Die Stelvio-Piste in Bormio, die Saslong in Gröden oder die Streif in Kitzbühel - Jacob Schramm aus dem Dörfchen Eppenreuth bei Grafengehaig im Landkreis Kulmbach fährt demnächst nur noch auf den berühmtesten Rennstrecken der Welt. Denn der 25-Jährige gehört nun fest dem deutschen Weltcup-Team an, misst sich im kommenden Winter in der Abfahrt und im Super-G mit den Weltbesten. Los geht es mit den Rennen in Beaver Creek (USA) vom 6. bis 9. Dezember.
Die Grundlagen für eine anstrengende Wintersaison müssen die Sportler im Sommer legen. 55 Trainingstage lang hat sich Jacob Schramm schon geschunden, tausende Kilometer auf dem Rad abgespult, im Kraftraum geschwitzt oder war Joggen oder Bergwandern. Und alles nur für sein großes Ziel: sich unter den besten Skifahrern der Welt zu etablieren und nicht mehr in den zweitklassigen Europacup zu müssen, in dem er im vergangenen Winter seinen ersten Sieg gefeiert hat. "Ich bin mittlerweile so selbstbewusst, dass ich sage, dass ich das auch drauf habe", meint der gebürtige Kulmbacher.
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Schramm stemmt 180 Kilo
Aktuell ist Grundlagen-Training, also Kraftbolzen, angesagt. Im Trainingszentrum seines Privattrainers Markus Hirschbiel stemmt Jacob Schramm 180 Kilo - und das fünf Mal hintereinander. "In Sachen Kraft habe ich einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht", erklärt der Frankenwälder. Wobei das auch keine große Überraschung ist, musste er sich doch im vergangenen Sommer nach einer erneuten Knorpeloperation im Knie erst durch eine langwierige Reha kämpfen.
In diesem Sommer läuft dagegen bislang alles nach Plan - und vor allem schmerzfrei. "Das Knie ist top, die Verletzung spüre ich nicht mehr", erklärt Schramm. Gerade hat er sein Mittagsschläfchen hinter sich. "Das brauche ich zwischen zwei harten Trainingseinheiten zur Regeneration, das tut mir gut", meint der Oberfranke, der diesen Sommer vor allem an seinem Nebenwohnsitz in Bischofswiesen in Oberbayern trainiert. "Sechs Tage die Woche füllt der Trainingsplan aus, zwei Mal wird nur einen halben Tag trainiert, der Sonntag ist immer frei. "Da gehe ich an den Badesee, spiele Klavier oder zocke bei schlechtem Wetter an der Konsole", verrät Jacob Schramm.
Besuch bei der Bierwoche
Zur Familie nach Eppenreuth kommt der beste fränkische Skifahrer dagegen derzeit selten - "zuletzt, als die Oma Geburtstag hatte". Ende Juli wird er aber wieder mal in Kulmbach sein. "Ich komme zum letzten Bierfest-Wochenende", kündigt der Skirennfahrer an. "Ich habe bislang gut gearbeitet, da kann man sich ab und zu schon mal was gönnen." Allerdings wird er als Spitzensportler das starke Festbier eher meiden, sich "eine alkoholfreie Maß oder höchstens mal ein Seidla" gönnen.
Zwei Wochen später wird Jacob Schramm dann erstmals auf Skiern stehen - und auf richtigem Schnee. Denn am 15. August fliegt er mit der Nationalmannschaft für ein vierwöchiges Trainingslager nach Chile. Mit dabei sind die fünf Weltcup-Speed-Fahrer Luis Vogt, Simon Jocher, Romed Baumann, Andreas Sander und Jacob Schramm sowie vier deutsche Europacup-Fahrer. Ob auch Dominik Schwaiger dabei sein wird, ist fraglich, denn er hat gesundheitliche Probleme. "Das Trainingslager in Chile ist super", weiß Schramm aus eigener Erfahrung, durfte er doch schon zwei Mal dort trainieren.
Begleitet werden die neun Athleten von noch mehr Betreuern. Angeführt von Herren-Cheftrainer Christian Schwaiger und Disziplintrainer Andreas Evers gehören weitere vier Trainer, ein Arzt, zwei Physiotherapeuten und fünf Service-Leute zum deutschen National-Team.
Training mit Linus Strasser
Bei zwei gemeinsamen Konditions-Trainingslagern der deutschen Ski-Nationalmannschaft im Sommer traf Jacob Schramm auch Slalom-Star Linus Strasser, den er ansonsten im Winter so gut wie nie sieht, denn die Weltcups der Techniker finden getrennt von denen der Abfahrer statt. Den 25-jährigen Eppenreuther freute es, einmal wieder die Nationalmannschaftskollegen aus anderen Disziplinen zu treffen. "Wir waren jeweils drei, vier Tage zusammen, da kommt man schon mal ins Gespräch."
Auch Fußball stand bei den Skifahrern im Trainingslager hoch im Kurs. "Wir haben mit dem Team Speed gegen das Team Technik gespielt", berichtet Schramm, der selbst beim SV Grafengehaig und FC Frankenwald gekickt hat. Sein letztes Punktspiel liegt aber schon ein paar Jahre zurück. Das Risiko, sich auf dem Rasen zu verletzen, ist dem Ski-Profi inzwischen zu groß. Dass der Oberfranke einiges von Fußball versteht, zeigte sich dann beim gemeinsamen EM-Tippspiel der deutschen Skifahrer. "Ich habe gewonnen und ganz schön Kohle abgestaubt", lacht Schramm.
EM-Song ging nicht viral
Nicht ganz so viel verdient hat er mit dem EM-Song "Sommermärchenzeit", den er mit seinem alten Kumpel Michael Söllner, der gerade erst mit dem FC Eintracht Münchberg in die Fußball-Bayernliga aufgestiegen ist, unter den Künstlernamen Jacob Lewis und Michlmore komponiert und produziert hat. "Der Song ist leider nicht viral gegangen", sagt Jacob Schramm lachend. Die etwa 3800 Aufrufe bei Spotify und 2000 bei Youtube hätten gerade mal 20 bis 30 Euro in die Kasse gespült. Reicher ist er aber um die Erfahrung, "dass es hart ist, mit Musik Geld zu verdienen".
Ähnlich ist es im Ski-Zirkus. Nur die absoluten Top-Stars verdienen so viel, dass es auch für die Zeit nach der Karriere reicht. Jacob Schramm hat aktuell sein Auskommen als weitgehend freigestellter Sportsoldat der Bundeswehr. Doch er denkt jetzt schon an die Zeit nach der Karriere und absolviert ein Fernstudium in Sportmanagement. "Ich bin da etwa in der Mitte und will in den nächsten zwei, drei Jahren fertig werden", sagt der Frankenwälder.
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Wie schnell eine Sportlerlaufbahn enden kann, zeigte sich erst dieser Tage bei Christoph Brence. Mit den Worten "Liebe Leute, ich habe fertig" begann er einen Instagram-Post, in dem er mit emotionalen Worten nach nur wenigen Weltcup-Rennen seine Laufbahn für beendet erklärte. Der ebenso wie Schramm 25-jährige Brence hatte im Januar bei einem Sturz eine schwere Gehirnerschütterung erlitten und sich ein halbes Jahr später das Kreuzband gerissen. Nun sei der Rosenheimer zu dem Entschluss gekommen, "dass mir meine Gesundheit doch einiges wert ist und ich in Zukunft nicht mehr bereit bin, das Risiko, welches dieser Sport mit sich bringt, einzugehen“.
Christoph Brence beendet Karriere
Für Jacob Schramm war es eine traurige Nachricht, hat er doch mit Brence viele gemeinsame Sport-Jahre erlebt. "Es ist im Sport selten, dass man über so lange Zeit mit jemanden befreundet ist", sagt der Kulmbacher. "Ich bin mit Christoph als 16-Jähriger gemeinsam ans Sportinternat nach Bischofswiesen gekommen, dann viele Jahre gemeinsam im Jugend-, Landeskader und Europacup-Team gefahren. Wir haben uns blind verstanden."
Seine Entscheidung, die Rennski an den Nagel zu hängen, zeige, "wie schnell es gehen kann, auch wenn man noch so fit ist", meint Jacob Schramm. Des Risikos, das bei Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h auf der Piste mitfährt, ist sich der Kulmbacher bewusst. "Wenn man fit ist und am Start steht, muss man volles Risiko gehen. Aber wenn man merkt, dass man krank ist oder vom Kopf her nicht da ist, sollte man Risiko rausnehmen."













