei durch die gesamte Saison. Und auch das Team mit den Ingenieuren und Mechanikern leistete nahezu perfekte Arbeit, denn das Rennfahrzeug fiel nur ein einziges Mal wegen eines technischen Defekts an den Bremsen (in Hockenheim) aus.
Mit dem Triumph beglich das Eastalent-Team auch eine alte Rechnung, wurde doch Haase/Reicher im Vorjahr nach einem Protest eines Konkurrenten nachträglich der Sieg aberkannt. „Es ist schon eine Genugtuung, dass wir es allen zeigen konnten“, gesteht Peter Reicher, den der verlorene Titelgewinn von 2023 noch lange wurmte. Nun kann er mit dem FIA-Sportgericht seinen Frieden schließen.
Für das erst 2022 gegründete Eastalent-Team war es eine nahezu perfekte Saison, hatten doch Haase und Reicher im Januar in Dubai gleich ihr erstes gemeinsames 24-Stunden-Rennen gewonnen. Auch für Christopher Haase könnte es noch eine fast perfekte Saison werden. Denn der 37-jährige Kulmbacher will sich im November auch noch den Titel in der Langstrecken-Wertung (Endurance) der FIA GT World Challenge Europe sichern.
Vor dem letzten Rennen Ende November in Jeddah in Saudi-Arabien liegen Haase, Ricardo Feller und Alex Aka mit allen Chancen auf Rang 3. „Wer das gewinnt, ist der Sieger“, sagt Haase. Zuvor startet er zudem noch beim GT-Weltcup in Macau, wo er für das asiatische Phantom-Audi-Team fahren wird.
In der FIA GT World Challenge Europe würde auch Peter Reicher mit seinem Eastalent-Team gerne starten. Zwei Gaststarts in dieser Serie heuer verliefen jedenfalls vielversprechend. Wohin die Reise der Österreicher 2025 führen wird, hängt auch von Christopher Haase ab. Der Kulmbacher sondiert gerade seine Zukunftsperspektiven, läuft doch Ende des Jahres sein Vertrag als Audi-Werksfahrer aus. „Wir haben schon jede Menge Anfragen von Fahrern, ob wir nicht ein zweites Auto einsetzen“, verrät Peter Reicher.
Allerdings möchte er den familiären Charakter seines Teams ungern gefährden. „Natürlich würden wir gerne mit Christopher weitermachen, denn er ist ein wichtiger Baustein in unserem Team, von dem wir alle noch viel lernen können. Aber letztlich muss er selbst die Entscheidung treffen, wie es weitergeht“, sagt Peter Reicher.
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Doch zunächst muss Christopher Haase erst einmal in den Geldbeutel greifen, um ein Versprechen einzulösen. „Ich habe mich vor der Saison hinreißen lassen und dem gesamten Team versprochen, ihnen die Flüge für einen Mallorca-Trip zu zahlen“, verrät der Kulmbacher. Also heißt es bald für die Eastalent-Crew: Sangria statt Schederndorfer.
















