0
Kulmbacher Hammerwerfer
Merlin Hummels Olympia-Debüt: Platz 10 im Hammerwerfen
Paris 2024 - Leichtathletik
Merlin Hummel fiebert dem ersten internationalen Wettkampf 2025 entgegen. // Michael Kappeler, dpa
Olympia
Paris/Kulmbach – Merlin Hummel hat bei seinen ersten Olympischen Spielen den respektablen Platz 10 im Hammerwerfen erreicht. Der Hüne vom UAC Kulmbach war damit aber nicht zufrieden.

Der Kulmbacher, der sich als Zwölfer der Qualifikation gerade noch so für das Finale qualifiziert hatte, schleuderte den Hammer am Sonntagabend vor rund 70.000 Zuschauern im Stade de France in Paris auf 76,03 Meter. Das waren 1,36 Meter zu wenig, um drei weitere Versuche zu erhalten.

Merlin Hummel startete mit einer ordentlichen Weite ins Finale. 74,85 Meter bedeuteten nach den ersten zwölf Werfern Platz 9.

Weltmeister und Top-Favorit Ethan Katzberg dagegen knallte gleich eine Wahnsinns-Weite raus: 84,12 Meter, fast sechs Meter weiter als der Ukrainer Mykhaylo Kokhan in seinem ersten Versuch. Auf Platz 3 folgte Altmeister Pawel Fajdek aus Polen mit 78,01 Metern, der noch in der Quali große Probleme hatte und sich erst mit dem letzten Wurf unter die besten Zwölf geschoben hatte.

Paris 2024 - Leichtathletik
Der Kulmbacher Merlin Hummel belegte bei den Olympischen Spielen in Paris Rang 10 im Hammerwerfen. // Michael Kappeler (dpa)

Hummel steigerte sich im zweiten Versuch auf 76,03 Meter, konnte sich aber nicht mehr verbessern.  Etwa ein halber Meter fehlte ihm auf den  Kanadier Rowan Hamilton, der den wichtigen 8. Platz belegte. Denn die besten acht Werfer erhielten drei weitere Versuche.

Nach dem zweiten Durchgang führte weiter Ethan Katzberg vor Kokhan, der sich auf 79,39 Meter steigerte, und Eivind Henriksen aus Norwegen (79,18). 

Dritter Versuch ist ungültig

Dann der dritte Durchgang, die letzte Chance für Merlin Hummel, sich noch unter die besten Acht zu schieben. Der 22-jährige Kulmbacher wusste, dass er an die 78 Meter werfen musste, um sich noch zu verbessern. Eine Weite, die er eigentlich drauf hat, steigerte er doch heuer bei der EM in Rom seine Bestweite auf 79,25 Meter. Doch der Hummels Hammer übertraf gerade mal die 75-Meter-Marke. Dass der Kulmbacher übertrat, spielte keine Rolle mehr. Das Abenteuer Olympia war für den 22-Jährigen beendet. Platz 10 ist aber für Merlin Hummel ein weiterer Achtungserfolg nach dem 4. Rang bei der Europameisterschaft.

Heike Schweens (links), Alexander Kubalek und Caspar Schweens (von rechts) trafen Merlin Hummel nach dem Olympia-Finale im Stade de France.
Heike Schweens (links), Alexander Kubalek und Caspar Schweens (von rechts) trafen Merlin Hummel nach dem Olympia-Finale im Stade de France. // privat

Der Kulmbacher war aber damit nicht zufrieden:. "Es wäre mehr drin gewesen", sagte er kurz nach seinem Wettkampf. "Technisch waren meine Würfe suboptimal. Das muss ich in den Griff bekommen." Für eine genaue Analyse sei es aber noch zu früh. "Mir schwirren gerade so viele Dinge im Kopf herum."

Lesen Sie auch:

Auch sein in Kulmbach gebliebener Heimtrainer Martin Ständner sah das so. "Für seine ersten Olympischen Spiele ist das eine respektable Platzierung", sagte der 67-Jährige, der seinem Schützling aber etwas mehr zugetraut hatte. "Wir haben mit dem Neuaufbau im Training noch einmal alles versucht. Merlin war auch zuletzt noch einen Tick besser als vor der EM. Deswegen habe ich schon gehofft, dass er über 78 Meter wirft und den Endkampf erreicht. Schade für ihn, dass er es nicht geschafft hat."

Merlin Hummel wird auf der Videoleinwand im Stade de France gezeigt.
Merlin Hummel wird auf der Videoleinwand im Stade de France gezeigt. // privat

Ständner kritisiert die Vorbereitung

Der erfahrene Wurf-Trainer hat aber auch eine Erklärung, warum sein Schützling unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. "Die letzten eineinhalb Wochen der Vorbereitung waren nicht optimal. Dass der DLV seine Athleten schon Donnerstag vor einer Woche in Kienbaum zur einem Pre-Camp versammelt hat, wo gemeinsames Grillen und Medientermine das Wichtigste waren, sehe ich kritisch. Da müssen wir professioneller arbeiten. Wir haben vor der EM bis drei Tage vorher daheim in Stadtsteinach trainiert, so konnte sich Merlin im Abschlusstraining Sicherheit holen. Darüber werde ich mit dem DLV sprechen."

Lesen Sie auch:

Katzberg vor Halasz und Kokhan

Erwartungsgemäß reichten Ethan Katzbergs 84,12 Meter aus seinem ersten Versuch zum Sieg. Der wie Hummel 22-Jährige kürte sich damit zum jüngsten Hammerwurf-Olympiasieger der Geschichte. Silber ging an den Ungarn Bence Halasz, der auf 79,97 Meter kam und sich damit das schönste Geschenk zu seinem 27. Geburtstag bereitete. Die Bronzemedaille sicherte sich der 23-jährige Ukrainer Mykhaylo Kokhan mit 79,39 Metern vor dem Norweger Eivind Henriksen (79,18) und Pawel Fajdek (78,57).

Grandiose Atmosphäre am Sonntagabend im Stade de France
Grandiose Atmosphäre am Sonntagabend im Stade de France // privat

Die weiteren Plätze belegten Rudy Winkler (USA/77,92), Titelverteidiger Wojciech Nowicki (Polen/77,42) und Yann Chaussinnand (Frankreich/77,38). Der Kanadier Rowan Hamilton (76,59), der Norweger Thomas Mardal (74,25) und der Grieche Christos Frantzeskakis (73,43) waren wie Hummel nach drei Versuchen ausgeschieden.

Unsere Leseempfehlungen

Mehr zum Thema

Inhalt teilen
  • kopiert!