Gerhard Hildner war einer der Gründungsväter der Handball-Gemeinschaft Kunstadt. Sein sportliches Hauptinteresse gilt aber mittlerweile dem Frauen-Volleyball. Denn da gehört seine Enkelin Sarah-Luisa Fahr zu den besten der Welt. So hat die 23-Jährige gebürtige Kulmbacherin, die schon als Baby mit ihren Eltern nach Italien zog und bis heute dort wohnt, im vergangenen Jahr auf nationaler und internationaler Ebene alles gewonnen, was man gewinnen kann.
Höhepunkt war der erstmalige Triumph mit der italienischen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Paris. "2024 war ein Wahnsinnsjahr für Sarah", schwärmt Opa Gerhard Hildner, der den Triumph hautnah in der französischen Landeshauptstadt miterlebte.
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Die deutschen Volleyballerinnen mussten dagegen Olympia vor dem heimischen Fernseher verfolgen, wieder einmal. Denn seit 2004 konnte sich keine Frauen-Nationalmannschaft mehr für die Spiele qualifizieren.
Conegliano: Die beste Vereins-Mannschaft der Welt
Sarah-Luisa Fahr wechselte schon als 14-Jährige in ein Sport-Internat und debütierte bereits mit 17 Jahren für die italienische Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen. Seit 2020 steht sie bei der aktuell besten Frauen-Vereinsmannschaft der Welt unter Vertrag, den Imoco Volleys aus Conegliano. Obwohl das Städtchen bei Treviso in der Region Venetien nur 32.000 Einwohner hat, kommen zu den Heimspielen im Schnitt 4000 Zuschauer.
Und die wissen schon gar nicht mehr, wie sich Niederlagen anfühlen, denn die Imoco Volleys sind seit über einem Jahr in sämtlichen Wettbewerben ungeschlagen. So wurde Conegliano 2024 zum sechsten Mal in Folge Meister in der stärksten Frauen-Volleyball-Liga der Welt und hat auch in der neuen Saison in der Hauptrunde alle bisherigen 23 Spiele gewonnen. Zudem holte Fahrs Team im vergangenen Jahr den italienischen Pokal und gewann nach 2021 zum zweiten Mal die Champions League.
Einem perfekten Jahr setzten die Norditalienerinnen im Dezember in Hangzhou (China) die Krone auf. Gegen Konkurrenz aus China, Brasilien, Japan und Vietnam holten sie sich die Klub-Weltmeisterschaft. Sarah-Luisa Fahr wurde zudem ins "Dreamteam" der sieben besten Spielerinnen der Klub-WM gewählt. Auch in der italienischen Nationalmannschaft ist Fahr seit einem Jahr ungeschlagen. Neben dem Olympiasieg heimste das Team von Trainer Julio Velasco auch den Europameister-Titel ein und gewann die Nations-League. In diesem Wettbewerb wurde Sarah-Luisa Fahr als beste Mittelblockerin ausgezeichnet
Sowohl mit ihrem Verein als auch mit der Nationalmannschaft hat die Deutsch-Italienerin 80 Prozent der Spiele mit 3:0 gewonnen. Selbst bei den Olympischen Spielen gaben Fahr & Co. nur einen einzigen Satz ab. "Weltweit sind es nur Sarah und zwei Mitspielerinnen aus Conegliano, die 2024 kein einziges Spiel verloren haben", weiß Gerhard Hildner. Und das in einer Sportart, die weltweit die meistgespielte im Damenbereich ist.
Weltmeistertitel fehlt noch
In Sarah Fahrs Sammlung fehlt jetzt nur noch ein einziger Titel - der der Weltmeisterin. Den will sich die 23-Jährige im September mit Favorit Italien bei der WM in Thailand holen. Und Gerhard Hildner will dann wieder hautnah dabei sein und seiner Enkelin die Daumen drücken. Der 73-Jährige stammt aus Helmbrechts im Frankenwald, spielte Handball beim TV Weidhausen und war 15 Jahre als Sportlehrer an der Realschule tätig. "Danach habe ich meinen eigenen Musikverlag gegründet", erzählt Hildner, dessen Tochter Julia Anfang der 2000er-Jahre mit ihrem aus Kiel stammenden Mann nach Italien auswanderte. "Sie waren 2001 noch neu in Italien und noch etwas unsicher, weshalb sie Sarah unbedingt in Deutschland zur Welt bringen wollten", sagt er.
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Doch schon zwei Wochen nach Sarahs Geburt im Klinikum Kulmbach ging die junge Familie wieder zurück nach Italien, wo sie bis heute lebt. In den Sommerferien kam Sarah früher immer zu den Großeltern nach Burgkunstadt zu Besuch. "Sie war jetzt schon lange nicht mehr da, weil sie natürlich viele Verpflichtungen hat", sagt Gerhard Hildner, der dafür mit seiner Frau öfters nach Italien reist.
Beeindruckt ist der 73-Jährige vor allem vom Ehrgeiz und Willen seiner Enkelin. "Vor drei Jahren hat es nach solchen Mega-Erfolgen nicht ausgesehen, denn Sarah hatte zwei Kreuzbandrisse kurz hintereinander. Sogar das Karriereende musste man damals befürchten", erzählt Hildner. Doch der Verein, in dem viele Stars aus aller Welt spielen, habe Sarah den Rücken gestärkt und "immer zu ihr gehalten".
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Die Quälerei in der Reha habe Sarah "oft den Tränen nahe gebracht", weiß der Opa. Doch dank der "hervorragenden Betreuung durch die besten Sportärzte Italiens und Spaniens" sowie ihrem Biss habe seine Enkelin zu alter Stärke zurückgefunden. Die die 1,92 Meter große Athletin zeichnen Athletik und Timing am Netz aus. So ist sie im Block nur schwer zu überwinden und schließt auch viele Angriffe über die Mitte erfolgreich ab.
Keinen Hang zu Star-Allüren
Wenn Gerhard Hildner den medialen Hype um Fußball-Stars wie Ronaldo oder Messi sieht, denkt er sich oft, dass ja seine Enkelin in ihrer Sportart ähnlich herausragend ist. "Da wäre es natürlich schön, wenn sich auch die Bezahlung angleichen würde ...", sinniert der Opa. Doch selbst wenn Sarah Fahr beim italienischen Serienmeister Imoco Conegliano "sicher nicht schlecht verdiene", wie der Opa meint, lägen natürlich noch Welten zwischen den Gehältern im Fußball und Volleyball.
Viel wichtiger ist dem "Nonno" (italienische Bezeichnung für Opa) aus Burgkunstadt, "dass sich Sarah trotz der Erfolge nicht verändert hat und das nette, freundliche Mädchen geblieben ist, das sie schon immer war". Für Star-Allüren sei sie zum Glück nicht der Typ, weiß Gerhard Hildner.











